Hüttengaudi
Trip Start
Jan 11, 2011
1
24
51
Trip End
Dec 31, 2011
River Valley, 01. Mai 2011
Mit immer noch schmerzenden Waden fährt
der grüne Partybus weiter in Richtung River Valley, was auf
unserem Reiseprogramm einen besonderen Platz zwecks „besonderer
Unterkunft“ einnimmt. Das bedeutet, wir übernachten nicht in
einem stinknormalen Hostel, sondern haben unser Nachtquartier z.B. in
Form einer Berghütte. Dementsprechend gespannt sind alle mächtig
gespannt, was uns dort erwartet. Aber vorher heißt es nochmal:
wandern. Ja, ihr habt richtig gehört! Als uns unser Fahrer diese
Info serviert hat, erntete er offene Kinnladen. Wir haben gestern den
Tongariro Crossing gemacht und heute sollen wir schon wieder
marschieren? geht’s noch? Ja, er weiß wir sind alle kaputt
und müde, aber es gäbe dort einen Wasserfall, der die Mühe
anscheinend wert ist. Sind ja NUR zwei Stunden Hin-und Zurück...
etwas missmutig stampfe ich los. An dieser Stelle möchte ich
nochmal erwähnen, die Landschaft ist wirklich traumhaft schön,
aber nach dem gestrigen Gewaltmarsch ist meine Wanderlust eben etwas
gesunken. Wie versprochen erreichen wir nach knapp einer Stunde den
versprochenen Wasserfall und es war die Sache auf jeden Fall wert.
Durch den seltenen Gast, die Sonne, spiegelt sich im Wasserfall ein
wunderschöner Regenbogen und die aufsteigende Gischt bläst
uns angenehm kühl ins Gesicht. Die obligatorischen Foto´s
werden geschossen und wir verabschieden uns auf unseren letzten
Metern vom Tongariro Nationalpark.
Da die heutige Fahrtzeit etwa sechs
Stunden beträgt, machen wir noch einen zweiten Halt und
entspannen bei Coffee & Muffins. Am späten Nachmittag
erreichen wir River Valley. Wie der Name schon sagt, handelt es sich
hierbei um ein Tal, durch dass ein Fluss läuft. Mittendrin ist
unsere Lodge, eingebettet von umliegenden Bergen, sowie sattem Grün
soweit das Auge reicht. Bekannt ist River Valley für sein
White-Water Rafting, welches wohl das beste in ganz Neuseeland sein
soll. Da ich aber bereits in Rotorua geraftet habe und der Preis
stattliche 195 Dollar beträgt, passe ich. Die Hütte liegt
versteckt im Nirgendwo, es gibt keinen Supermarkt oder sonstige
Einrichtungen in der näheren Umgebung. Die Anlage ist mit viel
Liebe zum Detail gestaltet. Der große (und durch einen Kamin in
der Mitte beheizte) Aufenthaltsraum ist rustikal eingerichtet und
versprüht eine familiäre Gemütlichkeit. Fernseher gibt
es hier nicht und der Internetzugang ist zu langsam um anständige
Ergebnisse zu erzielen. So vertreiben sich viele die Zeit mit
Kartenspielen, Pokern, Small Talk oder einem guten Buch. Ich
entscheide mich für letzteres und verkrümele mich mit einer
Tasse Tee auf die Couch. Unser Schlafsaal hat den vielversprechenden
Namen „Orgy-Room“, da es sich in diesem nicht um seperate
Stockbetten handelt, sondern um eine große Matraze, die von
allen geteilt wird. Löffelchenstellung inklusive! Gerüchten
zufolge soll es hier drin schon heiß hergegangen sein...
Ich fühle mich in die Zeit von
Schullandheim und Co. Zurückversetzt und schwelge in
Erinnerungen. Die Nacht zieht ohne größere Zwischenfälle
oder Orgien vorbei und wir runden unseren Besuch in River Valley
durch ein reichhaltiges Büffet-Frühstück ab.
Wer mal die Seele baumeln lassen
möchte, ein gewisse Abgeschiedenheit nicht scheut und die
umliegende Natur genießen will, dem empfehle ich diese Anlage.
Das Personal heißt einen herzlich willkommen und steht einem
während des Aufenthalts jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.
Zusätzlich dazu kann man für
ein paar Stunden Arbeit am Tag ein „Slave of the River“ werden
und für freie Unterkunft, Essen und Internet ein paar Tage
länger bleiben. Wenn ich mehr Zeit in Neuseeland hätte,
wäre das definitiv ein verlockendes Angebot! Vielleicht ein
andern Mal...


