Zhang Jiajie Stadt - in einer anderen Welt

Trip Start Sep 16, 2010
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Trip End Ongoing


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Flag of China  , Hunan,
Friday, May 13, 2011

Da sitzt ich nun mit meinem Nasen Wehweh in einer fernen Stadt und hab einen guten Tag in bis mein Zug am Abend fährt. Was tun ist also die Frage? Erste Idee: Ohne große Anstrengung durch den Tag kommen und ein bisschen bummeln. Ich entscheide mich entgegen meinen ersten Gedanken die große Kamera doch mitzunehmen. Dies sollte sich als großer Glücksfall herausstellen.

Die Hotelgegend und den Busbahnhof der Stadt kannte ich schon vom Anreisetag und mit dem Spital hatte ich ja auch schon unerfreuliche Bekanntschaft geschlossen. Zhang Jiajie Stadt wirkt auf den ersten Blick nicht extrem modern, aber auch nicht vollkommen abgewrackt. Irgendwie bietet sich auf den Hauptstraßen das typische chinesische Businessbild mit vielen Werbereklamen an den Häuserfronten. Manches recht modern, anderes wieder extrem veraltert. Ein Misch-Masch an chinesischer Architektur, wie man sie in vielen anderen Städten auch finden würde. Also schlendere ich durch die Straßen.

Plötzlich wird es spannend. Unbeabsichtigt und zufällig stolpere ich in einen Markt, der sich hinter einer Hausfassade versteckt. Ich betrete eine andere Welt und es eröffnet sich ein Netzwerk an geheimnisvollen Gängen in einem versteckten Stadtteil, welches von außen nicht fassbar ist. In den nächsten Stunden werde ich Impressionen vor die Kamera bekommen, welche vermutlich kein Filmstudio authentischer inszenieren könnte. Echt ist eben Echt. Mich erfasst ein Flair, welches nur wahrlich schwer in Worte zu fassen ist.

Die Menschen die sich hier tummeln, seien sie Kunden oder Verkäufer, sind freundlich zu mir. Sehr oft werden sie hier wohl einen Ausländer nicht erblicken. Die meisten lassen sich mit einer Gemütsruhe fotografieren. Manch einer setzt dazu ein Lächeln auf, obwohl ihnen die Situation offensichtlich komisch vorkommt. Die Einheimischen haben sichtlich ihren Spaß mich mit einem „Hello" zu begrüßen und mich in eine Minikonversation um ihre Ware zu verwickeln. Die Sprachbarriere verhindert aber einen tiefergreifenden Austausch. Sie sind umso erfreuter über mein „Ni hao".  Die einen outen sich als „Petzen“ und kudern ihre Standnachbarn an, wenn sie unbemerkt fotografiert wurden. Andere wieder schieben ihre Kleinkinder vor. Es ist ihre offensichtliche Aufforderung ihren Nachwuchs auf meiner Kamera zu verewigen. So entstehen unvergessliche Momentaufnahmen. Das Zwielicht, welches durch die halbherzigen montierten Plastikabdeckungen zwischen den Häusern erzeugt wird, liefert in den rauchigen und stickigen Markthallen eine unglaubliche Atmosphäre.

Alte Leute kauern aufgereiht auf dem Boden und warten auf Kunden, die ihr selbst hergebrachtes Gemüse an den Mann oder Frau bringen wollen. Andere gönnen sich einen kleinen Erholungsschlaf, während die nächsten ihre Ware mit Messer oder sonstigen Werkzeugen malträtieren. Mopeds drängeln sich und bleiben im Stau zwischen den Marktbesucher stecken. Immer wieder müssen „Liefermopeds“ verschoben werden, um Platz für den Gegenverkehr der Mopeds zu schaffen. Die nächsten wiederum zerren mit Muskelkraft ihre schweren Lieferfahrräder durch die engen Marktgässchen. Eine schweißige Angelegenheit. In dem Getümmel fällt es mir oft schwer den Unterschied zwischen Kunden und Geschäftsleuten auszumachen.

Das Thema Sauberkeit ist eine Sache für sich. Am Boden bleibt alles liegen, was nicht benötigt wird. Erstaunt bin ich auch über eine zahnhygienische Behandlung, die hier auf offener Straße vollzogen wird. In den Märkten gibt es alles was es zu verspeisen gibt, auch Dinge die mir nicht bekannt sind. So manch angebotene Tierart kann ich nicht verifizieren. Die schwimmenden kleinen Schlangen oder großen Wurmfische leben noch, als ich sie ablichte. Das lächelnde Angebot des Verkäufers diese zu erwerben lehne ich dankend ab. Natürlich  erhält man auch Waren aller Art von Kleidung bis hin zu Hygieneartikel.

Ich wurde in Wien schon oft gefragt, ob ich den schon mal Hunde- oder Katzenfleisch in China gegessen habe. Wohlwissend unseres Kulturunterschiedes und auch meiner Liebe zu den Haustieren, habe ich diese Frage natürlich bisher immer verneint. Seit meinem Streifzug durch die Markthallen hier, liegt es auf der Hand, dass sehr wohl Hunde auf der Speisekarte zu  finden sind. Anders lässt sich wohl ein Schnappschuss aus der Tierecke im Markt nicht erklären. In der lebenden Tierabteilung geht es robust zu. Vermutlich nicht robuster als in jedem Schlachthof bei uns. Hier ist es einfach nur viel Augenscheinlicher.

Es ist offensichtlich, dass Hygienevorschriften nicht so ernst genommen werden. Wichtig ist, dass die Menschen mit ihrem Handeln über die Runden kommen. Wirklich stressig wirkt es dabei nicht. Trotzdem sehen viele Gesichter gezeichnet aus.  Das Leben hat seine Narben hinterlassen, vor allem bei den älteren Menschen. Immer wieder findet man Gruppen die sich zum Mahjong auf der Straße oder in den Markthalle treffen. Es scheint der Lieblingssport der Einheimischen zu sein. Andere wiederum nehmen hinter Fleischhaken provisorisch Platz um sich Kartenmatches zu liefern. Man könnte fast interpretieren, es handle um eine Herausforderung zwischen der Fleisch- und Gemüseabteilung.

Ich kann gar nicht genug bekommen von den Eindrücken und die Zeit vergeht viel zu schnell. Euch kann ich hier nur eine kleine Auswahl des heutigen Tages präsentieren. Sie zeigen nur einen Ausschnitt einer anderen Welt. Für mich geht ein aufregender Tag zu Ende, welcher in dieser Form von keinem Reisebüro so geplant hätte werden können. Meiner Naseninfektion bin ich dankbar dafür, mir Impressionen dieser Art und viele viele unglaubliche Schnappschüsse ermöglicht zu haben.

Was tut man dann noch auf einer 22 stündigen Zugfahrt? Naja es kommt wohl auf die Zugbeleitung an. In diesem Fall habe ich  Glück, denn drei jungen aufgeschlossenen Chinesen im Abteil schließen mich nicht aus. Sie laden mich zu ihrem chinesischen Kartenspiel ein, welches ich glücklicherweise vor kurzem erlernen konnte. Der erste Teil der Reise vor der Nachruhe gestaltet sich so recht kurzweilig und auch der nächste Tag bis nach Shanghai geht, vollgepumpt mit den Impressionen des Vortages, schnell über die Runden. Ein Abenteuer, das sich ausgezahlt hat.
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