Meer sehen und mehr erleben

Trip Start Aug 15, 2012
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Trip End Ongoing


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Flag of Guadeloupe  , Grande-Terre,
Thursday, April 18, 2013

In Saint Martin halfen wir eifrig mit, wieder in unseren vorvelozeitlichen Konditionszustand zurückzukehren. Wir assen wie Gott in Frankreich und der Wein war auch nicht von schlechten Eltern. Apropos - Söns Eltern läuteten die Besuchszeit ein und wir genossen herrliche Tage zusammen rund um Saint Martin. Neben einigen Schaukelnächten vor Anker kann auch die Grilleinweihung zu den historischen Ereignissen gezählt werden, bei dem die Herren auf offenem Gewässer ihre Brutzelqualtäten unter Beweis stellen konnten. Der Fisch hätte jedenfalls besser nicht schmecken können.

Saint Martin gehört zu den kleinen Antillen, die sich als Inselkette über das karibische Meer erstrecken. Alle Inseln haben da so ihre Eigenheiten. Zwar gehören sie politisch zum Teil zu Frankreich, Grossbritannien oder den Niederlanden, geniessen aber einen Sonderstatus und wir wurden einfach nicht schlau daraus, wer nun zu wem und wie und weshalb gehört. Tatsache ist, dass sie beispielsweise alle ihre eigenen Einreise- und Zollbestimmungen haben. Und mit dem Schiff ist alles ein Spürchen komplizierter. Was bei einem Land modern online in einem Büro für vier Dollar funktioniert, kann anderswo noch auf Kohlepapier und mit Formular a, b und c sowie drei verschiedenen Behörden für 97 Dollar geschehen. Die Gebühren bezahlten wir plötzlich mit Eastern Caribbean Dollars, von deren Existenz wir bisher keine Ahnung hatten. Aber wenigstens lächelte Queen Elizabeth vertrauenswürdig von den Scheinen herab.

Wir segelten von Saint Martin zu zweit über St. Barths, St. Kitts und Nevis nach Antigua. Es war unsere erste grosse Überfahrt zu zweit und gleich von der Sorte "Fahrten für Fortgeschrittene". Dass Segeln ein Abenteuer für uns wird, konnten wir spätestens an diesen Tagen unterschreiben. Wir fanden auch heraus, dass Bettwäsche nicht zwingend in der Waschmaschine gewaschen werden muss, sondern ein Spältchen breit offenes Kojenfenster und ein rauhes Meer dasselbe erledigt. Der oder die Schuldige konnte nicht gefunden werden und so machten wir uns mit vereinten Kräften und leicht unmotiviert hinter den gesalzenen Frühlingsputz. Es ging Schlag auf Schlag weiter. Tags darauf erreichten wir das einsame St. Kitts, wir ankerten noch einsamer in einer Bucht und wurden nachts durch den Wellengang in unseren Betten regelrecht von links nach rechts geschleudert. Ein Wunder, dass wir keine blauen Flecken davontrugen.

Antigua empfing uns versönlich mit einer paradiesischen Kulisse. Mit Söns Freundinnen an Bord ging's auf Entdeckungstour von Antigua nach Guadeloupe. Petrus zückte seine ganze Wetterpalette - vom Sonnenbrand (trotz Schutzfaktor 50) bis Regenjacke stand alles auf dem Programm. Dazwischen lachte uns das Meer in sämtlich erdenklichen Blautönen an und wir konnten nichts Anderes tun als einfach staunen, zurücklehnen und die herrlichen Anblicke geniessen. Natürlich durfte auch etwas Action nicht fehlen. Kurz nach dem Start zu einer frühabendlichen Landfahrt auf dem kleinen Gummiboot hustete der Motor und verstummte kurz darauf. Von spiegelglattem Meer konnte keine Rede sein: es war sehr wellig und wir trieben unmotorisiert langsam aber sicher auf den offenen Ozean zu. Leichte bis mittelschwere Panik machte sich auf unseren Gesichtern breit, wir versuchten uns abwechselnd mit Paddeln, aber hatten keine Chance gegen die Strömung und die Wellen. Chrigu sprang beherzt ins Wasser und versuchte (wohl mit Michael Phelps vor dem inneren Auge) in neuer persönlicher Bestzeit zu unserem Schiff zurück zu schwimmen um Hilfe zu rufen. Doch uns tapferen Frauen kamen schon zwei Segler zu Hilfe und zogen unser Gummiboot zurück zum Schiff. Unser Kühlschrank gab für diesen kleinen Schrecken die beste Champagnerflasche her und wie Chrigu uns nach eingehender Untersuchung beichtete, war ein schlecht angeschlossener Benzinschlauch die Ursache dieser Misere. Den einen oder anderen hämischen Kommentar musste er an diesem Abend selbstverständlich einstecken.

Ein Unglück kommt schliesslich selten allein und schon am nächsten Tag stand uns schon die nächste Herausforderung bereit: eine Naht unseres Grosssegels war gerissen. Ohne Vorwarnung und obwohl wir konservativer nicht hätten segeln können. Trotz starkem Wind, Wellen und Strömung kamen wir doch noch nach Pointe-à-Pitre und beförderten das Tuch ins Segelnähatelier, das nicht grösser als eine Schuhschachtel war. Dennoch versteckten sich darin zwei flinke Hände, die unzählige über 50m2 grosse Segel mit karibischer Gelassenheit nähten.
Als dann zwei Tage später auch noch unser ganzes Navigationssystem ausfiel, fragten wir uns ernsthaft, ob wir ohne unser Wissen die Hauptrollen an einer Fortsetzung des Films "Fluch der Karibik" spielten. Wir wurden dann aufgeklärt, was wir bisher erfolgreich verdrängt hatten: Segeln bringt mindestens ein tägliches Geschraube und Gemeche am Schiff mit sich. Und viel Geduld.

Wieder startklar zeigte sich Guadeloupe dann aber von der besten Seite und wir verbrachten mit Chrigus Familie unbeschwerte und herrliche (Geburts-)Tage auf hoher See, an weissen Stränden und unter Palmen. Besonders gerne verweilten wir auf der kleinen Robinsoninsel Ilet du Gosier und den Inseln Les Saintes. Sogar die Laufschuhe wurden Mal wieder ausgeführt und fanden heiliges, gurtenähnliches Terrain vor.

Die Hälfte unserer Segelzeit ist um. Unser Abenteuerbuch wird täglich rege gefüllt und das Beste daran ist: Mir blibe no chlei!
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Comments

Andreas (Wallis) on

Ciao Chriggi
Bi gat erscht derzü cho ewe Blog azlüege!
En Geili Sach!!!
Wünsche ew no viel Spass!!!
Hoffuntli Gseh wir isch mal wieder!
Andreas

Judith u bisch on

hi ihr 2 ha chli im blog gschnuefflet. dir machets genau richtig....

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