Tabaski

Trip Start Oct 15, 2011
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Trip End Mar 29, 2012


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Flag of Senegal  ,
Sunday, November 6, 2011

Huch, 6. November schon, zwei Wochen lang hab ich nicht mehr geschrieben, dabei ist eigentlich doch eine ganze Menge passiert. In St. Louis bin ich schon ziemlich daheim, am Campus kenne ich mich in der Zwischenzeit gut aus und auch die Stadt habe ich schon ein wenig erkundet. Und weil die ersten zweieinhalb Wochen so anstrengend waren haben wir uns natürlich schon die ersten Ferien verdient. Die haben wir beschlossen in Dakar und der Casamance zu verbringen. Bei Awa wollen wir Tabaski feiern und am Dienstag solls dann in den Süden gehen.
Die günstigste Gelegenheit die knapp 300 km nach Dakar zu fahren war eindeutig eine Caravane zu nehmen. Das sind von den Studis in Eigenregie organisierte Busse, die alle größeren Städte im Norden anfahren. Unsere nach Dakar hat am Sa um 3 Uhr früh den Campus verlassen und sollte gegen 9 in Dakar sein. Die Sitze waren aber so unbequem, dass ich nach einer halben Stunde nicht mehr sitzen konnte. Allein die Müdigkeit von drei fast schlaflosen Nächten hielt mich am Sitz und ließ mich immer wieder einnicken und als dann gegen halbsieben die Sonne aufging sah ich das erste Mal die klassischen „Baobab-im-Dämmerungslicht“-Bilder. Das hat die Strapazen dann doch ein wenig entschädigt und weil unser Nachbar mit den zwei Frauen in Dakar und St. Louis gar nicht mehr aufhören wollte, mit uns zu reden, vergingen dann auch die letzten eineinhalb Stunden bis Erreichen der Stadtgrenze recht schnell. Ab hier standen wir natürlich im klassischen Stau und legten in einer guten Stunde nicht viel mehr als 10 km zurück. Trotzdem kamen Reisende und Gepäck am Dach (wozu neben meinem altgedienten Rucksack auch fünf Hammel für Tabaski gehörten!) gut an ihren jeweiligen Zielen an, und nach einer kurzen und dadurch schmerzlosen Akklimatisierung an Dakars immerstressige Straßen willigten wir auf den Preis von 1500 fr ein und waren kurze Zeit später bei Awa. Hier erwartete uns die Familie, nur Aziz schlief noch und ihm taten wir es nach einem ausgiebigen Frühstück auch gleich – wir verschliefen den ganzen Nachmittag und versuchten so die fehlenden Stunden Schlaf der letzten Tage (nächtliche Trommel- Sing- und Gitarrespielaktionen dauerten oft bis drei Uhr früh) nachzuholen, was auch einigermaßen gut gelang. Von der Familie war jedoch nach dem Aufstehen weit und breit keine Spur und wir dachten schon, sie wären ohne uns Hammel kaufen gegangen. Beim Frühstück hatten Christa und ich nämlich gesagt, wir wären da gerne dabei. Aber Awa hat natürlich Wort gehalten und als die Einkäufe verstaut, Mariama und Ne Awa beim Friseur und Aziz angezogen waren, machten wir uns zu viert plus Fahrer auf den Weg zum Markt. Hier ging das Feilschen in die Endrunde. Awas Bruder war schon den ganzen Tag unterwegs gewesen, um schöne Tiere und gute Preise vorzubereiten. Ein vorbereiteter Handel wurde auch zu einem Abschluss gebracht, Awa kaufte ein schönes, schwarz-weißes Tier und war fürs Erste zufrieden. Nun sollte ein zweites ausgesucht werden, der ausgesuchte Händler wollte aber um nichts in der Welt von seinem letzten Preis abrücken und Awa brach den Handel ab. Es ging über die Straße, wo ein Händler aberwitzige Preise vorschlug. Also, auch nichts. Erst bei einem dritten Stand wurden sich Käuferin und Händler einig und das nächste Tier wurde verschnürt wir ein Paket und in den Kofferraum des Taxis gepackt. Seitdem wohnen  die Tiere bei uns hinterm Hausen und hinterlassen ihre runden „Geschenke“ – freu mich schon aufs Putzen nach dem Festschmaus ;-)
Für den heutigen Tag war dann eigentlich nur mehr eines vorgesehen: einkaufen! Schließlich müssen alle anständig angezogen sein am größten islamischen Feiertag! Gleich nach dem Mittagessen warfen wir uns todesmutig ins Markttreiben und wurden auch fündig! Ich habe bei zwei totaaaaaal coolen Stoffen, einem Paar Schuhe, einem Paar FlipFlops und einer Haarbürste zugeschlagen. Einen weiteren Stoff, gewebt aus Bissau, habe ich auch noch entdeckt, aber da muss ich noch ein anderes Mal hin. Dieses Mal habe ich zwei Wax-Stoffe, jeweils sechs Meter lang genommen. Einen in ganz zartem Grün mit einem lilanen Muster, aber sehr dezent und der zweite in einem kräftigen, dunklen rot, mit schwarz-gelb-weißem Muster. Bin begeistern und freue mich schon auf meine Tagesdecke und die Hose, die daraus entstehen sollen! Aus den Stoffresten lasse ich mir vielleicht noch eine Tasche oder so nähen. Mal schauen... Jedenfalls, und das finde ich beachtenswert, wird mein Handeln immer besser. Heute habe ich nicht einen einzigen Franc zuviel gezahlt! Awa hats mir bestätigt und wollte mich dann sogar eine Hose für sich handeln lassen! Bin sehr stolz auf mich, schön langsam finde ich nämlich auch Gefallen an diesem Spiel. Überhaupt wenn ich dann, so als Versöhnung, wenn die Händler scheinbar zerknirscht auf den Preis einsteigen, ganz locker erkläre: Man waxalekat laa (Ich bin Profihänlderin so auf die Art. die Endung „kat“ an einem Verb bezeichnet eine Tätigkeit, die wiederholt, z. B. als Beruf, ausgeübt wird). Die Lacher sind dann stets auf meiner Seite und man erklärt mir, dass ich handle wie eine Senegalesin. Dann macht das Einkaufen gleich noch viel mehr Spaß...
Ach ja, und noch etwas hat mir Dakar gebracht. Meine ersten afrikanischen Autofahrten am Steuer! Ein Abenteuer sondergleichen. Die Straßen, mit Schlaglöchern übersät, die man bei uns selbst auf Waldwegen als Frechheit einstufen würde, auf der Fahrbahn abwechselnd Sand, Asphalt, Steine und eben die Löcher, Millionen Autos, die die Straße von frühmorgens bis weit nach Mitternacht verstopfen und in all dem Chaos nicht eine einzige Ampel! Die hats zwar mal gegeben, aber weil sich niemand daran gehalten hat, wollte man sich wohl den Strom und den Platz sparen... Jedenfalls habe ich unser Familienauto bereits sieben Mal sicher und unversehrt durch die Stadt gebracht und finde diese Leistung eigentlich recht beachtenswert. Es ist zwar nicht ganz so entspannt wie Autofahren bei uns, dafür eine ständige Herausforderung und niemals langweilig. Awas anderem österreichischen Gast, Klaus, den wir gestern vom Flughafen abgeholt haben, habe ich sogar die letzten Vorurteile gegenüber Frauen am Steuer austreiben können, meint er zumindest. Und das ging sogar soweit, dass er mit mir mitten in einem zweispurigen Kreisverkehr, bei dem ich grad von rechts und von links von Bussen und Autos in die Mangel genommen wurde, über die verschiedenen Möglichkeiten betreffend Sim-Karten und mobiles Internet diskutieren wollte. Er hat dann aber doch eingesehen, dass es vielleicht auch in seinem eigenen Interesse wäre, mich zuerst auf die so genannte Autobahn (auf beiden Pannenstreifen gibt es massenweise Menschen, die allerhand Waren feilbieten, Stände und Kinder, die durch die Gegend rennen) fahren zu lassen und das Gespräch auf etwas später zu verschieben – nicht zuletzt, weil auch die Lichter nicht mehr die allerbesten sind und ich sowieso die meiste Zeit auf Gehör fahren muss...

Man sieht, es geht mir gut. Ich gewöhne mich nach wie vor ein und bekomme schön langsam ein Gefühl für das senegalesische Leben. Diese Abenteuer machen aber immer auch müde und darum werde ich mich jetzt schön langsam ins Bett begeben, das Moskitonetz über mich spannen und noch für ein paar Stunden die Augen zumachen. Und dann, wenn ich aufmache, ist Tabaski und ich bin schon gespannt, wie das wird...











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