Vom Niemansland zur goldig roten Brücke

Trip Start Aug 15, 2012
1
6
21
Trip End Ongoing


Loading Map
Map your own trip!
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow

, Kalifornien,
Tuesday, September 25, 2012

Nordkalifornien zu beschreiben fällt schwer. Die Küste versteckte sich oft morgens hinter einem nebligen Vorhang inklusive Nieselregen. Wir wagen einen gewagten Vergleich und man möge uns trotzdem wieder einmal auf den Chasseral lassen: Nordkalifornien ist wohl sowas wie der Jura der amerikanischen Westküste. Wir wussten nicht genau, was wir davon halten sollten. Besonders nördlichste Gegend um Crescent City blieb uns in nebliger Erinnerung. Den Beauty-Städtepreis sparten wir uns schliesslich bis San Francisco auf.

Eines aber lässt sich auch in Nordkalifornien festhalten: Die Amerikaner sind definitiv sehr viel besser als ihr Ruf. Wir erlebten täglich eine Herzlichkeit und Begeisterung, die uns immer wieder aufs Neue zum Lachen brachte und motivierte. Unsere Fahrräder und das Gepäck gaben Anlass zu Fragen und Diskussionen: vor dem Supermarkt, im McDonalds, an der Strassenkreuzung, auf der öffentlichen Toilette, mitten auf der Strasse aus dem fahrenden Auto oder bei einem lokalen Radrennen, wo uns der OK-Präsident, Mitorganisator des Race Across America, spontan zum (glutenfreien) Spaghetti-Mittagessen einlud. Gerne erinnern wir uns auch an die Abende auf den State Parks zurück, wo wir campierten. Wir trafen dort Gleichgesinnte, die zu Fuss oder mit dem Fahrrad von Ost nach West, Süd nach Nord oder von irgendwo her nach irgendwo hin unterwegs waren. Manche trafen wir immer wieder, wie zum Beispiel den pensionierten Dennis, der eine beneidenswerte Fitness und einen noch beneidenswerteren Humor an den Tag legte. Oder Brian aus Colorado, der mit seinem Openair-Zelt nächtliche Waschbärenbesuche abwehren musste. Da nahmen wir die Bärenkrallen an unserem Appartmentkomplex, wie er unser Zelt betitelte, ziemlich gelassen.

Tatsächlich kann wohl die Bausubstanz unseres Nomadendaseins mit vielen amerikanischen Gebäuden mithalten. Auffallend und erschreckend war neben der in die Jahre gekommenen amerikanischen Infrastruktur auch der Energieverschleiss. Es wird gekühlt, gemotort und verbrannt als gäbe es kein Morgen. Und wer nur schnell 10 Minuten im Supermarkt etwas einkauft, der lässt auch bei 15 Grad Aussentemperatur seinen Automotor lieber laufen. Um den Energiediskurs zu schiessen - trotz Wind bis zum Abwinken, fehlt auch von Windrädern jede Spur. Barack, da gibt's noch das Eine oder Andere zu tun.

Bevor wir die wahrhaftig gigantischen Wälder der Redwoods erreichten - manche Bäume sind bis zu 100 Meter hoch - durften wir noch den einen oder anderen Hügel erklimmen, so beispielsweise den Mount Leggett. Der Legende nach sollen dort Satteltaschen von erschöpften Tourenvelofahrern, die es nicht bis oben geschafft haben, den Weg säumen. Wir nahmen uns dem Thema nach dem Camper-Frühstück an (neuerdings morgens je vier Nutella Brote) und freuten uns nach dem Aufstieg auf die 13 Kilometer lange Abfahrt. Vom Inland und den Wäldern waren wir plötzlich wieder zurück an der Küste - und ja, die war definitiv califonialike. Wir schlängelten uns auf dem Highway 1 immer weiter nach Süden und jeder Velotag brachte uns näher an San Francisco und die umliegende Bay Area. Schliesslich überquerten wir die Golden Gate Bridge - nach über 1800 Kilometer auf unserem langen Ritt.
Slideshow Report as Spam

Comments

pecovic
pecovic on

Ich höre "I've been everywhere" von J. Cash und lese erstmals Eure tollen Berichte. Fühle mich fast wie selbst dabei. Wunderbar.
Keep on Cycling.
PECOVIC

Bea on

Unglaublich. Mich packt das Fernweh!!! Spannend von euch zu lesen. Radfahren ist ebenso interessant wie Laufen oder? :) Keep on pedalling!

Add Comment

Use this image in your site

Copy and paste this html: