Murphy

Trip Start Oct 06, 2006
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Trip End Jul 15, 2007


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Flag of Philippines  ,
Wednesday, January 10, 2007

Geneigter Leser,
kennst Du Murphy's Law? "What can go wrong, will go wrong"? Item, jedenfalls gibt's jetzt ein Mueller's Law: "Murphy was an optimist". Ich hab beschlossen, meine kleine Odyssee der letzten 3 Tage mal geordnet zu dokumentieren, vielleicht reichts ja auch fuer mich (wie fuer weiland Ilias) zu ewigem Ruhm - oder halt wenigstens fuer ein bedauerndes oder haemisches Laecheln Deinerseits... Ich empfehle Dir allerdings, es Dir bequem zu machen und etwas zu Trinken zu holen, denn eine rechte Odyssee ist kein Maibummel!

Man kann ja neuerdings als Serviceleistung von Bangkok Air das Gepaeck ab Ko Samui an praktisch jede internationale Destination, welche von einer groesseren Fluggesellschaft bedient wird, durchchecken. Also kein Stress in Bangkok mit Gepaeck-abholen-und-dann-wieder-einchecken-und-hoffentlich-r eichts-auf-den-Anschlussflug. Wenigstens in Theorie - mein Gepaeck macht sich naemlich unterwegs irgendwie selbstaendig.

Ich fuelle also in Manila (nach uebrigens etwa 2 Stunden Schlaf in der Nacht zuvor; die Gruende dafuer behalte ich fuer mich) ein Formular in dreifacher Ausfuehrung aus, welches Thai Airways befaehigen sollte, meinen fehlenden Rucksack aufzuspueren und mir wieder zu uebergeben. Ich habe aber weder die Telefonnummer des Hotels in Manila, in welchem ich eine Nacht bleiben werde, noch die Nummer und genaue Adresse des Resorts in Dumaguete, in dem ich die folgenden paar Wochen wohnen werde. Kein Problem, meinen die fuer meinen Geschmaeck etwas zu nonchalanten Beamten, ich soll halt einfach ins Hotel fahren, dort die noetigen Informationen herausfinden und dann im Airport anrufen und alles durchgeben. Damit's auch wirklich klappt, geben sie mir gleich drei verschiedene Nummern an, falls eine besetzt waere oder so. Ich kauf mir also erstmal ein weiteres T-Shirt, eine Zahnbuerste, Duschgel und solcherlei, damit ich mangels Hygiene nicht gleich Manila verpeste (sollte zwar wirklich schwierig sein bei diesem Smog). Leider hat dann der Taxijockey keine Ahnung, wo meine Bude liegt -  aber wozu gibts schliesslich all die gaebigen Karten in meinem "Lonely Planet"-Fuehrer? Im Hotel haenge ich dann volle 45 Minuten am Stueck erfolglos am Draht, weil keine der drei angegebenen Nummern bedient ist - schliesslich ist ja auch schon fuenf Uhr nachmittags, und wer arbeitet denn um diese Zeit noch gerne?

Hmmm, kein Problem, denk ich - die Information muss zwar unbedingt durch, weil ich am naechsten Tag nach Dumaguete weiterfliegen werde und so hier nicht mehr nach dem Rechten sehen kann; aber ich kann ja selbst nochmal zurueck zum Flughafen, oder? Schon mal in der Stosszeit in Manila in einem Taxi gesessen? Eben! Erste leichte Aergersymptome meinerseits. Als nicht-Passagier ist es ziemlich schwierig, in Manila's Airport zu gelangen, und bis ich unter Hinterlegung meines Passes einen Visitor-Badge ergattert habe und dem Uniformierten meine Redlichkeit klargemacht habe, ist fuenf nach halb sieben - was schlecht ist, weil naemlich die Angestellten von Thai Airways um halb sieben den Bleistift fallen lassen und sich aus dem Staub machen.

Naja, irgendwo muss es doch hier ein Buero geben, das verlorengegangenes Gepaeck abwickelt. Da kein Schwein mehr im Buerotrakt des Flughafens zugegen ist, klopfe ich auf Empfehlung einer Putzfrau den Sicherheitschef des Airports aus dem suessen Schlummer in seinem Buero. Hmm, hmmm, ich soll doch mal im Baggage Claim versuchen, die entsprechenden Beamten wiederzufinden, schliesslich haben die ja gesagt, sie seien bis acht Uhr zugegen. Supi Idee! Zuerst aber huschhusch meinen deponierten Pass abholen, nur um dann vor der Ankunftshalle freundlich darauf aufmerksam gemacht zu werden, dass es zum Eintritt einen anderen Visitor-Badge braucht, der ebenfalls an einem anderen Ort unter Deponierung eines Ausweises zu beschaffen ist. Eine Viertelstunde spaeter stelle ich fest, dass auch die Typen im Baggage Claim schweizerische Beamtenzuege tragen und sich heimlich aus dem Staub gemacht haben. Aber oh, ich erhalte die Information, fuer solches sei doch schlicht und einfach das "Interline-Office" zustaendig, das sei grad links um die Ecke, allerdings muesse ich unter Hinterlegung eines Ausweises einen speziellen Visitor-Badge......

Halleluja, im "Interline-Office" ist noch Licht - allerdings scheint nur der Schnupperstift zugegen, welcher keine Ahnung hat, wie er auf mein File zugreifen kann, um die relevanten Informationen dort einzufuegen. Ich erwaege, mir auf gut Glueck irgendein dort liegendes Gepaeckstueck zu krallen und mich aus dem Staub zu machen. Stattdessen schiebe ich hundert Peso ueber den Tresen und halte dem Jungen einen Peptalk a la Budi Latour, damit er sich morgen frueh noch daran erinnert, mein Blatt Papier seinem Chef zu ueberreichen. Erschoepft verziehe ich mich ins Hotel und stelle mich unter Verwendung des brandneuen Gels unter die wohlverdiente Dusche - nur um zu erfahren, dass der Gel passenderweise schwarz ist (!) und das Hotel das Wasser abgestellt hat. Erzuernter, aber wohl filmenswerter Auftritt an der Reception, Vollenden des Duschvorgangs, todmuede-ins-Bett-Fallen. Aber oha: Der Raum hat nur auf 3 Seiten Waende, die vierte Seite besteht ausschliesslich aus einem Fliegengitter und geht auf die Strasse hinaus - und da heute Samstag ist, ist jeder Manilaner unterwegs, um seinen Teil zum Krach vor meiner Loge beizutragen.
 
Tag zwei: Ich fliege mit Cebu Pacific Air nach Dumaguete und reise per Tricycle die Stunde bis nach Dauin, wo ich ein paar Wochen wohnen werde (ich komme allerdings ohne Duschgel und Zahnpasta an, weil die Airline halt Fluessigkeiten im Handgepaeck verbietet, und man muesste mich schon mit gluehenden Eisen bearbeiten, dass ich meinen kleinen Tagesrucksack einchecken wuerde...). Engelsgelaeut erwartet mich an der Reception: Jemand von Cebu Pacific habe angerufen, mein Gepaeck sei am Flughafen von Dumaguete angkommen! Ich bin leicht verdutzt, weiss aber, dass in der Zwischenzeit ein weiterer Flug aus Bangkok angekommen und die Geschichte deshalb plausibel ist, und verziehe mich mit ein paar Sieger-Bier in mein gemuetliches Bungalow. Morgen wird die Geschichte abgeschlossen!
 
Denkste... Tag drei: Nach einer Stunde Fahrt durch den stroemenden Regen erfahre ich am Flughafen, dass sich wohl irgendjemand einen kleinen Scherz erlaubt habe, weil von Gepaeck sei hier keine Spur angekommen, so sorry Sir. Ich bitte Chris (ist heute uebrigens ein guter Freund von mir...), doch dem Hauptbuero in Manila anzurufen um zu schauen, ob mein Rucksack von Thai Airways an Cebu Pacific uebergeben worden ist. Eventuell war es naemlich Manila, das im Resort angerufen hatte um mitzuteilen, das Corpus Delicti sei mit diesem oder jenem Flug unterwegs nach Dumaguete. Aber ach, Chris kann keine Ferngespraeche machen, so sorry Sir, aber hier ist die Nummer des Bueros n Manila! Also hopp, 20 Minuten zurueck in die Stadt und hurtig in einem Webcafe per Skype nach Manila telefonieren! Die Mikrophone an den ersten 3 Computern sind kaputt, was ich allerdings jeweils erst nach 5 Minuten erfahre, weil die Kisten ultralangsam sind und es eine Ewigkeit dauert, bis das Programm laeuft. Aber halt, beim vierten Anlauf klappts, und es klingelt in Manila - und dann klingelts in meinen Ohren, weil mir der gute Chris naemlich eine Faxnummer angegeben hat... Die halbstuendige Suche nach der korrekten Nummer im Web verlaeuft natuerlich im Sand, und ich schicke erstmals (wirklich! ehrlich!) einen waehrschaften, aber trotzdem laesterlichen Schweizer Fluch in den philippinischen Aether. Ich kapituliere, miete mir ein Moped, um nicht mehr von den Abzockerpreisen der lokalen Tricyclemafia abhaengig zu sein, und fahre die Stunde im (immer noch) stroemenden Regen zurueck in mein Bungalow, wo ich mich den (schon leicht lallenden, da "Tanduay"-Whisky kippenden) Teilnehmern einer Taufe anschliesse um den Tag zu vergessen.
 
Am Tag 4 hat's dann endlich geklappt, und deshalb ist jetzt Chris mein Freund, ich kann mich wieder richtig rasieren, und ich liebe die Philippinen wieder von ganzem Herzen....
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