Schiff Ahoi!

Trip Start Aug 15, 2012
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Trip End Ongoing


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, Tortola,
Monday, March 11, 2013

Die knapp 15 Kilometer kurze Spritztour vom Flughafen nach Road Town, der Hauptstadt von Tortola auf den British Virgin Islands, hatte es in sich. Linksverkehr und eine kurvige, steile Strasse, gesäumt von Offroadern, deren Fahrer wohl allesamt noch nie ein Verkehrsregelbuch aufgeschlagen haben. "There are no rules", klärte uns dann ein Einheimischer auf. In der Tat glich die Autofahrerei hier derer einer Bananenrepublik.

Wir freuten uns auf sechs Tage einsegeln und wurden die ersten Tage vom Skipper Jelly begleitet. Sein Bauchumfang gab ihm den Übernamen "Jelly Belly" und wie wir schon nach ein paar Stunden feststellten, war er in der ganzen Inselgruppe bekanntes Unikat. Es gab keine Bucht und kein Hafen, wo er nicht schon von weitem mit einem "Hey Jelly Belly!" winkend begrüsst wurde. Wir hatten viel Spass mit ihm beim Segeln und er brachte uns Vieles bei - natürlich mit der karibischen Gelassenheit. Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten (sein karibisch gefärbtes Englisch war für uns etwa so verständlich, wie das Wallisertiitsch für einen Hamburger) lachten wir über seine im Überfluss verwendeten Worte "don't worry" und "no problem". Einzig seine Essensgewohnheiten waren nach wie vor etwas seltsam und bei jeder auch nur kleinsten Öffnung seiner Kabinentür nahm der eigenartige Duft unser ganzes Schiff in Beschlag. Anlass genug für uns, seine Kabine nullkommaplötzlich unter Quarantäne zu stellen, als er auszog.

Ebenfalls ereignisreich war unser erster Tag alleine auf dem Schiff. Wir hatten alle Hände voll zu tun, besonders, als sich beispielsweise noch die Boje mit dem Kiel verhedderte. Chrigu stieg mit Schnorchel und Taucherbrille in die Fluten und betrachtete das Ganze aus der Ferne - begleitet von einem 1.2 Meter grossen Fisch, den ihn wohl noch mehr beunruhigte als die Bojengeschichte. Natürlich war alles überhaupt nicht tragisch und beim Wegfahren löste sich der Knoten von alleine. Damit uns nicht langweilig wurde, bahnte sich auch schon die nächste Herausforderung an, die es uns unmöglich machte, das grosse Segel zu hissen. Auch dies meisterten wir und ein kompliziertes Hafenmanöver später schmunzelten wir über diesen Segeltag und freuten uns schon auf die vielen nächsten, die kommen mögen.

Bis wir unser richtiges Schiff übernehmen konnten, blieb uns noch eine Woche, die wir mit Strandcamping in Brewers Bay verbrachten, einer Bucht auf Tortola. Und die paar Kilometerli bis zur Bucht forderten uns. Steigungen bis zu 30 Prozent (!) machten es unmöglich, auch nur ans Velofahren zu denken. Schieben war angesagt und so wurde aus der kleinen Tour eine grosse Tortour. Da unser Gepäck mittlerweile auch nicht weniger geworden war und unsere Form nicht besser, kapitulierte auch der weibliche innere Schweinehund und musste männliche Hilfe fürs Bergaufschieben erbeten. Dafür gabs tosenden Applaus von den vorbeifahrenden Taxifahrern. In Brewers Bay angekommen, genossen wir die Tage und dank den sintflutartigen nächtlichen Regengüssen darf unserem Zelt mit Stolz das Prädikat "wasserdicht" verliehen werden. Zwei ebenfalls campierende Amerikanerpärchen versorgten uns, chauffierten uns mit ihrem Mietwagen durch die Gegend und verabschiedeten uns, als wären wir ihre eigenen Kinder - es war sehr herzlich.

Vor lauter Freude und Aufregung blieben wir zwei Abende vor der langersehnten Schiffsübernahme noch etwas in einem sehr einheimischen Lokal hängen und bestellten überschwänglich Rum mit Cola als wäre es der letzte Abend auf Erden, an dem die braune Brühe ausgeschenkt würde. Der Tag danach war so, wie sich Tage danach so anfühlen und die einzige Anstrengung war der Film-Download-Knopf auf dem iPad zu drücken. So schauten wir uns "Hangover" an - etwas Anderes kam uns gerade nicht in den Sinn.

Tag zwei danach war auch unsere Welt wieder in Bewegung und wir konnten es kaum erwarten, unser Schiff in Empfang nehmen: Tatiana heisst die gute Dame, vom Typ Sun Odyssey, 44 Füsse lang und wird unser schwimmender Untersatz bis Juni sein. Wir stürzten uns ins nächste Einkaufszentrum, tätigten den hamsterartigen Provianteinkauf und richteten uns so richtig häuslich auf dem Schiff ein.

Die ersten Tage segelten wir in den British Virgin Islands von links nach rechts und von oben bis unten. Die Inselgruppe präsentierte sich postkartenwürdig und wenn wir nicht gerade segelten, dann schwammen wir im türkisblauen Wasser bis zum nächsten Strand oder entdeckten die Unterwasserwelt mit Taucherbrille und Schnorchel. Eine Bucht war schöner als die Andere. Besonders in Erinnerung blieb uns The Bath - ein Strand mit imposanten Steinen, durch die wir schwammen und wanderten. Die erste Nacht als wir ankerten, war unglaublich windig und unser Schiffchen entsprechend unruhig. Im Nachhinein mussten wir darüber lachen, wie wir in dieser Nacht immer wieder aufstanden um nachzusehen, ob wir immer noch am selben Ort schaukelten und nicht an Land trieben. Wir fühlten uns genauso wie vor ein paar Monaten im Zelt, als wir bei jedem Rascheln aufstanden um zu sehen, ob Meister Petz auf der Matte stand.

Wir verliessen die British Virgin Islands und segelten über Nacht in 14 Stunden nach St. Martin. Segeln bei Nacht ist ein besonderes Erlebnis - ganz allein auf dem offenen Meer fühlt man sich wohl so einsam wie bei einer nächtlichen Wanderung durch die Wüste. Einzig die Natur begleitete uns mit all ihren Schönheiten: sie bot uns einen farbenfrohen Sonnenuntergang, einen klaren Sternenhimmel und einen sehr mystischen Mondaufgang.

In Saint Martin - eine holländisch-französischen Insel - erwarteten uns wiederum tolle Segelbedingungen und Besuch aus der Schweiz. Wir freuen uns sehr, diesen Teil der Reise mit Familie und Freunden zu teilen, die dem Winter entfliehen um mit uns den Sommer einzuläuten.
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Comments

Matt Steger on

Beautiful island! I was lucky enough to visit St. Maartin a long time ago ... in 1995. Your pictures brought back some very wonderful memories.

Bea on

Und bei uns schneit es immer noch :)
Liebe Grüsse aus der Schweizer Hauptstadt.
Viel Spass und geniesst es ganz nach dem Motto: Es kommt nicht darauf an woher dass der Wind weht sondern wie man seine Segel setzt!

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