Immergrün im Evergreen State

Trip Start Aug 15, 2012
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Trip End Ongoing


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, Washington,
Monday, August 27, 2012

Wir ernteten ziemlich erstaunte Blicke, als wir ausgangs Vancouver nach dem Weg fragten und die Karibik als unsere Endstation angaben. Der Verkehr war dicht und die Schnellstrassen nahmen zu. Einfädeln oder nicht? Auf einem Zubringer wies uns ein netter Herr auf einen Bus hin, mit dem wir das Tunnelstück bewältigen konnten. Wie Chrigu die Räder inkl. Gepäck in die Halterungen hob, verdiente 5 Sterne plus. Dass wir das Gepäck erst im Nachgang entfernten, quittierte der Buschauffeur mit einem Schmunzeln. Der Grenzübertritt in die USA war einfacher und schneller als erwartet. Aber schliesslich sind wir ja unbeschriebene Blätter mit reiner Weste und wollen nun auch wirklich keinem amerikanischen Staatsbürger ein Härchen krümmen und planen auch keinen Anschlag.
Washington State ist etwas mehr als vier Mal so gross wie die Schweiz und hat 6.5 Millionen Einwohner. Die vielen Wälder, allen voran der immense Olympic National Park, sind für das viele Grün zuständig. Sie gehören zu den regenreichsten Gebieten der Welt (nett zu hören, fanden wir).

Wir fuhren durch die Landen und gegen den Wind bis Bellingham. Schliesslich hatten wir einen ansehnlichen Tagesbetrag auf dem Tacho, der auch den Hunger fast vergessen liess. Kaum war das gelbe M in Sicht, zog es uns magisch an. Es ging weiter auf und ab der Küste entlang, bis wir schliesslich den Deception State Park erreichten. Bei einer Zwischenverpflegung trafen wir Tom aus Pennsylvania, der gerade seine Ost-Westküstenstrecke vervollständigte und darauf wartete, endlich den Pazifik zu sehen. Sage und schreibe 7500 Kilometer hat er in den letzten drei Monaten gekurbelt. Nur zurecht trug er sein persönliches Maillot Jaune diskret unter dem grauen Überzieher. Wir zwei Greenhorns konnten da nur unsere Velohelme ziehen.

Der Deception State Park lag wunderschön und empfing uns bereits in Abendstimmung. Am Informationsbrett trafen wir auf Todd aus Seattle, der uns in die Geheimnisse des Parkes einweihte. So auch, dass wir den Checkin noch ein paar Meilen weiter durchführen mussten. Der Camping war voll und es gab für uns keine Möglichkeit, unser Zelt legal irgendwo aufzuschlagen. Todd, seine Frau Kirsten und der kleine Eric gewährten uns Gastrecht auf ihrer Parzelle und verköstigten uns gleich noch dazu.

Warme Augustmorgen waren anders. Schon fast eisig war's im Zelt, geschweige denn draussen. Aber daily business hier im Evergreen State, wie uns Todd und Kirsten versicherten. Was schliesslich immergrün ist, braucht auch eine Giesskanne von oben. Wir hofften dennoch, einen der 60 Sonnentage in Washington zu erwischen und pedalten eifrig drauf los. Teilweise konnten wir den dicht befahrenen Strassen etwas ausweichen, mancherorts konnten wir fast die Reifenmarken der Trucks lesen, so nahe fuhren sie an uns vorbei. Aber auch ohrenbetäubende Kampfflugzeuge kreisten über und neben uns, so dass wir dachten, die Fahrbahn gar noch mit ihnen teilen zu müssen. Aber auch Weltpolizisten müssen ja schliesslich irgendwo trainieren.

Nach ein paar Extrameilen erreichten wir Keystone und die Fähre nach Port Townsend. Was "severe winds" sind, lernten wir auf der letzten Meilen: es wurden gar severe Gegenwinds. Wir liessen uns ausserhalb von Port Townsend auf einem Campingplatz nieder. Unsere amerikanische Mitcamper gaben ein Abbild der hiesigen Gesellschaft ab: die einen besitzen ein fast flugzeugträgergrosses Wohnmobil, das sich links, rechts, oben und unten noch vergrössern lässt, die anderen behausen einen heruntergekommenen Bus, der uns ahnen lässt, dass er ihr ganzes Hab und Gut enthält.

Von Port Townsend bis South Bend wars coupiert. Der Bergpreis war am Mount Walker zu holen. Auf sechs Kilometern mit langgezogenen, bekieselten Kurven kurbelten wir uns hoch und genossen danach die ebenso lange Abfahrt. Unten angekommen, erfand sich Washington wie neu: herrliche Sonne, grelle Farben und eine grünblaue See bot sich 150 Kilometer lang zu unserer Linken. Kaum hatten wir uns daran gewöhnt und unser Zelt in einem idyllischen Statepark aufgeschlagen, schlug das Wetter auch schon wieder um. Nach einem Regentag kamen wir durchnässt in South Bend an.

Wir gönnen uns einen Ruhetag und freuen uns auf die Küste Oregons. Sie liegt schon fast zum Greifen nah.
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Comments

Lil & Julien on

Wir verfolgen mit Interesse vom Frühstückstisch aus. Lg Lil & Julien

SPRBR on

Wir hätten da bei der BKW noch gute Rücklieferkonditionen für den Strom, welchen ihr mit dem Solarpanel produziert. Weiterhin sehr viel Spass, liebe Grüsse aus Helvetien, Jump

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