Praktikum - Klappe die Erste!

Trip Start Feb 06, 2009
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Trip End Jun 30, 2009


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Wednesday, March 18, 2009

Das ist also mein neues Zuhause San Gil - zumindest für die nächsten vier Monate! San Gil liegt im Departamento Santander und hat etwa 50.000 Einwohner. Es gibt eine Universität, aber kein Kino. Das Zentrum der Stadt ist der Parque La Libertad, ein Plaza, wie er für lateinamerikanische Städte typisch ist. Von hier aus geht es steil bergauf - egal in welche Richtung. Ich wohne in einem Haus direkt neben der Uni, natürlich auf dem Berg. Es ist nicht weit vom Parque und damit vom Stadtzentrum, aber halt steil. Das Haus gehört Anita. Sie kocht dort jeden Mittag für einige Dozenten und Mitarbieter der Uni und bereitet das Essen für bestimmte Anlässe, Konferenzen oder ähnliches zu. In ihrem Haus vermietet sie vier Zimmer an Studenten unter und ein einem davon wohne ich jetzt. Das Haus ist super hellhörig und mein Zimmer klein und dunkel. Aber ich bin dort eh nur zum Schlafen, also macht mir das nicht allzuviel aus. Das einzige, was mich wirklich nervt ist Luna, der kleine vorlaute Köter, ein blödes Rattenviech, auf das ich schon mehrmals fast draufgetreten wäre. Uuuups wie schade, platt isse...

Kaum angekommen bin ich direkt am Sonntag mit Silvia nach Charala gefahren. Charala ist ein kleines, ruhiges Dorf etwa eine Stunde entfernt von San Gil. Hier befindet sich "Corpolienzo", eine Kooperative von Frauen, die Baumwolle spinnen, Stoffe weben und Kunsthandwerk herstellen. Sie verkaufen Produkte wie Taschen, Ponchos, Schals, Hängematten und vieles mehr aus naturbelassener oder mit natürlichen Farben gefärbter Baumwolle. Einmal im Monat treffen sich die Frauen von "Corpolienzo", um mit Unterstützung aus San Gil über geschäftliche und organisatorische Dinge zu sprechen.

In den darauffolgenden Tagen habe ich dann die Uni kennengelernt... Ich wurde ungefähr dreihundertachtundneunzigtausend Leuten vorgestellt, von denen ich mir weder Gesichter noch Namen merken konnte, aber das wird schon mit der Zeit :)

Ich arbeite im Moment in einem Büro, das sich im neuen Sitz der Uni, etwa zwei Kilometer ausserhalb von San Gil, befindet. Es ist eigentlich Silvias Büro, aber die ist den ganzen März über in Deutschland und in der Schweiz, also kann ich das so lange benutzen. Ich soll bei einem Projekt mithelfen, an dem die Uni in Kooperation mit verschiedenen Firmen der Region arbeitet. Es geht darum den Tourismus in der Region besser zu vernetzen. San Gil ist bekannt als "Tierra de Aventura", weil man hier alle möglichen Outdoor- und Abenteuersportarten betreiben kann. Rafting, Paragliding, Wasserfallklettern, Höhlen erwandern und vieles mehr. Allerdings hat die Region mehr zu bieten als das. Es gibt ein ausgedehntes Wanderwegenetz, das nicht richtig genutzt wird, es gibte eine interessante Geschichte, weil hier wichtige Schlachten der Spanier stattgefunden haben, und nicht zu vergessen die indigene Kultur der Guane Indianer! Alles in allem ist Santander eine spannende region mit viel Potential, das man nur richtig nutzen muss. Aber ich sitze nicht nur den ganzen Tag im Büro... ich gehe auch in die Klassen, die meist abends zwischen sechs und zehn stattfinden, um von Deutschland zu erzählen, mit den Studeneten zu diskutieren und Vorschläge einzubringen. Der Unterricht verläuft hier ziemlich anders als an einer deutschen Universität. Die Seminare hier sind eher vergleichbar mit denen einer Berufsschule oder so. Das Niveau ist längst nicht so hoch, die Studenten und die Duzenten kommen immer mindestens eine halbe Stunde zu spät und alles paar Minuten klingelt irgendwo ein Handy. Die meisten Studenten kommen unregelmässig, weil sie arbeiten müssen, etwas besseres zu tun haben oder einfach auch mal keine Lust auf unterricht. Das scheint aber keinen zu stören. Auch fällt der Unterricht ständig aus, weil die Dozenten zu irgendeiner mehr oder weniger wichtigen Konferenz müssen.

In der vorletzten Woche im März war die 320 Jahrfeier von San Gil. Die ganze Woche gabs Vorführungen, Musik, Tänze, Theater und eine grosse Parade. Ja die Kolumbianer lieben ihre Paraden und Hymnen. Und die Woche drauf war die "Woche der Wissenschaft" an der Uni. Also auch mal wieder kein Unterricht, aber viele Projekte und Konferenzen. Jedesmal wird zu beginn erst die Nationalhymne, dann die Hymne von Santander und zum Abschluss noch die Hymne von San Gil gesungen. So viel Patriotismus ist man ja als Deutsche garnicht gewöhnt... So, dass sind meine ersten Eindrücke von San Gil. In den nächsten Wochen und Monaten wird es bestimmt noch viel mehr zu erzählen geben...
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