The Pirates of the Caribbean... The End

Trip Start Aug 15, 2012
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Trip End Ongoing


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Flag of Peru  , Lima,
Sunday, June 9, 2013

Ein paar Wochen ist es seit dem letzten Eintrag her. Wohl deshalb, weil der zweite Teil unseres Segeltörns um Einiges ruhiger und gemächlicher verlief als der erste. Zwar hatten wir noch immer den einen oder anderen unruhigen Tag auf hoher See, wir hatten aber wesentlich weniger Defekte an unserer schwimmenden Lady.

Unseren Turnaround machten wir etwas südlicher von Guadeloupe und schipperten dann wieder gemütlich nördlich. Das Meer war Mal schön ruhig, mal ruppig und rauh. Eines schönen Nachmittags, auf dem Weg zwischen Guadeloupe und Antigua, leisteten uns wieder einmal ein paar Delfine Gesellschaft und nur kurze Zeit später sahen wir circa 20 Meter von unserem Boot entfernt einen grautürkisschimmernden Fleck unter Wasser und eine Fontäne, die senkrecht aufspritzte. Wir konnten es kaum glauben, aber wir hatten Besuch von einem Wal und das neben unserem Boot. Wir erstarrten auf Deck mit in einer Mischung von Staunen, Ehrfurcht und auch einer Prise Angst.

Antigua liess uns ein paar Tage ins wirklich türkisblaue Wasser eintauchen, wir ankerten einsam in einer Bucht und genossen die besondere Zeit dort. In Saint Barth unternahmen wir eine kleine Inselwanderung und kamen auch am Flughafen vorbei, dessen Anflug als einer der gefährlichsten der Welt gilt. Kein Wunder auch, denn die Landebahn fängt unterhalb eines Hügels an, über den noch eine Strasse führt. Auch wir zogen die Köpfe ein, als wir dort oben standen und dem Spektakel zusahen.

Wir pickten nicht nur landschaftstechnisch das Beste nochmals raus, sondern auch die Gourmetrosinen: Poulet provençale und Tartare in Saint Barth, Magré de Canard in Saint Martin sind nur einige Köstlichkeiten, deren Vorzug wir unserer Bordküche gaben. Wenn wir unterwegs waren, die Segel unten hatten, trumpfte dann aber Chrigu mit seinen schon fast legendären Nachmittagscrêpes auf, und auch nach gefühlten 100 Crêpes war jeder Inhalt von neuem überraschend.

In Saint Martin schnorchelten wir noch ein bisschen und sahen Hunderte von gelb-schwarzen Fischen. Sie zeigten dem in der Ferne leidenden YB-Fan jedenfalls wieder auf, dass ein gelb-schwarzes Ensemble auch Freude bereiten kann. Wobei weibliche böse Zungen behaupteten, dass die Fische bei genauem Hinsehen garantiert mehr Punkte auf dem Konto hatten, als die Fussballbuben in Bern. Aber Themawechsel.

Schliesslich nahmen wir die letzte grosse Überfahrt in Angriff und starteten bei Sonnenaufgang in Richtung British Virgin Islands. Wind und Wetter sollten gemäss Prognosen stabil sein, in Realität war es dann etwas anders und wir durften wieder einmal unsere ganze Regenmontur überziehen und uns der Kraft eines Gewitters auf hoher See bewusst werden. Die British Virgin Islands sind zwar ein relativ stark besuchtes, etwas veramerikanisiertes Segelgebiet, aber trotzdem gibt es noch immer einsame und wunderschöne Ecken, die uns Staunen liessen. Ins Staunen gerieten wir auch immer wieder an den Kassen der Supermärkte. Der Liter Milch beispielsweise geht für unglaubliche 5 Dollar über die Theke - wir fragten uns immer wieder, wie die 30'000 Einheimischen ihre Haushaltskasse wohl im Trockenen halten. Uns wurde dann erzählt, was wir schon ahnten - dass es Tausende von sogenannten Offshore-Gesellschaften auf den BVI gibt, die Millionen (!) von Briefkastenfirmen verwalten oder wie man diese Tätigkeit auch immer nennen mag. Und wer dort arbeitet, geht Ende Monat mit vollen Taschen nachhause und muss seine ganze Sippe durchfüttern.
Steuerparadies hin oder her - wir genossen die Zeit sehr. Söns Schwester mit Kind und Kegel reisten zudem an und es war ein besonderes Erlebnis mit vielen Highlights. Es war herrlich dabei zuzusehen, wie die Zweijährige immer wieder das Schiff genauestens inspizierte und wertvolle Worte wie "Dinghy" sich ihrem Wortschatz verankerten.

Jede Zeit geht irgendwann zu Ende. Nun sind die Segel unten, denn unser Segelabenteuer ist zu Ende und wir blicken auf 14 Wochen zurück, die für uns Abenteuer und Lebensschule zugleich bedeuteten. Es war eine in jeder Hinsicht intensive Zeit, in der wir unsere Grenzen kennenlernten, eine Zeit, die uns lehrte, was echtes Teamwork, Verlässlichkeit und Vertrauen bedeuteten, was die gewaltige Kraft von Wind und Wellen war, was ein sicherer Hafen verkörperte, was Sicherheit, Vorsicht, Ruhe und Stille hiessen. Eine Zeit, die für uns tief im Herzen immer einen besonderen Platz haben wird.

Ein Kapitel schliesst, ein nächstes folgt: Vor vielen Wochen, irgendwann eines nachmittags als wir uns unterhielten, was wir denn nach der Seglerei noch anstellen könnten, waren wir uns sicher, dass wir unsere Räder nochmals abstauben wollten. Nach ein paar Ideen war es klar: wir fliegen nach Lima (Peru) und nehmen Südamerika von West nach Ost über die Anden in Angriff.

Der Weg nach Lima hatte es übrigens in sich. Aus einer Reisezeit von 12 Stunden wurden es plötzlich 40, da unser Flugzeug von St. Martin nach Panama nicht abheben wollte. Diagnose: Triebwerkausfall! Nach vielen Ehrenrunden auf der Startbahn, vielen Diskussionen und stundenlanger Warterei wurde der Start abgewunken, alle wieder aus dem Flugzeug beordert und in Busse in ein Hotel verfrachtet. Wir fanden es natürlich edel, dass wir nach mehr als drei Monaten Schiffskoje von der Airline in ein gutes All-Inclusive-Hotel eingeladen wurden und hatten (im Gegensatz zu anderen) sogar noch unseren kleinen Spass an der Geschichte. Irgendwann kamen wir dann via Panama City auch noch in Lima an und trotz des etwas kälteren Lüftchens spürten wir schon am Flughafen dass es eben "Latino-Luft" war und von der ersten Perusekunde an wussten wir, dass es gut war hier zu sein.

Nun sind wir schon fast startklar für unser Abenteuer Nummer 3; die Velos sind entstaubt und in Reparatur, die Badehosen haben einer Fleecejacke Platz gemacht und die Beine kribbeln vor lauter Vorfreude. Wir freuen uns sehr auf neue Landschaften, neue Leute, neue Herausforderungen, neue Erlebnisse und neue Geschichten.
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