Goodbye USA y Hola Mexico

Trip Start Aug 15, 2012
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Trip End Ongoing


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, Baja California Sur,
Tuesday, November 6, 2012

Schweren Herzens verliessen wir Santa Monica und knöpften uns den Grossstadtverkehr um Los Angeles vor. Es wurde ein langer, kilometerreicher Tag mit über 100 (inklusive ein paar Ehrenrunden hie und da), dabei waren wir immer noch nicht ganz aus LA raus. Die Stadt und die Agglomeration sind wirklich unglaublich riesig und boten Gelegenheit, ein paar Mal nach dem Weg zu fragen. Nach ein paar Zwischenstopps erreichten wir San Diego im Regen (ja, das Zelt ist wirklich wasserdicht) und nahmen Abschied von den USA - nachdem wir noch einen alten imposanten Flugzeugträger besichtigen konnten und Mann seinen Spass hatte. Wir trafen in San Diego Kibben wieder, den wir ein paar Wochen früher kennengelernt hatten und der auch nach Mexiko wollte. Kibben wiederum brachte Harco mit, einem ebenfalls mexikowilligen Schweizer. So brachen wir zu viert auf in Richtung Süden nach Baja California: der Halbinsel, die sich unterhalb San Diegos auf 1500 Kiometern erstreckt.

An der Grenze zu Tijuana mischten wir uns unter die Hunderten von Fussgängern und überquerten die Grenze leichter als gedacht. Und so waren wir plötzlich mitten im Getümmel und wollten nichts wie weg. Tijuana wurde nur nach wenigen Sekunden seinem berüchtigten Ruf mehr als gerecht. Der Wechsel von San Diego war wie eine Art Kulturschock-Kinnhaken mitten ins Gesicht.

Die Fahrt aus Tijuana war sehr steil und anstrengend. Während wir uns auf der Strasse abmühten, sahen wir links und rechts furchtbare Bilder von Drogenabhängigen zwischen Abfallbergen. Als wir endlich dachten, die richtige Schnellstrasse in Richtung Süden erwischt zu haben, stoppte uns ein von oben bis unten bewaffneter Polizist und forderte uns freundlich auf, doch eine andere Strasse zu nehmen. Diese hier sei nämlich nicht für Velofahrer. Si senor! Wir erwischten die richtige Strasse dann doch noch - denn es gab nur eine geteerte durch ganz Baja California, die Mex 1. Sie wurde unsere Heimat während gut 1500 Kilometern.

Der Verkehr war meistens sehr angenehm distanziert, bis auf wenige Autos, vor denen wir offroad in den Strassengraben flüchten mussten. Die überwiegende Mehrheit jedoch winkte uns freudig aus dem Auto zu und spornte uns mit der Hupe an. Einige hielten gar in der prallen Wüstensonne an und fragten uns, ob sie uns Wasser mit auf den Weg geben können. Auch an die vielen Militärkontrollen gewöhnten wir uns. Die Jungs hielten uns mitten in der Pampa auf, musterten uns von oben bis unten und liessen uns dank Velofahrerbonus undurchsucht weiterfahren.

Die Landschaft war karg und präsentierte weit und breit nur Wüste, Berge, Kakteen, Sonne und Wind. Und der leider meistens von der Seite oder vorn vorne. In windiger Erinnerung bleibt uns besonders das Teilstück nach El Rosario das wir bei 70 kmh Seiten- und Gegenwind mit viel Staub und Sand bewältigten. Doch Harco - unser helvetischer Radstar - zeigte uns wie richtiges Radfahren geht. Wir rasten im Tross durch die Wüste und hatten sehr viel Spass dabei. Chrigu fand zu einem ziemlich beneidenswerten Tritt am Berg und Sön konnte - männlicher Windschatten und eiserner Wille sei dank - mithalten und mangels weiblicher Konkurrenz das Ladies Ranking anführen.
Es kam an ein paar Tagen vor, dass wir unsere Mittagspause erst nach 100 Kilometern einzogen, da es vorher weder Schatten geschweige denn ein kleines Restauräntli gab. Doch wir waren nahrungstechnisch gut bestückt und hatten neben literweise Wasser täglich auch ein von der Wüstensonne bis kurz vor den Siedepunkt erhitztes Gatorade in petto.

Wir campierten wo es gerade möglich war. Vorzugsweise am Strand (54 Mückenstiche inklusive) oder in kleinen Dörfern irgendwo im Hinterhof, meistens neben Hunden und/oder dem krähenden Hahn. Doch auch die ländlichen Wellnessanlagen mexicanos (WC ohne Spühle, duschen aus Kübeln) liessen uns nach manchem schweisstreibenden Radlertag in neuem Glanz erstrahlen. Die herrlichen Tacos, Burritos, Quesadillas, Tortas mit Fisch, Käse, Schinken, Fleisch, Tomaten, Zwiebeln und Avocados taten ihren Teil dazu. Wir hatten sie alle in allen Variationen. Unser kulinarisches Fazit: je schäbiger das Restaurant, desto besser das Essen.

Und schliesslich unser zweirädriges Fazit: 4460 Kilometer, sage und schreibe 0 platte Reifen - und das obwohl Chrigu offenherzig auf den letzten 500 Kilometern das Innenleben seines Hinterpneus präsentierte.

La Paz bietet uns nun ein paar Tage Rast. Danach schippern wir mit der Fähre nach Mazatlan aufs mexikanische Festland.
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Comments

Annemarie + Arno on

Bin seit 2 Tagen zurück aus dem Spital (nach 3 1/2 Wochen) und habe eure interessanten Berichte gelesen. Für Arno und mich ist dies natürlich spannend, überquerten wir doch seinerzeit die Grenze in Tijuana zu Fuss. Aber das sind auch schon 25 Jahre her. Bei soviel Velokilometern ohne Platten habt ihr die Pause redlich verdient. Habt weiterhin viel Spass. Liebe Grüsse Annemarie und Arno

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