Ein neuer Aufbruch

Trip Start Mar 19, 2010
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Trip End Mar 19, 2011


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Flag of Germany  , Rhineland-Palatinate,
Friday, March 19, 2010

So. Und jetzt ist es so weit! Ich sitze an Gate B48 in Frankfurt am Flughafen und warte aufs Boarding. Und frage mich so ganz nebenbei, wo eigentlich die Zeit geblieben ist. Nein, nicht die von heute Morgen, sondern die der letzten 3,5 Monate. Ich bin doch gerade erst aus Neuseeland zurückgekommen, oder? Aber zwischenzeitlich ging dann alles doch ganz flott. Nach meiner Rückkehr hatte ich das Work & Travel-Visum beantragt, am 24.12. lag die Bestätigung in meinem Briefkasten, dann ging's ans organisieren, Wohnung auflösen, Möbel, Auto etc. verkaufen, ausziehen, Abschiedstreffen verabreden, Reisegepäck richten und dann – war plötzlich der 17. März da und ich hab angefangen, meinen Rucksack probe zu packen. Erstaunlicherweise ist der offenbar gewachsen seit Dezember! Alles was ich mir bereitgelegt hatte, passte rein – und da war er dann so ungefähr halb voll! Jede noch so angestrengte Überlegung, was ich vergessen habenkönnte, hat zu keinem Ergebnis geführt (ihr könnt euch sicher sein, dass ich noch berichten werde, falls dem doch so sein sollte!) und somit hab ich beschlossen doch noch meinen Schlafsack einzupacken. Und noch zwei Blusen. Und noch ein paar schicke Schuhe. Und: es ist immer noch Platz! Höchsterstaunlich. Und so reise ich jetzt mit 14,5 Kilo aufgegebenem Gepäck und 8kg Handgepäck (wovon alleine ca. 1,5kg Stecker, Ladegeräte und sonstiges elektronisches Zubehör sind) für ein Jahr nach Canada. Hört sich erstaunlich an, wenn man mal überlegt, dass 20kg für den Sommerurlaub schon eine echte Herausforderung sind, aber verrückterweise fühle ich mich wirklich bestens ausgestattet. Die 2,5 Monate letztes Jahr haben eben doch ganz deutlich gemacht, was notwendig ist und was nicht und die Ansprüche an die Reisegarderobe verändert. Außerdem muss man auch bedenken, dass man eben nicht nur 2 Wochen unterwegs ist und für jeden Tag gerne 2 Oberteile dabei haben möchte, sondern man unterwegs „wohnt" und jederzeit die Kleidung waschen kann. Und sollte tatsächlich etwas fehlen, gibt es nichts, was man unterwegs nicht kaufen oder sich per Post nachschicken lassen könnte.

Wichtiger sind da eher die kleinen Dinge, die man im Alltag dann doch mal so zwischendurch braucht und nie da sind, wenn man sie gerade braucht. Ausreichend Kugelschreiber zum Beispiel. Und funktionierende Reisestecker ohne Wackelkontakt. Und einen ordentlichen Beutel für Duschgel und Shampoo rein. Und Stoffbeutel statt Plastiktüten – es gibt nämlich nichts unangenehmeres als raschelnde Zimmermitbewohner, die morgens um 6 Uhr für den nächsten Bus packen müssen und eine ¾ Stunde nichts anderes tun, als mit Plastiktüten zu alle anderen wachzuhalten. Das möchte zumindest ich meinen Mitbewohnern nicht mehr antun und habe die guten TRW-Stoffbeutel dabei! :-)

Eine besonders tolle Sache sind außerdem Kompressionspackbeutel. Davon habe ich zwar nur einen für Unterwäsche (die darf nämlich gerne knittern), aber konnte damit die Anzahl vom letzten Mal 3 Tüten auf einen komprimierten Beutel zusammenfassen. Der Beutel ist ungefähr so groß wie eine Schlafsackhülle und hat vier Rucksackriemen drumherum, mit denen man den Beutel mit Inhalt so klein wie möglich zusammenziehen kann. Tolle Sache und sehr platzsparend. Nur für normale Kleidung eben nicht besonders geeignet, wenn man nicht noch ein Reisebügeleisen einpacken möchte.

Ganz besonders stolz bin ich darauf, dass ich dran gedacht habe, Tesafilm mitzunehmen. Ich weiß nicht mehr, bei wie vielen Gelegenheiten ich beim letzten Mal dachte, „Mist, jetzt Tesafilm!!“. Wenn ich das nächste Mal diesen Satz vor sich hingrummeln höre, kann ich dann die rettende Rolle auspacken! :-)

Zeitsprung: ich sitze im Flieger. Das Boarding lief einigermaßen geordnet ab, es ist ein Riesen-Flieger, eine Boeing 777 mit schätzungsweise 500 Passagieren. Ich bin ja immer noch erstaunt, wie ein solcher Riese tatsächlich abheben kann und dann sanft durch die Luft schwebt. Bei Gelegenheit werde ich nochmal eine Physik-Nachhilfestunde nehmen.

Der Flug verläuft bisher auch unproblematisch und ich bin begeistert von Air Canada. Bequeme Sitze, ausreichend Beinfreiheit, die Toilette ist groß genug, dass man eigentlich noch eine Duschkabine zusätzlich darin unterbringen könnte, die Stewardessen sind freundlich und jederzeit hilfsbereit, jeder hat seinen eigenen Bildschirm in der Rückenlehne und kann das Programm frei wählen, das Essen war auch unerwartet lecker… - und draußen scheint die Sonne über Grönland! Könnte es besser anfangen?

Bisher habe ich ja noch nicht allzu viel erlebt, daher nehme ich mal vorweg, was ich mir für die nächsten etwa 12 Monate vorgenommen habe. Ich lande heute nachmittag in Toronto und werde dann erstmal zu meinem gebuchten Hostel fahren, dem Clarence House. Nach dem Einchecken will ich gleich mal eine Runde durch die nahegelegene City drehen und mir einen ersten Überblick verschaffen, aber dann wohl recht früh ins Bett gehen, um den Jetlag so gering wie möglich zu halten. Morgen dann weiter Touri-Programm in Toronto, nach Möglichkeit auch gleich eine neue SIM-Karte beschaffen und am Sonntag stehen die Niagara-Fälle auf dem Plan – vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Montag und Dienstag wollen dann die administrativen Aufgaben erledigt werden, wie Sozialversicherungsnummer besorgen und Bankkonto eröffnen. Und ich muss mir irgendwann klar werden, wie und wann ich dann von Toronto zu meinem ersten WWOOFing-Platz komme, einem Hostel in Moncton, in der Provinz New Brunswick. Ursprünglich hatte ich angedacht, mit dem Bus erst nach Montréal und dann nach Québec City zu fahren und von dort aus dann zum 1. April nach Moncton, aber die Greyhound-Website hat nicht ausreichend Infos hergegeben, um mir da ein schlüssiges Bild zu machen. Die Alternativen sind die Anreise mit dem Zug (evtl. nur mit einem Stopp dazwischen) oder aber ein Flug direkt von Toronto nach Moncton und ich könnte die Zwischenzeit noch in Toronto bleiben. Ich denke, bis das Wochenende vorbei ist, werde ich einen genaueren Plan dazu haben.

Ab dem 1. April bin ich dann wie gesagt im C’Mon Inn Hostel in Moncton. Gefunden habe ich dieses Programm über die kanadische WWOOF-Website. WWOOF steht für „Willing Workers On Organic Farms“ oder auch „WorldWide Opportunities on Organic Farms“, je nachdem, wen man fragt. Das Konzept ist dabei folgendes: man hilft auf einer Farm, die sich in irgendeiner Form als „Bio“ qualifiziert, oder einem Selbstversorgerhof oder ähnlichen Einrichtung ein paar Stunden am Tag im laufenden Betrieb mit, dafür hat man dann Kost und Logis frei. Es ist vorgesehen, dass man 5-6 Stunden pro Tag hilft und 1-2 freie Tage in der Woche hat. Es gibt allerdings auch deutliche Abweichungen hiervon und man hat schon von WWOOFern gehört, die fest im Betrieb mitarbeiten, das gerne auch mal 8 Stunden oder mehr und das Essen kann durchaus aus einfachen Käse-Sandwiches bestehen. Das ist nicht unbedingt Sinn der Sache, aber auf der WWOOF Canada Website gibt es ein gut gefülltes Forum, welches viele Tipps für tolle WWOOF-Plätze gibt.

Ich habe nicht die leiseste Ahnung, inwiefern das Hostel in Moncton sich als Bio-Betrieb qualifiziert, aber es passt einfach genau in meinen Plan und es macht einen zu tollen Eindruck, um nicht mal für ein paar Wochen dort erste Erfahrungen im Hostel-Bereich zu sammeln. Die Besitzerin ist genauso alt wie ich und hat das Hostel vor 4 Jahren eröffnet. Es hat gerade mal 10 Betten, ist also sehr übersichtlich, aber dementsprechend Mühe hat sie sich auch mit der Gestaltung des Hauses gegeben. Wer will, kann bei www.monctonhostel.ca schon mal reinschauen.

Nach den 4 Wochen in Moncton möchte ich nach Möglichkeit gerne für die Sommer-Saison ein Hostel in Nova Scotia finden, in dem ich dann auch fest angestellt bin. Nach der Sommer-Saison werde ich dann in den Westen rüber reisen und mir dann dort wiederum für die Wintersaison eine neue Stelle suchen, bevorzugt in Banff oder Whistler.

Aber: sollte sich zwischendurch irgendwas anderes ergeben, oder ich einen guten Tipp erhalten, dass z.B. auf Vancouver Island für den Sommer dringend jemand in einem Hostel benötigt wird (Kontakte knüpfen ist hierbei einfach das A und O), ist mein Plan nicht so fix, dass ich ihn nicht anpassen würde. Wer mich also besuchen kommen möchte, sollte die Tickets nie allzu lange im Voraus buchen! :-)

Es liegen jetzt noch 1,5 Stunden Flug vor uns, die werde ich noch für ein bißchen Entspannung vorm Fernseher nutzen. Ich bin gespannt, wie Toronto mich empfängt und hoffe, dass ich genauso schöne Frühlingstagen entgegenschaue wie zuhause in Deutschland.

Und noch ein Zeitsprung: es ist jetzt kurz vor 20 Uhr abends und ich kann kaum noch die Augen offenhalten. Wenn ich allerdings zu früh ins Bett gehe, weiß ich ja, dass ich morgen früh ab spätestens 4 Uhr hellwach im Bett liege.

Das Hostel hier ist total gemütlich – es liegt in der City von Toronto, aber etwas außerhalb vom üblichen Getümmel, so dass man wirklich abends auch seine Ruhe hat. Es ist auch nicht das typische 18-22jährige Backpacker-Publikum, sondern so ab 25 aufwärts anzufinden. Das Hostel besteht aus drei nebeneinanderliegenden Reihenhäusern und es ist mal wieder eine Unterkunft die sich wie „wohnen bei Freunden“ anfühlt. Ich bin in einem 6er-Mädels Dorm untergebracht, wo wir ein eigenes Bad haben. Im ganzen Haus gibt’s Wifi und hier unten im Souterrain wo ich gerade sitze, sind die Küche und das Wohnzimmer. Alles ist schön gestrichen und noch dekoriert dazu, und es gibt einen riesigen Flachbildfernseher und eine ziemlich tolle Standbox, an die man seinen iPod anschließen kann. Nichts fehlt!!

Wenn ich aus unserem Zimmerfenster rausschaue hab ich Blick auf den Clarence Square, wo den ganzen Tag Hunde ausgeführt werden und miteinander spielen dürfen. Dazwischen rennen hin und wieder ein paar Eichhörnchen rum. Und links vom Park thront über all den anderen Hochhäusern der CN Tower – sehr beeindruckend! Und das alles für 24$ die Nacht!

Nach dem Einchecken heute mittag musste ich mich erstmal unter die Dusche stellen. Mit zusammen 22kg Gepäck auf dem Rücken und einem kurzen „Umweg“ ab der Bushaltestelle war ich dann doch einigermaßen erledigt, als ich endlich hier war. Aber danach konnte mich nichts mehr halten und ich habe meine erste Stadtrunde in Toronto gedreht. Sehr weit bin ich allerdings nicht gekommen, aber immerhin hab ich mich jetzt mal so ungefähr mit dem Straßensystem vertraut gemacht und kann dann morgen ohne weitere Verzögerungen loslegen mit einem richtigen Stadtrundgang. Die Stadt macht bisher einen sehr netten Eindruck und wenn man mal die Ost/West, Nord/Süd-Orientierungen verstanden hat, kann auch nichts mehr schiefgehen.

Hauptsächlich bin ich bei meiner kurzen Erforschung auf den CN Tower, das Rogers Centre (ein hochmodernes Football/Baseball-Stadion), viele Theater, ein Underground-Einkaufscenter und sehr viele sehr teure Innenstadtparkplätze gestoßen. Letztere werden dann auch tatsächlich noch mit 4$ pro halbe Stunde als Schnäppchen beworben!

Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass die Canadier im Autoverkehr ähnlich rücksichtsvoll auf Fußgänger sind wie Amerikaner. Hier braucht man wirklich nicht befürchten überfahren zu werden, Fußgänger haben einfach überall Vorfahrt. Selbst wenn man noch meterweit entfernt ist, zieht das Auto nicht aus dem Parkplatz raus, sondern wartet (geduldig!) darauf, bis man vorbeigezogen ist.

Bevor ich zum Hostel zurück bin, habe ich mich noch mit einigen Grundnahrungsmitteln eingedeckt, damit ich wenigstens mal heute Abend was zu knabbern hab und nun versuche ich noch ein oder zwei Stunden die Augen offen zu halten. Mal schauen, wie mir das gelingen wird!

Gute Nacht!!
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Comments

Gisela on

Schön dass du glücklich gelandet bist! Wir wünschen dir einen Super Start in Canada!!

Katharina on

Ich wünsche Dir gaaanz viieel Spaß auf deiner Tour !!!
Das Hostel sieht echt klasse aus !

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