Ganz ohne Touriattacke geht s dann wohl auch nicht

Trip Start Nov 02, 2010
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Trip End Apr 21, 2011


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Flag of Tonga  , Ha‘apai,
Friday, January 21, 2011

Fuer unsere Woche auf Tonga hatten wir uns etwas ganz besonderes ausgedacht.

Da die Hauptinsel nicht ganz so toll sein soll hatten wir bereits Weiterfluege auf die weiter noerdlich gelegene Inselgruppe Haapaii gebucht.
Ganz relaxed und weniger touristisch soll es dort zugehen.

Alleine die Anreise dorthin war schon mal Abenteuer pur.

Zu so ner Destination fliegt ja nunmal nicht mehr jeder.
Als wir also aus unserer bequemen Boing 767 der Air New Zealand aussteigen und zum Domestic Terminal ueberwechseln trauen wir unseren Augen kaum...unser Anschlussflug mit der tongischen, tongonesischen, tongoischen oder auch einfach mit der hiesigen Airline Chathams Pacific soll doch wirklich mit diesem Ding da durchgefueht werden, was da gerade vor uns auf dem Rollfeld steht!!!

Eine Douglas DC 3.

Sagt mir so auch nix.

Finde nur das das Ding so aussieht als wenn man das bei uns hoechstens noch im Museum oder auf Oldtimerflugschauen zu Gesicht bekommt.

Gut das ich das Teil erst nach unseren zwei damit absolvierten (und wie ihr lesen koennt anscheinend auch ueberlebten) Fluegen gegoogelt habe!

Die DC 3 wurde erstmals 1930 in Dienst gestellt und wurde dann im 2. Weltkrieg bei uns doch wirklich als Rosinenbomber bekannt...ja genau die!!!

Laut Wiki sollen sogar noch einige davon benutzt werden...natuerlich hauptsaechlich in Afrika und wenn dann ja auch nur als Frachtmaschinen...ahaaa!

Piloten beschreiben die DC 3 demnach gerne als
"eine Zusammenstellung von in looser Formation fliegender Teile"!

Als ich den Piloten zu Gesicht bekomme steigert das mein Vertrauen auch nicht gerade...er ist fast genauso alt wie die Maschine! Der hat doch nix mehr zu verlieren!!!

Der fast einstuendige Flug ist dann jedoch aufgrund des guten Wetters recht angenehm. Immer wachsam ueber den hoffentlich immer noch laut droehnenden Propeller kann man schoene Ausblicke auf einige der 170 verschiedenen kleinen Eilande erhaschen, die das Koenigreich Tonga ausmachen.

Die Landung auf Haapaii verlaeuft auch Routinemaessig. Hier muss die "Inselhauptstrasse" jedesmal mit Schranken gesperrt werden wenn ein Flieger landet, weil sie ausgerechnet genau die Langebahn kreuzt.

Als wir dann aber das "Terminalgebaeude" verlassen gehts schon los:

Ein Bus in den Ort?
Fehlanzeige!
Taxi?
Reisende berichten uns das sie seit 2 Wochen auf der Insel noch kein einziges Taxi gesehen haben.
Nicht mal der Lonely Planet hat sich erbarmt eine keine Karte der Insel zur Orientierung abzudrucken, wo weiss man ja auch gar nicht wo man denn nun hinsoll.

Auf Nachfrage immer Richtung Sueden auf der "Hauptstrasse". Na gut...das machen wir dann auch. Rucksack geschultert, gefuehlte 40 Grad, nahezu kein Schatten und immer die Hauptstrasse lang...rechts und links nur gruen und Palmen...ab und zu mal ein Blick aufs Meer das wars.

Nach etwa 40 Minuten erreichen wir natuerlich total durchgeschwitzt den Ort indem wir auch erstmal im einzigen Restaurant der Insel (natuerlich gefuehrt von Europaern) einkehren.
Hier soll man auch gut um Rat fragen koennen was alles so auf der Insel betrifft.

Naaaa gut!

B: Aha Unterkunft...mhhh ja, da gibt es hier ein paar. Wo wollt Ihr denn hin?
A: Ja keine Ahnung, gibt es denn so ne Art "Stadtplan" wo man gucken kann wo die denn liegen?
B: Noe!
A: Welche Unterkunft liegt denn am Strand?
B: Das ist Billy s Place!
A: Aha und wie kommt man da hin?
B: Jaaa das ist ein ganzes Stueck! Am besten bewegt ihr Euch hier auf der Insel mit nem Fahrrad!
A: Oh ja das waere gut, habt Ihr welche zu vermieten?
B: Ja, aber nicht heute! Unsere zwei sind schon vermietet, aber ihr koennt ja mal bei Guesthouse XY nachfragen, vielleicht haben die noch eins. Ob da jetzt jemand ist weiss ich nicht. Ist ne halbe Stunde zur Fuss dorthin...
A: Aha, ja Danke...hmmm und Supermarkt oder Restaurant? Was zu Essen oder zu trinken halt?
B: Jaaaa das kriegt ihr nur hier im Ort.
A: Hmmm ja gut dann vielleicht zur Fuss zu Billys Guesthouse? Wir brauchen ja ne Unterkunft.
B: Ja koennt ihr machen...einfach die Strasse hier runter, dann links...an der Schule vorbei und dann am dritten Mangobaum rechts abbiegen...Wisst Ihr wie ein Mangobaum aussieht???

Wir laufen 3 Stunden lang kreuz und quer total verschwitzt ueber die Insel durch Schlammpisten und Dschungelpfade...ohne Erfolg. Billys Guesthouse konnten wir nirgendwo finden. Wir wundern uns schon...wir muessten eigentlich auf unserem Weg vom Flughafen in den Ort schon an 2 Guesthouses vorbeigekommen sein, haben aber absolut gar nix gesehen!

Schon im Lonely Planet stand geschrieben, dass die Bewohner Tongas die Touristen mehr als notwendiges Uebel ansehen und eigentlich den Tourismus mehr von der Regierung aufgedrueckt bekommen haben...was wir hier aber in den naechsten Tagen an Unternehmerunlust vorfinden ist wirklich nicht zu fassen. Anscheinend will hier niemand etwas verkaufen, Geld verdienen oder sonstwas...dafuer scheinen die alle zu lazy.

KEINES der 6 Guesthouses die wir abgeklappert haben hatte auch nur annaehernd einen Wegweiser oder gar ein Schild am Haus mit dem Hinweis das sich hier ein Hotel, Resort oder Guesthouse befindet! Bloss von den Touris nicht gefunden werden!
Durch zaehes befragen der Nachbarschaft koennen wir uns aber trotzdem bis in die Gaerten einiger Herbergen vorarbeiten: Guesthouse soll geschlossen sein, Guesthouse ja, aber keiner da, die Arbeiten in Neuseeland, Guesthouse vorhanden aber verwaist.

Trotzdem werden wir von Kindern zu einem Guesthouse gefuehrt, was weder unbewohnt noch geschlossen sein soll. Dort treffen wir sogar die Inhaberin im Garten an, nachdem uns erstmal die aggressiven Hunde auf dem Gelaende fast zerfleischt haetten (Touristen bevorzugt?!?)

A: Entschuldigung? Ist das hier vielleicht ein Guesthouse?
B: Ja.
A: Und sind sie auch die Inhaberin?
B: Ja.
A: Und haben sie auch eine Unterkunft fuer uns frei?
B: Ja.
A: Was kostet die denn?
B: 50 Dollar die Nacht (vermutlich schon leicht uebertaeuert um abzuschrecken)
A: O.k.: koennen wir uns das Zimmer denn mal anschauen?
B: (verdammt die wollen doch nicht etwa wirklich hier einchecken)
B: Hmmmm....nun ja, es gibt uebrigens noch ein anderes Guesthouse am Ende der Strasse. Seit Ihr dort schon gewesen? Vielleicht ist es besser wenn Ihr dorthingeht.
A: Ach so wir dachten SIE haetten hier ein Guesthouse!
Anscheinend wollen sie aber keine Guest, oder?!?
B: Ach geht mal lieber zu den anderen...

Daaaanke! Da drehen wir uns doch natuerlich sofort auf dem Absatz um...auch wenn die Nacht am Strand oder auf der Strasse mittlerweile immer naeherrueckt!

Am anderen Guesthouse ist natuerlich der Inhaber nicht da, ein Nachbar sagt aber wie sollen ruhig mal durch die Raeume gehen um uns die anzuschauen...na gut...ein Versuch ist s ja wert.

Aber was ich dort so an Sanitaeren Anlagen, Betten, und Kuecheneinrichtungen gesehen habe war nun selbst mir zu viel!

So kehren wir total verschwitzt und schlammverschmiert wieder zum Restaurant des Ortes zurueck und beschliessen das Billys Guesthouse unsere letzte verbleibenden Unterkunftsmoeglichkeit auf dieser Insel ist die wir nun schon den ganzen Tag lang gekreuzundquert haben. Wir nehmen uns DAS Taxi des Ortes (welches natuerlich nur im Ort selbst zu finden ist...einfach mal irgendwo fragen: Wo ist eingentlich der Taxifahrer gerade!) der uns dann zu Billy bringt. Kein Wunder das wir das nicht gefunden haben. Der Taxifahrer biegt ploetzlich von der "Hauptstrasse" in einen Pfad durch ein Feld ein wo keiner von uns auch nur vermutet haette, das dort Kraftfahrzeugverkehr moeglich ist. Durch das Mannshohe Wasauchimmer Feld, durch eine Bananenplantage und nach ein paar Abzweigungen stehen wir vor Billys Huette irgendwo im Nirgendwo.

Sogleich ermuntert uns der Taxifahrer: Hier steht kein Auto, ich glaube Billy ist nicht da!

Egal...es ist unsere letzte Moeglichkeit also MUESSEN wir hierbleiben und auf der Terasse warten (natuerlich waehrend uns die Moskitos alles zerstehen was nicht ordnungsgemaess bekleidet oder ueberaus penibel Gedeetet ist) Und wenn Billy nicht kommt muessen wir auf seiner Terasse schlafen.

Eine halbe Stunde spaeter kommt Billy dann doch tatsaechlich nach Hause...sichtlich NICHT begeistert das er zahlungswillige Gaeste auf der Terasse stehen hat.
Nun muss er ja ein Zimmer fertig machen!

Natuerlich sind wir die einzigen Gaeste in Billy s Place, so haben wir zum Sonnenuntergang dann auch den wilden Strand ganz fuer uns alleine.

In der Abenddaemmerung machen sich hunderte von Fledermaeusen auf den Weg und lassen sich von der Abendbrise den Strand entlang treiben, darauf folgt ein grossartiger Mondaufgang.

Trotzdem sind wir mit unserem Latein am Ende. Auch hier koennen wir nicht bleiben. Nur hier bei Billy abhaengen und uns den ganzen Tag lang von den Moskitos zerstechen lassen? Wir muessen ja auch was Essen...und was trinken...oder mal ins Internet...und das gibts ja alles nur in der Stadt, etwa eine halbe Stunde Fussmarsch entfernt.

Wir entscheiden, dass etwas passieren muss.

Wir halten Krisenbesprechung am Strand und nach Abwaegung aller Moeglichkeiten entscheiden wir, dass wir in erster Linie versuchen morgen die Airline anzurufen um die bereits gekauften Tickets fuer den Rueckflug zu aendern.

Je eher hier wieder weg umso besser!

Eine intuitiv ueberaus wichtige und absolut richtige Entscheidung wie sich spaeter noch herrausstellen sollte...

Am naechsten Tag machen wir uns bei Billy sofort aus dem Staub und marschieren mit Gepaeck durchs Gruen zurueck in den Ort, natuerlich wieder mal in DAS Restaurant. Der einzige Punkt auf der Insel der Internet, und gekochtes Essen, sowie Zugang zu einem Telefon anbietet.

Anruf bei Chathams Pacific: Jaaaa, gegen eine Umbuchungsgebuehr koennten wir morgen frueh um 10 Uhr zurueck auf die Hauptinsel Tongatapu fliegen...um den Ticketwechsel zu bestaetigen sollen wir aber zwingend bis heute 16 Uhr zum Flughafen kommen um dort am "Schalter" der Airline die Gebuehr zu bezahlen.

Nun gut...Hauptsache weg hier!

Aber wie denn jetzt zum Teufel wieder zum Flughafen kommen???

Heute sind die "Fahrraeder" verfuegbar. Also beschliessen wir mit den Raedern die notwendige Fahrt zum Flughafen mit einer Inselrundfahrt zu verbinden.

Vielleicht finden wir ja doch noch ein schoenes Plaetzchen auf der Insel!

Fuer den total ueberteuerten Preis der absolut schlechten Fahrraeder haetten wir uns von DEM Taxifahrer genau 6 mal ueber die Insel kutschieren lassen...leider ist der ja aber immer nur im Ort und man kann nur vom Ort weg keinesfalls aber von irgendwo zurueck in den Ort gebracht werden.

Um 12 Uhr erreichen wir den "Flughafen", der...natuerlich geschlossen ist. Auf das Gelaende kommt man nicht, Zufahrtstore geschlossen, keine Menschenseele weit und breit und natuerlich auch kein "Schalter" oder gar ein "Office" der Fluggesellschaft.

Also ab in den Schatten und warten...aber wie lange denn eigentlich?!? Wenn ein Flugzeug kommt muesste der Flughafen ja eigentlich aufgemachen! Aber wann kommt eins? Auf der Suche nach Eingeborenen die uns vielleicht Auskunft auf unsere dringenden Fragen geben  koennten wird Agnes erstmal wiedereinmal von freilaufenden, aggressiven Hunden angefallen.

Ein unvergessliches Bild!

Erst hoere ich grosses Geklaeffe, dann Agnes Schreien. Sofort versuche ich mich mit Steinen zu bewaffnen, befinde mich aber gerade ungluecklicherweise auf einer reinen Sandstrasse...und mit Sand zu werfen fand ich dann nach kurzer Ueberlegung wirklich zu albern.

Kurz darauf kommt  Agnes auf Ihrem Fahrrad aus einem Seitenweg GEROLLT, Ihre Fuesse auf dem Lenker, um das Fahrrad eine Meute von zweifelsohne fleischfressenden klaeffenden Bestien die abwechselnd nach nach irgendeinem Teil oberhalb des Fahrradsattels schnappen.

Unter lauten "hope i will not stop" Rufen rollt sie die Strasse hinunter bis die Koeter Gott sei Dank das Interesse an Ihr verlieren.

Zurueck zu unserem eigentlichen Problem...der Flughafen. Natuerlich immer noch geschlossen. Wir versuchen es auf Tonga Art. Warten. Einfach nur warten. So machen die das hier halt. Man hat ja sonst nix zu tun. Deshalb einfach nur warten.
 
Total dumm, ich meine die Frau am Telefon hat gesagt wir sollen unbedingt bis 16 Uhr am Flughafen sein und bezahlen. Und jetzt ist der geschlossen. Keiner weiss wann der heute wieder aufmacht...und vor allen Dingen OB UEBERHAUPT! Was soll man machen...wir versuchen es. Einfach nur an der Strasse sitzen und...warten...das was passiert.

Nach einer Stunde koennen wir nicht mehr. Wir geben auf. DAS is nix fuer uns. Vermutlich hatte die Dame am Telefon einfach keine Lust mehr heute bis 16 Uhr zu arbeiten und ist einfach nach Hause gegangen...so machen die das ja hier.

Wir treten die Fahrraeder weiter Richtung Norden und koennen ueber eine Art Bruecke auf die naechstgelegene Insel Foa uebersetzen. Am Ende dieser Insel soll es den tollsten Strand der Inselgruppe geben. Auch wenn die Angaben der Eingeborenen zwischen 3 bis 14 Kilometern zu bewaeltigernder Strecke variieren halten wir durch. Das Resort an DEM Strand soll ja schliesslich ein Restaurant haben wo wir dann endlich was Essen koennten.

Als wir ankommen hat die Kueche natuerlich geschlossen. Das Resort ist nicht gerade billig aber wirklich von traumhafter Lage an einem superschoenen Strand mit Blick auf eine vorgelagerte Insel.

Wenn wir morgen nicht hoffentlich abfliegen wuerden haetten wir hier eingecheckt. Hier koennte man es wirklich aushalten. Einfache Bungalows direkt am Wasser mit Blick auf dem Strand.

Wir aber muessen zurueck auf unsere Hauptinsel wo wir nach 2 weiteren Stunden auch ankommen und gezwungenermassen in dem einzigen offenen Guesthouse des Ortes einchecken muessen.

Nachdem Agnes am naechsten morgen auch ausfuerlich noch mal Fahrwerk und Bremsleitungen gecheckt hat hebt unsere DC 3 mit nur 50 minuetiger Verspaetung ab Richtung Tongatapu.

 






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