Demonstrationen und Streiks

Trip Start Oct 15, 2011
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Trip End Mar 29, 2012


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Flag of Senegal  ,
Thursday, December 22, 2011

Das unser Studentenleben bestimmende Moment der letzten Wochen ist der Streik der Professoren. Wegen seit langem beschlossener aber nicht umgesetzter Reformen im Beriecht Uni-Strukturen und Unterkunft der Professoren streiken dieselben seit bald zwei Wochen und haben schon angekündigt, dass er auch nach den Ferien noch mindestens eine Woche weitergehen wird. Konkret bedeutet das für uns keine Arbeit. Es gibt keine Kurse und damit auch nichts zu tun. Das ist in der Zwischenzeit schon fast langweilig, aber naja. Andererseits habe ich mir eh ein wenig Arbeit „erkämpft“. Ich hab Magatte nämlich gesagt, dass ich in piefkinesischer Manier endlich (nach zwei Monaten!) wissen möchte, was er für die Noten alles von mir haben möcht und da war unter anderem ein Bericht mit Fotos über meinen Aufenthalt dabei. Hab mich natürlich gleich in die Arbeit gestürzt, ein wenig zu recherchieren begonnen und dann mit dem Schreiben. Meine kleine Fotosreportage ist auch schon fast fertig – ziemlich kritisch geworden, wie ich festgestellt habe, aber es kommen sicher noch ein paar positive Dinge hinzu, schließlich beginnt ja jetzt meine Reisezeit, und nach solchen Unternehmungen gibt es ja immer viel positives zu erzählen.
Neben dem Streik, der uns Studis seit einiger Zeit um die Kurse bringt, sind aber seit einigen Tagen auch die Demos der Studierenden ein wichtiges Gespärchsthema. Und das bringt mich jetzt mitten in ein Kuriosum, von dem ich unbedingt schreiben muss, weil ich es einfach echt witzig finde. Also der Grund für die Demos ist ja noch nicht witzig. Die Studis haben nämlich noch immer keine Stipendien erhalten und das hat zumindest schon dazu geführt, dass das Essen in der Mensa seit einer Woche gratis ist. Jetzt stehen aber die Weihnachtsferien vor der Tür und da viele absolut kein Geld mehr haben, können sie sich im Moment nicht einmal die Fahrten nach Hause bzw. zu näher wohnenden Freunden (viele Studis aus der Casamance zum Beispiel bleiben lieber im Norden und gehen zu Freunden, weil die Reise ganz in den Süden zu teuer und zu lang ist) leisten und das hat zum Beginn der seit drei Tagen dauernden Proteste gefürt. Diese Demos sind im Grunde wie alle anderen Demos bei uns auch, die Studis treffen sich am Haupteingang, wollen eigentlich die Nationalstraße vor dem Portal blockieren und werden von der Gendarmerie daran gehindert. So weit so gut, alles wie bei uns. Irgendwann wird diese Rumsitzerei und Rumsteherei aber scheinbar zu langweilig und die Studis beginnen Steine zu werfen. Die Einfahrt wird dann zugemacht, die Polizisten stellen sich vorne in voller Montur auf und die Studis holen sich zum Schutz vor zurück geworfenen Steine Tische aus den Unterrichtsräumen. Dann werden eine Weile Steine hin- und hergeworfen. Wenn den Polizisten zu bunt wird, kommt eine Tränengasbombe, die schnell unschädlich gemacht wird und die Sache geht weiter. Gegen Mittag, nachdem das ein bis zwei Stunden so dahin geht, „stürmt“ die Polizei ungefähr 20 Meter nach vorne, die Studis hauen ab und damit ist die Mittagspause eingeleitet. Alle gehen in die Mensa essen und anschließend in die wohlverdiente Siesta und die Gendarmen setzen sich wieder in den Schatten. Die Türen werden geöffnet und für vier Stunden kann man den Campus auch durch das Haupttor problemlos betreten und verlassen. Gestern und heute habe ich mir dieses Geplänkel angesehen und, so schlimm das ist, obwohl es bereits Verletzte auf beiden Seiten gibt, so ganz ernstnehmen kann ich diese Sache nicht. Also von Seite der Studenten meine ich. So wie der Streik der Professoren niemanden sonst trifft, als die Studenten und damit an der Idee eines Streiks meiner Meinung nach vorbei geht, und sie auch keinerlei andere Formen von Demonstrationen organiseren – es gibt keine Protestmärsche oder sonstige Veranstaltungen – so ist das Steinewerfen der Studis leider ziemlich lächerlich! Der Verkehr wird ein bisschen gestört, aber nicht wirklich und wenn die Mittagszeit kommt, heißts wieder: il faut bien manger und die Demo macht einfach Pause. Ich habe noch keinerlei Wirkung nach außen gesehen – außer dass die Geschäfte gegenüber momentan zu haben, aber das kann man doch wirklich nicht als Erfolg bezeichnen, oder? Pragmatisch, das ist klar und ok, aber so sinnlos wie in meinen Augen schwachsinnig. Ein bisl wie die Briten im Asterix – Teepause ists und vorbei ists mit dem Ernst des Lebens... Naja, mal sehen, wie sich das noch entwickelt. Hab jedenfalls heute erstmals im Leben ein bisl Tränengas abbekommen – ziemlich unangenehmes Gefühl, Gott sei Dank wars nicht mehr. Und Magatte wird wieder schimpfen, weil wir uns immer alles aus der Nähe ansehen müssen, hihi.

Bald sind aber für mich erstmal Ferien, also so richtig offizielle, nicht nur frei weil die Kurse entfallen, und das heißt natürlich: weg aus St. Louis, ganz konkret: ab in die Casamance. Wieder einmal :-) Auch da war Magatte ja wenig glücklich, aber wir hatten das Boot schon gebucht und freuen uns schon sehr auf ein paar Tage im Süden. Ich will ja nicht so viel durch die Gegend fahren, eher die ganze Zeit in unserem lieben Campement in Djémbering verbringen und den einen oder anderen Ausflug in der Umgebung machen. Und dann kommt der Papa und damit ist die Zeit der Besuche und die Zeit des richtig anständigen Reisens angebrochen. Mit dem Papa steht die Route schon fest, wir fahren zum Lac Rose, in die Wüste nach Lompoul und dann nach St. Louis. Hier verbringen wir einige Tage (ich hab zwar nach wie vor keine Uni aber Sprachkurse) und dann gehts auf Schiff und auf einen fünftägige Senegalkreuzfahrt. Die soll ja laut Günter total schön, freu mich jedenfalls schon sehr die Grenze zu Mauretanien abzufahren. Nach der Kreufahrt gehts nach Dakar und dann kommt auch schon die Alina. Und dann noch Ebru, Anne und Cristina und wenn sies schaffen, einen Flug zu buchen, auch noch Anja, Mara und Uli. Und der Pati und der Clau hab ich schon absagen müssen. Ich glaub ich sollt mich mal im Guinnes-Buch der Rekorde bewerben, ich bin bestimmt die bestbesuchte Austauschstudentin aller Zeiten!

So, bis zur Abfahrt stehen noch ein paar Kleinigkeiten am Programm. Die Christa kommt gleich vorbei, dann fahren wir bald in die Stadt, haben Französisch und Wolof und dann muss ich packen und um Mitternacht gehts los. Mit Wades Gratis-Caravane für Parteimitglieder nach Dakar (die Parteimitglieder haben dann eine Réunion) und dann Geld abheben und aufs Schiff. Übermorgen sind wir in Ziguinchor und der Urlaub beginnt...

Frohe Weihnachten schonmal und einen guten Rutsch ins neue Jahr :-)
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