Hallelujah am Berg

Trip Start Sep 16, 2010
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Trip End Ongoing


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Flag of China  , Hunan,
Wednesday, May 11, 2011

Der Wecker reißt uns unsanft morgens aus dem Schlaf. Schnell drücken wir ein Frühstück in unserer einfachen Bleibe runter. Es soll ja keine Zeit vergeudet werden. Auch heute begleiten uns Dunst, Nebel und Regen. Dennoch ergeben sich zwischendurch Blicke in die Landschaft die uns einfach den Atem rauben. Leider lassen die Wetterbedingungen keine „Sonnenaufgangsfotos" zu.

Abermals führt uns derselbe heimische Guide vom Vortag. Die etwas bummelig wirkende junge Dame, kommt im Gegensatz zu uns kaum außer Atem, wenn sie mit uns durch die Gegend auf und ab streift. Sie ist hier aufgewachsen und kennt die geheimen Wege wie ihre Westentasche. Unterwegs, während wir uns runter und rauf quälen, erzählt sie uns von Flora und Fauna und gibt so manche seltsame Begebenheiten preis. Mystische Geschichten von abstürzenden Touristen, Liebespärchen, Professoren oder Selbstmorden erhöhen den Respektfaktor vor der Landschaft. Unseren Aufmerksamkeit braucht die Schauergeschichten nicht zwingend notwendig, man hat so genug Respekt vor den Abgründen. Auf eine Steinformation mit gerade mal mit ca 2 x 15 Meter, welcher selbst stehend hunderte Meter aus dem Boden ragt, stellt sich dieser automatisch ein. Darauf stehend ist es ein seltsames Gefühl, begleitet mit dem Wunsch soeben nicht von einem Erdbeben betroffen zu sein ;)

An einer Stelle beginnt unser Guide plötzlich das Lied „Hallelujah" zu singen und ich wundere mich. Religiöse Anfälle am Berg? Nein, es ist ihr dezenter Hinweis, dass die soeben sehende Bergsäule als Vorlage zu den schwebenden Hallelujah Bergen in Avatar gedient haben soll. Und tatsächlich. Zusammen mit vielen CGI Tricks und ein bisschen Sonnenschein dazu, scheint es als ob man sich inmitten der Filmkulisse befindet. Ich warte jetzt nur mehr auf die prähistorisch fliegenden Dinosaurier, werde aber enttäuscht. Aber auch ohne Dinosaurier stellt sich bei mir ein Hallelujah- Gefühl ein. Wir passieren auch die angeblich größte Naturbrücke. Gut dass ich die Tiefe unter dem natürlichen geschaffenen Übergang erst nachträglich wahrnehme.

Ein junges amerikanisches Pärchen warnt uns vor Affen in der Gegend, die Touristen recht aggressiv ihr Habe klauen sollen. Unser Guide bestätigt dies und warnt uns zusätzlich vor giftigen Schlangen. Die gut ausgebauten Wege, lassen aber kein mulmiges Gefühl aufkommen. Man fühlt sich sicher und scheinbar meiden Affen und Schlangen österreichische Touristen. Naja wir haben in Österreich ja genug davon zu Hause in menschlicher Gestalt.

Die Gegend von Zhang Jiajie war auch kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Minderheiten und Maos Armeen ausgesetzt. Minderheitskämpfer hatten sich in den Bergen verschanzt und manche Engstellen geschickt genutzt um sich zu verteidigen. Mittels weiblicher Soldaten konnte letztendlich der Kampf für Maos Armee entschieden werden. Denn manche Bergspalten sind so eng, dass es für normale Krieger kein fortkommen gegeben hätte. Schön zu sehen, dass heute nur mehr so manche Touristen an den Engstellen scheitern. Die damalige Auseinandersetzung nicht Tabuthema. Oben an Schauplätzen der Gewalt erinnern „weibliche Soldaten“ der Minderheit an die Konflikte von damals.

Mehr amüsiert hat mich schon eine andere Geschichte aus der Region. Den Naturpark von Zhang Jiajie teilen sich mehrere Verwaltungsgemeinden. In der jüngeren Geschichte kam es zu einem Streit, wie den diese Region am besten ökonomisch durch Touristen zu nutzen sei. Jeder wollte die Einnahmequelle für sich beanspruchen. Da es keine Einigung gab, drohten so manche Erboste als Druckmittel die Berge einfach zu sprengen, denn man wollte den anderen auf keinen Fall der anderen Gemeinde einen Vorteil gönnen. Erst das politische Einschreiten von oberer Stelle konnte eine Schlichtung des Problems mit sich bringen, sodass heute das Naturwunder friedlich bestaunt werden kann und James Cameron als Vorlage zur Verfügung stand. Auch das ist China! Wie diese Einigung freilich zustande kam, ich mir nicht bekannt. ;) In Erinnerung bleibt ein Tag mit einzigartiger Landschaft, egal ob als Filmvorlage oder nicht.
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