Seid lieb zu den Tierlein, Teil II (ab 18 Jahren)

Trip Start Oct 06, 2006
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Trip End Jul 15, 2007


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Flag of Philippines  ,
Thursday, March 8, 2007

Lang, lang ist es her, da haben wir uns an dieser Stelle ein bisschen mit unseren vierbeinigen asiatischen Freunden beschaeftigt. Ach, wie hurtig doch die Zeit vergeht! Zu denken, dass es uns mal vor dem Konsum von geroesteten Schwalben und gegrillten Schweinesehnen gegraust hat; ja, dass man sogar in unserem Esswettbewerb 1:0 in Fuehrung gehen konnte, nur weil in der Flasche mit dem zu konsumierenden Reisschnaps ein Schlaenglein schwamm... Mir kommen die Traenen vor Ruehrung! Geneigter Leser, es sollte Dir klar geworden sein, worauf dieser unser letzter Eintrag von der philippinischen Scholle hinzielt: Auf die kulinarischen Eigenarten dieses Landes. Nichts fuer schwache Nerven! Darum hurtig, hurtig vor dem Weiterlesen den Rest des Znueniwegglis runterschlucken, und los geht's...

Szene 1: Sonntagnachmittag, Einladung zum Essen bei Freunden (...der Grund, warum die nicht alle beim Gueggelkampf sind, ist nicht zu eruieren - vielleicht ist das Federvieh nicht in Wettkampfform oder vorzeitig in der Pfanne gelandet). Ente gebe es, ist die Antwort auf unsere leicht fragenden Mienen angesichts der fehlenden Kueche in der Bude am Rande einer favelaaehnlichen Ansiedlung. "Canard a la Philippinaise" wird folgendermassen zubereitet:
1. Kurzer Spaziergang zu einem Verschlag ein paar hundert Meter entfernt. Das Oberhaupt der dort wohnenden Familie verkauft uns mit zahnlosem Grinsen zwei im Abwasserkanal gruendelnde Enten, welche beim Schluepfen aus dem Ei wohl mal weiss gewesen waren, jetzt aber die Farbe der Algen, des Rotzes und der Faekalien angenommen haben, die ihr Futter sind.
2. Vorheizen einer Pfanne heissen Wassers aus der Handpumpe auf dem Kerosinbrenner vor dem Haus (vorerst ist unklar, was das soll).
3. Abmurksen der Enten. Es faellt mir kein anderes Verb ein fuer diesen Vorgang; leider lassen sich die Leute nicht auf mein Angebot ein, die Tiere mit einem satten und humanen Schnitt zu enthaupten. Der Seniorkoch schlaegt dem ersten Tier einen 5-cm-Nagel in den Hinterkopf, was erstaunlich rasch und gnaedig zum Tod des Vogels fuehrt - aber was der Koch-Lehrling mit dem zweiten Tier anstellt (er benutzt in Ermangelung eines zweiten Nagels ein Messer und braucht etwa 10 Minuten dazu), dreht uns beiden doch ziemlich heftig das Herz in der Brust herum.
4. Rupfen der Viecher nach einem Bad im mittlerweile kochend heissen Wasser - ich bin bald bis zu den Ellbogen geteert und gefedert mit stinkenden Entendaunen.
5. Ausnehmen der Leichen (normalerweise wuerden ja alle Organe mitgekocht, erlaeutert der Chefkoch, aber unsere schwachlichen Europaer-Gaumen wuerden wohl das Knirschen nicht so goutieren, das vom Kauen des mit Sand gefuellten Darmes herruehrt - also hopp, das ganze Innereienpaket ueber den Gartenzaun geworfen).
6. Von da an wirds wieder bekannter: Kartoffeln, Zwiebeln, Karotten, Ananasstuecke und Knoblauchzehen werden zerkleinert und in einer Tomatensauce der in Stuecke gehackten Entenleiche beigeben - riecht und schmeckt koestlich!

Szene 2: Der Buebereisli-Esswettbewerb wird definitiv entschieden.
Wir sitzen des Abends mit unseren Enten-Freunden in einer Gartenbeiz und goennen uns eine Tasse des lokalen Hopfentees. "Balot, Balot", ruft ein Typ, der auf seinem Velo mit am Lenker haengenden Kuebel vorbeifaehrt. DIE Gelegenheit, in unserem Wettbewerb vorentscheidend einen weiteren Punkt zu skoren, denk ich mir - seit den Spinnen in Kambodscha hatte das Buebereisli naemlich wenig Gelegenheit, sich an einem weiteren kulinarischen Pruefstein zu messen (die gewaschenen, marinierten, auf ein Satespiesslein aufgereihten und grillierten Huehnerdaerme essen wir mittlerweile beide ohne mit der Wimper zu zucken). "Balot", muss man wissen, sind angebruetete Huehnereier - ein echter Challenge also. Huehnerkueken schluepfen normalerweise nach ca 22 Tagen Brutdauer, und man kann sich vom Balotverkaeufer je nach Gusto ein Ei von einer bestimmten Brutdauer kredenzen lassen. Simon filmt mit verzerrtem Gesicht, ich waehle "17 Tage alt", das Ei ist noch warm in meiner Hand, und... Game, Set, Match Mueller, ich pople mir ein kleines Federchen aus einer Zahnluecke.
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