An Kuba geschnuppert und karibisch eingetaucht

Trip Start Aug 15, 2012
1
13
21
Trip End Ongoing


Loading Map
Map your own trip!
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow

, Tortola,
Saturday, February 9, 2013

Bis wir im Flugzeug nach Havanna sassen, hatten wir noch eine kleine Odyssee am Flughafen zu bewältigen. Zuerst mussten wir eine Möglichkeit finden, unsere Velos einzupacken. Die fanden wir dann auch und unsere Drahtesel wurden mit Plastik verhüllt wie Kunstwerke von Christo. Trotz E-Mail Bestätigung wurde uns dann beim Check-in mitgeteilt, dass unser Flug nicht gebucht sei; ein neues Flugticket musste her und zwar sofort und in Cash bezahlen bitte. Dann wollten wir einchecken, mussten noch bei der mexikanischen Immigration vorbei, da wir beim Grenzübertritt keinen Einreisestempel bekamen. 50 Dollar und dann war die Stempelwelt wieder in Ordnung und für weitere 80 Kröten bekamen wir schliesslich auch die Einreisedokumente für Kuba. Dann hatten wir endlich alles beisammen und konnten einchecken, bekamen natürlich mässigen Applaus, als wir unsere zehn Gepäckstücke über die Theke reichten. Als wir im Flugzeug sassen, nickten wir gleich ein - solche Anstrengungen waren wir uns nicht mehr gewohnt!

Die Fahrt in der Dämmerung vom Flughafen in Havanna in die Stadt war eine Irrfahrt. Mit dürftigem Kartenmaterial und ohne Strassenbeleuchtung peilten wir die Innenstadt an. Wie ein Geschenk von oben tauchte plötzlich ein kubanischer Rennvelofahrer neben uns auf und eskortierte uns ans Ziel. Wir klapperten Hotel um Hotel ab und waren erstaunt über die gesalzenen Preise: CHF 200.- für ein mehr als dürftiges Zimmer. Na dann halt eben.

Leider wuchs schon in den ersten Kubatagen trotz einem kleinen Rum hie und da unsere Krankenakte weiter an und der Reissverschluss unserer Apotheke glühte: Misstritt, Glasscherbe im Fuss, Migräne, Fieber, Erkältung, Durchfall. Es war wie verhext, kaum war etwas ausgestanden, kam das Nächste und das Ganze abwechselnd bei uns beiden.
Nicht wirklich fit und munter fuhren wir trotzdem aus Havanna weiter in Richtung Südwesten bei notabene starkem Gegenwind. Ein besonderes Erlebnis war die Bahia de Cochinos - die Schweinebucht. Von dort aus starteten die Amerikaner 1961 ihren erfolglosen Angriff gegen die Castro-Regierung. Unser Angriff führte über eine Abkürzung auf einer Schotterstrasse. "Todo recto, todo recto", riefen uns die betrunkenen Fischer zu, als wir die letzte Hütte vor dem Busch passierten. Es erwarteten uns 60 Kilometer motocrosswürdige Strasse und hätten wir die Bucht taufen müssen, wäre der Name ganz bestimmt auch auf "Schweinebucht" gefallen. Müde und glücklich kamen wir an jenem Abend in ein verlassenes Dorf und campierten noch verlassener hinter einer Tankstelle. Wahrscheinlich stand unser Zelt inmitten einer imaginären Partymeile - jedenfalls wurde um unser Zelt die ganze Nacht gefeiert und getrunken... und wir machten kein Auge zu.

Über Cienfuegos erreichten wir Trinidad, eine kleine Stadt, die als Unesco Weltkulturerbe ausgezeichnet ist. Wirklich krank quartierten wir uns dort in einem Casa Particular - einem kubanischen Bed & Breakfast - bei Julieta ein. Wir amüsierten uns über den Slowmotion-Modus in Trinidad. Alles war sehr sehr gemächlich und wie wir feststellen mussten, waren wir auch schon schneller und spritziger: unsere Veloputzerei dauerte Stunden und wollte fast kein Ende finden.
Julieta päppelte uns wieder auf, aber so richtig fit wurden wir trotzdem nicht. Da es auch wind- und wettermässig sehr verhalten war, entschieden wir uns ein paar Tage früher als geplant weiterzuziehen und Kuba zu verlassen. Wir akzeptierten, dass es mit uns und der Velofahrerei auf Kuba irgendwie nicht hatte sollen sein. Aus Trinidad fuhren wir sieben Stunden im fast bis zum Gefrierpunkt klimatisierten Bus nach Havanna zurück und verweilten noch zwei Tage in Havanna. Die Strassen Havannas waren voller Nostalgie und alles schien in den 60er Jahren stehengeblieben zu sein: Autos, Gebäude, Museen und Transportmittel. Wir übernachteten wiederum bei einer Familie und hatten so einen breiten Einblick ins kubanische Alltagsleben. Chrigu eröffnete eine Diskussion über Fidel und seine Regierungsformen und es kam zum angeregten, aber amüsanten kommunistisch-kapitalistischen Schlagabtausch.

Die Fahrten durch Kuba fernab von allen Touristenströmen offenbarten uns, wie stark die Regierung Land und Leute noch immer unter ihren Fittichen hat. Mit der Einfachheit, wie da hantiert, gefuhrwerkt und gelebt wird, hatten wir so schlicht nicht gerechnet. Während das Pferd mit Wagen Waren transportiert, bestellt der Ochse das Feld. Und die Musik ist omnipräsent: tags dient die Strasse als musikalischer Proberaum, abends erfüllen die tollen Klänge Restaurants und Bars.
Durch die Internetrestriktionen in Kuba (Einheimische dürfen nicht ins Internet, wir durften die antiken Rechner zwar benutzen - Wifi gibt es nicht - aber die Langsamkeit liess es zu, zwischen dem Seitenaufbau zur Toilette zu gehen und noch ein kleines Kapitel im Buch zu lesen) brauchten wir Tage, bis wir unsere Weiterreise organisieren konnten. Da wir von Kuba aus nur einen Flug bis Santo Domingo in die Dominikanische Republik buchen konnten, flogen wir dorthin und schauten uns dort nach einem Weiterflug nach St. Martin um. Fliegen mit Fahrrädern ist so eine Sache, die uns immer wieder herausfordert. Nachdem die Fahrräder aus Kuba sehr demoliert ankamen, wollte die nächste Airline unsere Räder nicht transportieren, eine andere wollte plötzlich - nachdem wir das Ticket bezahlt hatten - 250 Dollar pro Velo haben. Einmal mehr musste Chrigu mit den besten Argumenten und dem besten Spanisch in den Ring steigen und plötzlich war die Rechnung nicht mehr 500 Dollar, sondern noch deren 40. Als Entschädigung für die Verhandlerei wurde er dafür mehrfach von den Putzfrauen mit einem vielversprechenden "Hola mi amor" begrüsst - Balsam für jedes Männerherz.

In St. Martin trafen wir Söns alten Schulfreund Bert, der wiederum seine Freunde Dominique und Alain besuchte. Kurzerhand wurden wir auch eingeladen, bei ihnen zu wohnen. Wir genossen fünf Tage Deluxe, ein herrliches Zimmer mit Prädikat "Room with View" und unternahmen viele Ausflüge zu fünft. Unser Transportmittel war meist ein Schnellboot, bei dem sich Mann mit breitem Grinsen über die 2 x 300 motorisierten Pferdestärken erfreute und Frau sich mit Händen und Füssen halten musste, um nicht ins Wasser zu fallen. Unter anderem stand auch St. Barth auf unserem Programm, dem Tummelplatz für die Schönen und Reichen dieses Planeten. Auf der Überfahrt nach St. Barth sahen wir Schildkröten und ein weiteres Spektakel sondergleichen: ein Walfisch mit Baby. Uns stockte der Atem.
Nachdem wir die Residenz von Abramovic und die Yacht von Johnny Depp gesichtet hatten, ankerten wir in einer kleinen Bucht und schwammen zu einem Restaurant, wo uns schon ein Paparazzo mit kanonengrossem Objektiv erwartete. Wahrscheinlich war der Gang aus dem Wasser zu wenig spektakulär, jedenfalls konnten wir den glamourösen Weg in die Gala nicht beschreiten.

Die Inselwelt der kleinen Antillen gefällt uns sehr und nach dem Flug auf die British Virgin Islands können wir es nun kaum erwarten, unser nächstes grosses Abenteuer in Angriff zu nehmen: Segeln durch die kleinen Antillen!
Slideshow Report as Spam

Use this image in your site

Copy and paste this html: