Lhasa - die Stadt der klatschenden Mönche

Trip Start Sep 16, 2010
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Flag of China  , Tibet,
Thursday, July 28, 2011

Lhasa überrascht uns zunächst mit moderner Infrastruktur. Ich hätte auf 3.650 Höhenmeter nicht so eine moderne Stadt erwartet. Auf dem Weg vom Bahnhof in die Stadt fahren wir auf gut ausgebauten Straßen, kreuzen modernste Brückenkonstruktionen und ziehen im Stadtbereich an modische Shoppingmalls vorbei. Das überrascht doch ein wenig, hat man eigentlich sofort nur den Potala Palast im Kopf, wenn man an das alte Lhasa denkt. Die Modernität steht natürlich im krassen Gegensatz zur tibetanischen Kultur und ist ein starkes Ausrufszeichen der chinesischen Bemühungen in der Region.

Uns wird empfohlen es ruhig angehen zu lassen und den ersten Tag nicht zu duschen. An die Höhe muss erst einmal angepasst werden. Dies soll möglichst ohne Anstrengung erfolgen. Nachdem wir mit der Bahn ja von über 5.000 Höhenmeter wieder auf Lhasas Höhe gekommen waren, fühlen wir uns eigentlich wieder halbwegs fit. Das Kopfweh der Nacht war verschwunden. Doch nach ein paar Stunden merken alle ein wenig die Auswirkungen der Höhe in unterschiedlicher Ausprägung. Im spezifischen bei mir äußert sich dieses durch Schwindel und extrem langsamem Denken. Manche mögen ja behaupten dies sei in meinem Fall ein Normalzustand, aber in Lhasa wird noch eine Extraportion Dussel darauf gelegt. Weiteres Kopfweh bleibt mir im Gegensatz zu manch anderen glücklicherweise erspart.


Der zweite Tag in Lhasa steht ganz im Zeichen tibetanischer Tempel und der Religion, ohne gleich den großen und übermächtigen Potala zu besuchen. Ein bisschen außerhalb der Stadt befindet sich an einem Berghang recht idyllisch gelegen, einer der ältesten Tempelanlagen der Tibetaner. Er war der erste Sitz des Dalai Lama. Die wenigen Stufen hinauf bringen uns extrem außer Atem, zwingen uns ständig zu Verschnaufpausen und bringen und leidlich in Erinnerung, dass wir uns immer noch nicht an die Höhe angepasst haben. Selbst alte Frauen auf Stöcken überholen uns, als wären sie in ihren besten Jahren.

Augenscheinlich ist für uns ist, dass die nicht touristischen tibetanischen Besucher ihre Gebetsrituale mit ständigen Geldabgaben im Kloster begleiten und dabei intensiv ihre Gebete murmeln. Sie stecken ständig kleine Scheine in Relikte der Tempelanlagen. Ob sie sich damit ihre Heiligsprechung erkaufen, oder ob es einfach nur eine freiwillige Kirchenabgabe ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Für Uneingeweihte, zu denen ich mich zähle, wirken die Rituale schon seltsam. Trotzdem ist auch dieser Fremdartigkeit Respekt zu zollen. Es sind aber vor allem alte und verbrauchte Gesichter zu sehen, die ihrem Glauben, teilweise mit verbitterter Mine, nachkommen.

Der zweite Tempel des Tages bietet uns lustig launisches Treiben buddhistischer Mönche. Wir dürfen, wie unzählige hundert andere Touristen auch, Zeuge eines für uns spaßigen Mönchsrituals werden. Dabei treffen sich unzählige Mönche in ihren roten Kutten an einem Platz und stellen sich eine Fragestunde. Die Richtigkeit der Antwort wird mit lustigen Bewegungen und Klatschen in den Händen zum Ausdruck gebracht und quittiert. Ob dieser Ritual an diesem Platz original in dieser Form tatsächlich buddhistische Wurzeln hat, oder ob es sich um ein übertriebenes Schauspiel für Touris handelt ist schwer einzuschätzen.

Der letzte Tempel den wir besuchen liegt direkt im Zentrum. Hier bekommen wir erstmalig auch ein bisschen von der Spannung innerhalb der Gesellschaft zu spüren. Der recht umtriebige Handleskomplex, mit viele kleinen Ständen und ursprünglichen Shops rund um den wichtigen Tempel ist mit militärisch marschierenden Soldaten streng bewacht. Manch verdächtig aussehende Passanten müssen sich ausweisen. Die hohen „Sicherheitsmaßnahmen" dürften nicht ohne Grund sein, denn dieser Tempel hat als ehemaliger Wohnsitz des Dalai Lhama scheinbar große symbolische Bedeutung für die Tibeter. Viele wichtige Artefakte befinden sich innerhalb der Anlage. Mich begeistert eher die spannende Aussicht von den Dächern, die einen schönen Überblick über das bunte Treiben in der Stadt geben, als das Gedränge und Geschiebe im Tempel.

Im umtriebigen Lhasa selbst hat sich die tibetanische und chinesische Bevölkerung längst durchmischt. Je weiter man sich von den religiösen Städten in Lhasa entfernt, desto wenig bekommt man von der ansonst stark chinesischen Militärpräsenz zu spüren. Im modernen Teil ist weniger von den Spannungen zu merken. So treffen wir Tibetaner und Chinesen die in Shops Hand in Hand arbeiten. Vor allem manch der jüngeren Generation der Tibeter scheint der religiösen Seite Tibets den Rücken gekehrt zu haben und Geschmack am modernen Leben gefunden zu haben. Vielleicht täusch aber auch der Eindruck. Einblick in das wahre Leben der Tibetaner bekommen wir heute nicht, denn sie sind bei weitem verschlossener und geheimnisvoller, im Gegensatz zu den Chinesen die sich hier bewegen, die wie immer ein Lächeln für Ausländer parat haben sobald man die Kamera zückt.
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Comments

Michael on

Interessanter Bericht über die momentane Lage in Tibet. Leider ist das nur die Fassade die Ihr zu sehen bekommen habt. Die Realität sieht bei weitem viel düsterner aus. Tibeter haben zum Beispiel kein Recht auf medizinische Versorgung. Was man da als westlicher Reisender machen kann, wäre zum Beispiel, dass man in Kekspackungen oder andere Packungen (die man sauber mit Medikamenten befüllt und wieder ordentlich veschliesst, dass es nicht ausffällt, dass die Schachteln schon geöffnet worden sind) Antibiotika nach Tibet schmuggelt, und es dort Ärzten von der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" oder andere nicht chinesische Ärzte zu geben. Die Ärzte sind sind sehr sehr froh darum. Ein Foto von der Übergabe könnte man zusammen mit einen Bericht den westlichen Zeitungen bzw. der lokalen Presse zukommen lassen um auf die Menschenrechtslage in Tibet hinzuweisen und zu zeigen: schaut her, jeder kann aktiv etwas tun.
In Tibet werden systematisch Han-Chinesen angesiedelt und die Tibeter selbst werden in ihren eigenen Land immer mehr verdrängt. Sie selbst sind eine Minderheit geworden in ihren eigenen Land. Die einen oder anderen Tibeter verkaufen all ihr Hab und Gut um eine Flucht nach Indien durchzuführen (eine Frau ist mir auch persönlich bekannt, sie hat Asyl beantragt in Deutschland). Sie sind letztendlich Gefangene ohne Rechte ohne Menschenrechte. Das gilt übrigens auch für China. Menschenrechtsverletzungen stehen dort jeden Tag an der Tagesordnung. Und ich schreibe hier nicht nur von der Unterdrückung der Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit. Folter, Mord, Arbeitslager, Konzentrationslager um an gesunden lebenden Menschen Organe zu entnehmen und sie weiter zu verkaufen. Menschen zählen dort nur als Ersatzteillager. Menschen, die keine Verbrechen begangen haben werden dort ausgeschlachtet. Nur soviel mal zu der Lage in Tibet und China. Auch die Umweltverschmutzung ist in China ein großes Problem, zum Beispiel sind 80 Prozent aller Flüsse sind in China vergiftet. Welche schlimmen Folgen dies nach sich zieht, kann sich jeder denken. Aushalten muss es der Bürger in China. Die Menschen tun mir Leid dort, sie können nichts dafür und sind jeden Tag der Gehirnwäsche und den Willkürlichkeiten und Gesetzen der Kommunistischen Partei Chinas ausgeliefert.
Mein Lob an Ihren Blog, ich lese ihn sehr gerne, und immer wieder sehe ich vorbei, wenn es mir die Zeit erlaubt und gucke, ob es schon wieder einen neuen Bericht gibt. Die Texte sind sehr schön geschrieben, nicht zu kompliziert und in einer schönen Sachlichkeit aber auch mit Gefühlen und kleinen Persönlichkeiten. Gerne lese ich Ihren Blog. Auch die Fotos gefallen mir sehr gut und vermitteln einen übersichtlichen und intensiven Eindruck vom jetzigen China. Weiter so!
Vielleicht können sie auch mal mit Chinesen in Kontakt treten und diese interviewen auch in Bezug auf Menschenrechte und wie sie leben bzw. überleben. Aber seien Sie vorsichtig dabei bitte. Parteigenossen können überall sein, und man ist schneller abgeschoben als man denkt.

Grüße
Michael Schwägerl
weitere Informationen über die Menschenrechtslage in China:
www.epochtimes.de (Zeitung mit Schwerpunkt China)
www.igfm.de (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte)
www.amnesty.de

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