Flores & Gunung Rinjani

Trip Start Aug 20, 2012
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Trip End Mar 15, 2014


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Flag of Indonesia  , East Nusa Tenggara,
Sunday, October 14, 2012

Flores

Nach einer 24h Fahrt mit Boot, Bus, Fähre, wieder Bus, umsteigen in Minivans (um vier Uhr morgens) und zum Schluss wieder Fähre, erreichten wir Flores. Der Gelassenheit, die wir auf den Gilis erlangt hatten, sei Dank, dass wir diese Reise irgendwie überstanden. Es ist unglaublich, was die Menschen hier alles in einen 12-Platz Bus packen können. So waren wir insgesamt 20 Leute mit Gepäck im Bus, dazu eine halbe Wohnung oben auf dem Dach. Es fehlten nur noch die Tiere.
 
So gross Indonesien ist, so wenig haben die einzelnen Inseln gemeinsam. Jede ist anders und auf ihre ganz besondere Weise einzigartig. In Flores haben wir uns insbesondere in die Menschen verliebt. Hier wurden wir grösstenteils von Händler/-innen verschont, die uns irgendwelche Shirts, Armbänder, Sarongs oder Massagen verkaufen wollten. Und die Frage nach unserer Herkunft hatte nicht den Hintergedanken, die Preise gleich um das Doppelte anzusetzen, im Gegenteil. Die Menschen hier sind unglaublich neugierig, höflich und interessiert an einem – eine für uns neue, aber sehr bereichernde Erfahrung. Viele sprechen zwar nicht gut englisch, geben sich aber die grösste Mühe sich mit dir zu unterhalten und auszutauschen. So konnten wir viel über ihre Lebenssituation, das Land, die Religion, Traditionen und die Kultur lernen. Schulkinder winken einem von Weitem zu oder kommen angerannt als wären wir Berühmtheiten. „Hello Mister" war eines der meist gehörten Worte in diesen Tagen. Weiter faszinierte uns die Einfachheit, mit welcher die Leute hier leben. Sie scheinen sich nicht gross am Westen zu orientieren oder unserem Lebensrhythmus folgen zu wollen. Die Insel ist katholisch und der Glaube spielt im Leben der Menschen eine wichtige Rolle. So wird beispielsweise in Moni (Zentralflores) die Post jeden Sonntag nach dem Gottesdienst verteilt. Natürlich wird auch hier versucht, sich mit dem Tourismus eine weitere Einnahmequelle zu sichern. So bieten viele Einheimische „Homestays" an. Neu gebaute Hütten, die um ein vielfaches moderner sind als die eigene Behausung. Wie wir von anderen Reisenden erfuhren, sind die Menschen und die Insel seit vielen Jahren sich selbst geblieben, und so durften wir ein durchaus aursprüngliches Flores erleben.

Ebenfalls faszinierend ist der „Trans-Flores-Highway“, die einzige mehrheitlich geteerte Strasse von Ost nach West. Sie ist über 700km lang und schlängelt sich über Bergkämme, vorbei an Vulkanen, Reisterrassen, durch Dschungel, Flüsse, Täler und malerische Landschaften. Schnell kommt man hier nicht voran – Kilometerangaben von einem Ort zum anderen gibt es nicht. Die Strecke wird in benötigten Stunden angegeben. Nach unseren Berechnungen brauchten wir für ca. 350km (Labuan Bajo – Ende) geschlagene 12 Stunden. Dafür stösst man immer wieder auf kleine Siedlungen, Menschen, die ihre Wäsche im Fluss waschen oder „Bauarbeiter“, welche die Strasse reparieren, verbreitern oder was auch immer.

Das Ziel dieser Fahrt war der Vulkan Kelimutu, der bekannt ist für seine drei tiefen, verschiedenfarbigen Vulkanseen. Der türkisblaue See bleibt stets unverändert, die anderen beiden können ihre Farbe wechseln wie ein Chamäleon: mal gelb, mal orange, mal grün. Für dieses Naturschauspiel sollen Mineralien im Wasser verantwortlich sein. Die Einheimischen glauben, dass die Seelen nach dem Tod in die Seen kommen und dort ihre Ruhe finden. Ein wunderschöner Ort, den wir so schnell nicht wieder vergessen werden!

Weiter besuchten wir zwei traditionellee Dörfer, wo wir von den Einheimischen fasziniert begutachtet wurden. Die Menschen hier sind sehr klein, haben aber riesige Füsse, ähnlich wie Hobbits. Sie essen irgendwelche Früchte (wir haben bis jetzt nicht herausgefunden, wie diese heissen), und haben deswegen blutrotes Gebiss (nicht wie Manu zuerst vermutete, eine schlechte Zahnhygiene!). Man kann sich ausmalen, wie es aussieht, wenn sie spucken. Diese Angewohnheit war im ersten Moment gewöhnungsbedürftig und eher erschreckend. Der Bau eines neuen Hauses wird mit einer grossen Zeremonie gefeiert und wir kamen gerade im richtigen Moment im einen Dorf an, um dieser beizuwohnen. Die Menschen kleiden sich dann sehr farbig und es werden traditionelle Tänze aufgeführt.

Voll von Eindrücken machten wir uns mit Jimmy (unserem Guide der auch wirklich ein wenig aussah wie Jimmy Hendrix) auf den Rückweg nach Labuan Bajo. Unterwegs besuchten wir eine Arac-Produktion. Arac, Palmschnaps, wird hier noch häufiger getrunken als Bier und gilt als Spezialität. Zusammen mit Honig und Limette schmeckt er vorzüglich. Wir konnten dies vor Ort kosten (auf leeren Magen) und kauften uns anschliessend auch gleich einen halben Liter dieses Zaubertranks.

Zurück in Labuan Bajo gönnten wir uns zum ersten Mal seit Beginn der Reise ein Zimmer mit heissem Wasser und Klimaanlage und machten ein paar Tage nicht viel. Wir unternahmen einzig einen weiteren Tauchausflug, diesmal im Komodo Nationalpark. So viele Fische und farbige Korallen auf einmal haben wir noch nie gesehen, und die Tauchgänge waren definitiv ein weiteres Flores-Highlight. An dieser Stelle ein herzliches „Merci“ an Dani aus St.Gallen, der die Unterwasserwelt fotografierte und uns ein paar wunderschöne Bilder überliess (s. Fotos).

Den Weg zurück Richtung Lombok und Bali legten wir mit einem Boot zurück. Auf dieser Tour übernachteten wir auf dem Deck, unternahmen einige Schnorchelausflüge und besuchten, ebenfalls im Nationalpark, die Komodowarane. Das sind riesige Echsen und wohl die letzten Zeitzeugen aus der Ära der Dinosaurier. Die kaltblütigen Fleischfresser können bis zu 3 Meter lang und 90 Kilo schwer werden und haben schon den einen oder anderen Büffel (auch Menschen!) verschlungen. Die Warane attackieren ihr Opfer aus dem Hinterhalt mit einem Biss. Durch den Speichel, der viele tödliche Bakterien enthält, verenden die Lebewesen innert einer Woche. Erst danach verspeisen die Warane das Fleisch. Nach dem Verzehr können sie bis 2 Monate ohne Nahrung überleben. Falls mal keine Nahrung aufzufinden ist, betreiben die Warane auch Kannibalismus. Wie diese Tiere solange auf diesem Planeten überleben konnten, ist schlichtweg faszinierend.

Ein einziges Rätsel für uns bleibt der Musikgeschmack vieler Menschen hier. Warum fahren die Leute wohl auf die „kitschige“ und nervtötende Musik von Céline Dion und Brian Adams ab?
Naja, ein besseres Beispiel aus der Musikküche von Flores könnt ihr euch hier anhören. Etwa so hat sich Flores für uns angefühlt:

Matahari - Flores Island (P.S. ein gutes Begleitstück für die Slideshow)
 
 
 

Gunung Rinjani

In Lombok angekommen, beschlossen wir, die noch verbleibenden Tage aktiver anzugehen. Wenn man schon mal in Indonesien ist, so ist eine Besteigung eines Vulkanes fast ein Muss. Dass wir uns mit dem Gunung Rinjani aber den zweithöchsten Vulkan des Landes ausgesucht hatten, fanden wir erst im Nachhinein heraus. Wer weiss, ob wir uns sonst nicht einen anderen Vulkan für ein Trekking ausgesucht hätten. Natürlich hatten wir uns im Vorfeld mit vielen anderen Reisenden ausgetauscht und sowohl Positives wie auch Negatives von diesem heiligen Berg gehört. Eines war sicher, der Aufstieg würde hart sein. Zwar sind wir keine passionierten Bergsteiger, trotzdem dachten wir, dass es als Schweizer so schwierig ja nicht sein kann. Als Angehörige eines kleinen Bergvolkes hat man doch schon die eine oder andere Wanderung unternommen. Aber um es vorweg zu nehmen: Es war hart, brutal hart und in keinster Weise vergleichbar mit allem, was wir bisher in Sachen Trekking unternommen hatten. Hier eine kurze Zusammenfassung:
 
04.20am
Wecker läutet! Aufstehen!! Hmm... wir lieben es früh aufzustehen!

05.40am
Pickup im Hotel! Eigentlich hätten sie uns um 05.00am abholen sollen - eine halbe Stunde Schlaf geraubt!

07.30am
Nach einer zweistündigen Autofahrt kommen wir am Fuss des Vulkans im Dorf Senaru (600 m.ü.M.) an.

09.00am
Nach einem Banana-Pancake, was in Indonesien zu unserem Dauerfrühstück wurde, startet unsere Gruppe die Wanderung am heiligen Berg. Und so war unsere Gruppenkonstellation:
- 2 junge, muntere Guides. Sie tragen Rucksäcke gefüllt mit Wasserflaschen!
- 3 Porter mittleren Alters. Sie tragen je 2 Körbe mit Esswaren, Kanister, Zelten, Schlafsäcken etc. Die Körbe hängen an einem Bambusstab, den sie über die nackte Schulter tragen. Die Porter tragen FlipFlops, keine Schuhe!
- 2 waschechte Spanier. Jesus und Aranja.
- 2 "steckleindünne" Singapurerinnen. Sie tragen Wanderschuhe, die fast so gross und schwer sind, wie sie selber!
- 1 deutsches Muskelpacket mit Afro-Einschlag.
- Und zu guter Letzt: Wir, 2 junge, motivierte Schweizerbünzlis mit Tagesrucksack. Gefüllt mit Snacks, Pulli, 2 Bierdosen, Thermounterwasche und einer extra Flasche Trinkwasser (es könnte ja zu wenig haben).

10.00am
Eine Stunde gelaufen. Der Weg geht nur gerade hinauf und verläuft steil, sehr steil. Wir schwitzen Bäche...

12.00am
Ankunft am Pos 2 (1500 m.ü.M.). In 3 Stunden haben wir 900m Höhenunterschied gemeistert, durch tropischen Dschungel, über Wurzeln, Stock und Stein. Es ist heiss, die Kleider durchnässt vom Schweiss. Die Porter kochen uns eine Nudelsuppe in einem Wok über dem Feuer. Singapur kommt eine halbe Stunde später an, keuchend und leidend. Eine Stunde Pause... Schaffen wir es alle bis nach Oben?

03.00pm
Ankunft am Pos 3 (2000 m.ü.M.). In 2 Stunden sind wir durch noch feuchteren, nebligen Dschungel gelaufen. Die Temperatur ist deutlich gesunken, trotzdem sind wir durchgeschwitzt und spüren jeden einzelnen Muskel in unseren Beinen... Wir füttern Affen, die uns in dieser halbstündigen Pause unterhalten.

03.30pm
Die Baumgrenze ist überwunden. Karge Landschaf folgt und die Sonne begleitet uns in den wohl anstrengendsten und kräfteraubendsten 2 Stunden unseres Lebens. Es ist nicht mehr weit, aber unsere Beine tragen uns schon lange kaum mehr. Jetzt ist es reine Kopfsache. In "Trance-ähnlichem" Zustand erklimmen wir langsam und mit letzter Kraft den Kraterrand. Manchmal 1 Schritt vorwärts und 2 wieder zurück, über Felsen und staubige Erde, immer "straight", gerade nach oben....

05.00pm
Wir erreichen unser Ziel am Kraterrand (2641 m.ü.M.). 6 Stunden Wanderung (Gesamtzeit mit Pausen: knapp 8 Stunden). 2000 Meter Höhenunterschied auf einem Weg, der in der Schweiz nie und nimmer als Wanderweg durchgehen würde. Wir haben es geschafft, wir sind stolz, fühlen uns erfüllt! Unglaublich, aber wahr: auch Singapur erreicht den Kraterrand, aber fast 2 Stunden später! Hand in Hand schreiten wir die letzten Felshänge hinauf, um den solang ersehnten Blick in den grossen, heiligen Krater des Rinjani zu werfen.

Was danach folgt, ist kurz erklärt:
Ausblicke geniessen, Tee trinken, Essen, warm anziehen, Sternenhimmel geniessen. Übernachtung im Zelt bei eisiger Kälte (Thermowäsche yuhee), frühes Aufstehen, letzter Blick in den Krater bei Sonnenaufgang, 4-stündiger Abstieg und zu guter Letzt: folgenschwerer Muskelkater - von den Schultern, über den Arsch bis in die Zehen tat alles weh. Wir konnten ganze 3 Tage nur humpeln...

Fazit: Die Rinjani-Wanderung war unser härtester Trekk bis heute! Aber er war es wert, nicht nur des Vulkanes wegen. Nirgendwo sonst traf der Spruch "Der Weg ist das Ziel" bisher besser zu!
Und Übrigens: Man kann auch einen 3-tägigen Trip machen und zusätzlich den höchsten Punkt des Berges erklimmen. Der liegt dann auf 3726 Metern Höhe. Viel Spass!
 
Nach 2 Tagen Erholung hiess es dann bereits Abschied nehmen. Wir verlassen Indonesien im Wissen, nur einen Bruchteil des Landes gesehen zu haben und definitiv wieder zu kommen!

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Comments

Tina on

Schöner Bericht mit Hammerfotos! Grins, bewunderung und auch ein kleines bisschen Neid...

Heike und Walter on

Tolle Bilder und schöne Zeilen. Wer schreibt bei Euch? Wir haben uns riesig gefreut, über Euren Besuch in Siem Reab und hoffen ihr lasst es Euch weiter so gut gehen... und viele neue Erkenntnisse im Kloster:-) :-) :-)

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