Durch die Salzwüste

Trip Start Feb 18, 2007
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Trip End Oct 11, 2007


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Flag of Bolivia  ,
Monday, July 9, 2007

Von Potosï aus ging es dann mit nur zwei Tagen Verspätung (Ratet mal! Ja! Es wurde zur Abwechslung mal wieder gestreikt!) ewig und drei Tage lang auf Schotterpisten durch eine karge Landschaft, die sich von Hochebenen über Sandsteinformationen in steile Berge verwandelte. Und vereinzelt leben in dieser Wildnis wirklich noch Menschen. Irgendwie... Mittags hielten wir an einer kleinen Hütte an. Da gab´s lecker Essen. Wie viel Spass wir mit so ´nem Pot Suppe hatten, könnt ihr auf den Bildern sehen! Was wir auch viel gesehen haben (vielleicht auch in unserer Suppe??), sind Llamas. Oder Alpakas. Auf jeden Fall waren es richtig tolle Anden-Bilder; genau so wie wir uns das vorgestellt hatten.

Uyuni selbst ist ein komisches Örtchen und hat ausser einer Strassenkreuzung nicht soo viel zu bieten. Ausserdem liegt es auf über 4000 Metern und die Nachttemperaturen sinken auf unter -20 Grad. Und als erster Heizungsinstallateur könnte man wahrscheinlich ein Vermögen machen, denn Heizungen sind dort bis heute noch unbekannt... Deshalb waren wir ganz froh, dass es tags darauf schon los ging mit unserer Tour durch die Salar. Mit sechs Leuten in den Jeep gequetscht und ab ging´s mit 100 Sachen über die Piste an alten, rostigen Zügen vorbei (und kurz reingeschlüpft) zu einem kleinen Dorf an der Salzwüste, wo das Salz hintransportiert und dann weiterverarbeitet wird. Überall liegen grosse Salzhaufen herum, auf denen man lustig herumspringen kann.

Und dann kam die eigentliche "Salar de Uyuni", die grosse Salzwüste. Die Gegend ist einfach der Hammer! Über mehr als 12.000 qkm (Selbst das Grossherzogtum Baden schaffte es nur auf 15.000! ) erstreckt sich eine riesige weisse Fläche bis an den Horizont. Das Ganze war einmal ein riesiger See, der keinen Abfluss hatte. Minerale wurden durch den Regen ausgewaschen, von den Bergen ins Tal gespült und dort angereichert. Irgendwann trocknete der See dann aus und zurück blieb eine dicke Salzkruste - an manchen Stelllen anscheinend ganze sechs Meter mächtig! Der Untergrund ist aber ständig wassergesättigt und so kann es vorkommen, dass die Kruste bricht. Normalerweise hält die Sache aber und je schneller man darüber saust, desto besser wahrscheinlich! Jedenfalls angenehmer zu fahren als auf den meisten normalen bolivianischen Strassen. Die brauchen noch mehr so Dinger! Auf den ersten Blick sieht die Salar eher aus wie eine zugeschneite Ebene oder ein zugefrorener See. Wenn man genauer hinsieht, erkennt man aber überall hexagonale (für die Nicht-Geos: sechseckige) Muster bis an dem Horizont. Witzig, auch das Salz folgt anscheinend den Gesetzen der Natur. Was sich der Natur ein bisschen widersetzt, bzw. sie ein bisschen stört, sind die unzähligen Jeeps, die hier entlangbrausen. Allein unsere Agentur besitzt 40 und genauso viele waren an dem Tag unterwegs. Insgesamt gibt es mittlerweile 60 Unternehmen, die Touren in der Salzwüste anbieten! Demnach kann man sich ausmalen, welch Spass das in der Hochsaison sein muss! Der Tourismus hat hier anscheinend echt Fuss gefasst!

Mitten im Salar liegt die "Isla del Pescado". Ein Berg voll Gestein mitten im weissen Nichts. Wenn man die 200 Touris um einen herum ausblenden konnte, war das auch echt ein super Erlebnis, denn auf dieser Insel, die neben Touris nur Unmengen an Salz und Kälte zu bieten hatte, wuchsen Kakteen. Und nicht nur ein paar kümmerliche Dinger, sondern fünf, sechs Meter grosse Prachtexemplare. Bisher hatten wir Kakteen immer nur mit Trockenheit und Hitze in Verbindung gebracht. Trocken war es hier ja, aber inmitten einer der höchsten Andenregionen überhaupt, kamen sie uns schon ein wenig fehl am Platze vor!

Die Salar de Uyuni ist wohl eines der seltsamsten Dinge, die wir je gesehen haben und noch dazu kann man lustige Bilder machen, womit wir dann auch den Rest des Tages beschäftigt waren. Die Nacht verbrachten wir am Rande der Salzwüste in einem bzw. dem einzigen Hotel. Dort trafen wir auch unsere amerikanischen Freunde aus Potosí, Kate und Scott, wieder. Sie waren mit der gleichen Tour-Company da, aber mit einem anderen Jeep - Und somit durften wir nicht an einem Tisch essen! Sind wir hier denn im Kindergarten?! Bitte auch nach Männlein und Weiblein getrennt?!? Jedenfalls mussten wir uns notgedrungen doch mit unserer eigenen Gruppe abfinden. Da waren Antoinne und Charlotte, ein Pärchen aus Paris, Valerie aus dem Süden Frankreichs und Sandra aus der Schweiz, die zugegebenermassen besser Hochdeutsch konnte als Karin! Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten mit unserer Gruppe wurden wir dann doch noch ganz warm miteinander...

Am zweiten Tag fuhren wir zunächst über Holperpisten an Vicuña-Herden vorbei, die wegen ihrem weichen, glänzenden Fell auch das "Goldene Fliess der Anden" genannt werden. Dann bogen wir von der Salzwüste ab, stockten in einem kleinen, staubigen Dorf letztmals unsere Keks- und Chipsvorräte auf und dann lag vor uns nur noch die grosse weite Wildnis des Altiplanos. Wir betraten eine andere, unwirkliche Welt. Gleichzeitig erschreckend karg und auch atemberaubend schön. Eine einsame Bahnstrecke führt an riesigen Vulkanen vorbei durchs Nichts bis zu den ersten chilenischen Siedlungen 500 km weiter im Süden. Auf der ganzen Strecke gibt es genau ein verfallenes Wartehäusschen...

Heute war Lagunen-Tag. Die gibt es hier nämlich wahlweise in rot, grün, blau, weiss, thermisch aktiv oder nicht, mit Flamingos oder ohne...Ja, richtig gehört. Flamingos. Wenn es etwas gibt, was ich mir neben Kakteen am allerwenigsten in den bolivianischen Zentralanden vorstellen könnte, dann wären das ziemlich sicher Flamingos. Doch hier tummeln sie sich ziemlich munter im eiskalten Wasser einer grossen Lagune. Nach Lagune Nr. 1 - 3 kamen wir dann in eine Gegend voller interessanter Felsskulpturen. Der unaufhörliche Wind zusammen mit dem aufgewirbelten Sand hat die Sandsteinblöcke in seltsame Formen geschliffen. Die bekannteste davon ist der "Arbol de Piedra", also ein Baum aus Stein.
Neben den ganzen Naturwundern war aber auch unser Fahrer ein wahrer Höhepunkt der Reise. Den Namen konnte sich bis heute keiner merken, doch das war auch nicht nötig. Mit seiner (fehlenden) Grösse fiel er eh überall auf. Eventuelle Komplexe wurden durch waghalsige Überholmanöver ausgeglichen. Was wirklich in ihm steckte, sollten wir wenig später erfahren, als er allmählich ein wenig auftaute und sogar mit uns zu reden begann. So klein und schüchtern war der gar nicht! 1,50 m ist in Bolivien wahrscheinlich guter Durchschnitt. Und die Frauen scheinen´s toll zu finden... Ja, er habe eine Freundin. Eine Chilenin. Weil er sei ja halb Chilene und in San Pedro (Nordchile) aufgewachsen. Aber sein Herz gehöre Bolivien. Und, ach ja, da bräuchte man ja auch noch ein Mädel. Aber im August könnte das Ganze ein bisschen viel werden, da da seine französische Freundin zu Besuch komme. Und das sei was Ernsteres... Oh, der Arme! Schweres Los, wenn man so beliebt ist...

Wenig später kamen wir dann wirklich zur ersten farbigen Lagune, der roten nämlich. Deren Wasser ist aufgrund von bestimmten Mineralen und Kleinstwassertierchen rot gefärbt und gefriert selbst bei Temperaturen von minus 15 Grad noch nicht. Das erklärt so einiges! Wenigsten hatten wir in dieser Nacht nicht genügend Zeit, zu erfrieren, da es um fünf morgens schon los ging umd "por la mañana" das "Sol de mañana" zu sehen. Das ist ein Geysirfeld mit grossen Blubberlöchern und riesigen Dampfwolken. Angeblich sind die Geysire am aktivsten, wenn der Unterschied zwischen Wasser- und Aussenlufttemperatur am grössten ist. Also in aller Herrgottsfrühe! Im Halbdunkel mit dem Getose des Wasserdampfes und dem Heulen des Windes ringsherum war das echt ein unheimlicher Ort!
Rechtzeitig mit den ersten Sonnenstrahlen kamen wir an einer Thermalquelle vorbei. Das Wasser war verlockend heiss, doch die Lufttemperatur hatte immer noch gefühlte minus unendlich Grad. Da waren uns unsere zehn Kleiderschichten schon lieber! So genossen wir mit netten Gedanken die schöne Aussicht..

Zum Abschluss unserer Reise gab es dann noch Lagunen in den Farben Grün und Weiss, bevor es dann "Tschüss Bolivien!" und "Hallo Chile!" hiess. Endlich wieder zuhause!! ;)
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