Erster Tag am Schiff

Trip Start Sep 16, 2010
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Trip End Ongoing


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Flag of China  , Chongqing,
Friday, October 22, 2010

Wir verlassen am Abend Chong Qing mit dem Schiff, wo sich uns am Wasser die fantastische Nachtszenerie der Stadt ergibt. Die Kabine und das Schiff ist unerwartet komfortabel. Die Crew extrem, fast schon übertrieben lieb um unser Wohlergehen bemüht. Eine Fahrt am Yangtze ist wesentlich ruhiger, als am offenen Meer. Es gibt mehr zu sehen, weil sich die vorbeifließende Landschaft ständig ändert.

Während der Fahrt erfahren wir viel über den Dreischluchten-Staudamm am Yangtze. Dieser wird uns am letzten Tag erwarten. Das unglaubliche Megaprojekt erforderte die Umsiedlung von 1,3 Millionen Menschen Flussaufwärts und ließ ganze Dörfer unter Wasser verschwinden. Das Wasser wurde in den Schluchten um fast 100 Meter angehoben, sodass sich heute ein ganz anderes Landschaftsbild ergibt, als noch vor 10 Jahren. Es ist die größte künstliche von Menschen geschaffene Wasseroberfläche auf der Erde. Genau durch diese Gegend schiffen wir an diesem Tag. Irgendwie übersteigt es den Verstand unter sich ganze Städte unter dem Wasser zu wissen.

Trotz der nicht einfachen Thematik und der Regimes, war ich überrascht, dass sehr offen mit dem Thema umgegangen wird. So bekommen wir bei den Vorträgen auch die Probleme der Umsiedlung zu hören, wobei sich Extremkritik natürlich in Grenzen hält. Umweltschutzfragen werden nicht erörtert. Neu für mich war jedoch das Argument, das Flussabwärts eine Fläche in der ungefähr 300 Millionen Chinesen leben, mit dem Dammbau vor Flutkatastrophen geschützt werden können. Oder dass Schiffe früher Flussaufwärts den Wasserweg nur unter extremen Bedingungen passieren konnten. Dies erforderte Menschen so genannte Cracker, die fast unter unmenschlichen Bedingungen die Schiffe durch das Tal ziehen mussten. Propaganda oder nicht, spannend mal die „andere Seite" zu hören.

Die vorbeiziehende Landschaft ist hügelig. Des Öfteren gibt es kleine industrielle Anlagen. Hier und da Häuser und Minisiedlungen. Ansonsten wirkt das meiste recht unberührt. Am Nachmittag erreichen wir unser erstes Ausflugsziel. In Fengdu befindet sich die „City of Ghost". Fengdu ist eine vollkommen neu geschaffene künstliche Stadt am gegenüberliegenden Ufer für die Umsiedler oder „Relocatet People“ wie sie auf dem Schiff genannt werden.

Die meisten Relocatets beschreiben ihre neuen Bleibe als viel komfortabler als die alten Hütten, dennoch dringt auch Melancholie in den Beschreibungen mit. Das Ausflugsziel selbst ist eine alte Tempelanlage der Buddhisten und Taoisten, die Himmel und Hölle beschreiben. Früher lag diese Tempelanlage natürlich viel weiter oben am Berg. Wir müssen nur 500 Stufen nach oben steigen um ans Ziel zu gelangen.

Leider haben die Guides wenig erfurcht vor diesen Anlagen, sodass man Disney Park like begleitet mit kleinen Verstärkerboxen und mit viel Humor durch die Anlagen geführt wird. Vor den Buddhafiguren konkurrieren sich die Guides an Lautstärke ihrer Vorträge. Der spirituelle Charakter ist aber allemal spürbar und begibt man sich ein paar Meter abseits der Gruppen, kann man auch ein bisschen von dem Geist von damals von damals erahnen.

Die wegen der Fahrt so berühmten Schluchten sollten am nächsten Tag am Programm stehen.
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