Welcome to Humboldt County

Trip Start May 19, 2009
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Trip End Aug 16, 2009


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Flag of United States  , California
Monday, July 20, 2009

Nachdem ich eine Grossstadt nach der anderen besucht hatte, stand mir der Sinn wieder nach einem etwas friedlicheren Ort, abseits der ueblichen Touristenpfaden. Arcata schien mir ideal, da es zwischen San Francisco und Portland liegt und mir gesagt wurde, dass es Aehnlichkeiten mit Asheville aufweist, wo es mir ja gut gefallen hatte. Ausserdem ist es in der Gegend, die beruehmt fuer die California Redwoods ist, diese unglaublich alten, riesigen Baeume.
Haette ich Humboldt County zum vornherein gegoogelt, haette ich gewusst, dass es auch fuer andere Gewaechse beruehmt ist. Aus jedem Hinterhof, Keller und Abstellraum dringt ein suesslicher Duft. auch das Zimmer, in dem ich uebernachtete, roch nach suessen Traeumen, da es einst anderen Zwecken diente. Da in Californien Medical Marijuana legal ist, haben einige Bauern sogar eine Lizenz zum Anbauen, kleine Mengen werden aber auch sonst relativ liberal gehandhabt, was die Bevoelkerung sehr freut. Sogar Snoop Dog gibt einmal im Jahr im Nachbarort ein Konzert, da er da regelmaessig mit Grasbuescheln beworfen wird. Lustig auch die da gesichtete Bong, die anscheinend als Masterprojekt von Berkeleystudenten entworfen wurde und die perfekteste Bong ueberhaupt sein soll.
Da Arcata eine Collegestadt ist, ist es um diese Jahreszeit ziemlich ruhig, da die ganzen Studenten nicht hier sind. Es gibt einige gute Restaurants, Cafes und huebsche Boutiquen, wobei diese zum Teil nicht ganz kosher finanziert werden, wie ich mir hab sagen lassen. Einige der Geschaefte wurden in den siebzigern mit Kokaingeld eroeffnet, heute ist es das Marijuana, das den netten Damen, die da arbeiten, erlaubt, ihre sehr teuren Oekokleidergeschaefte verlustfrei zu fuehren. Nun, das stoert mich ja nicht, und das Konzept der gruenregierten Stadt, die auf lokale Geschaefte statt grosse Malls und Ketten setzt, sorgt auf jeden Fall fuer ein schoenes Stadtbild. 
Ebenfalls zum Stadtbild gehoeren die vielen Crusties - ein Wort, das ich spaeter von meiner Greyhoundfreundin gelernt habe, wobei diese Leute von anderen Mitmenschen als Transients (freundlich) oder als Bums (nicht freundlich) bezeichnet werden. Wobei Bums sich darauf bezieht, dass sie nicht arbeiten und den Tag mit Bier trinken und Muenz sammeln verbringen. Crusties nennen sie sich selber, denn sie sind keine Hippies oder Punks und unterscheiden sich optisch von den Leuten gleichen Lebensinhalts, dies bei uns gibt. Sie tragen meist dunkle Kleider, haben viele Taetowierungen, oft im Gesicht, Rastas bzw. einen einzigen grossen Filzhaufen und diese Tribalohrpfloecke, welche die Ohrlaeppchen vergroessern. Sie hoeren vorzugsweise antikapitalistische Musik und haben oft Hunde. Ausser, dass sie nicht so gut riechen, sind sie ausgesprochen friedlich. Die Pappschilder, die sie hochhalten um zu betteln, sind oft auch ziemlich lustig. Hab mich zum Beispiel kaum halten koennen vor Lachen, als ich den Typ vor dem organic-food store sah, auf dessen Schild stand: "homeless & hungry, needs Veggie Burger." (das war zwar in Portland, aber sie sind ueberall aehnlich.) Ein anderer verkaufte oder verschenkte kleine Blumenbouquets, die er aus dem Garten einer republikanischen Politikerin gestohlen hatte. Die "Hesch echli Muenz"-Leute sind hier allgemein viel freundlicher, sie wuenschen einem auch  noch einen schoenen Tag, wenn man nein sagt. Bei uns sagen sie "Arschloch". Da soll mal einer sagen, die Amis haetten keine Manieren.
Zwei der Couchsurfer, bei denen ich wohnte, arbeiten in einem kleinen Cafe, das kurz vor dem Bankrott steht. Das Cafe selbst ist eigentlich ein Studentencafe, der Hinterhof jedoch ist ein Treffpunkt fuer die eben beschriebenen Leute. Der Besitzer hatte nun die glorreiche Idee, daraus Geld zu machen und einige davon fuer sich arbeiten zu lassen und im Hinterhof eine Bar mit Billigbier zu fuehren. Das geht nur halbwegs gut, da einigen der neuen Angestellten die noetige Sozialkompetenz fuer ihren neuen Job fehlt, sie zum Beispiel nicht gelernt haben, bei Unstimmigkeiten mit Gaesten nciht das Messer zu zuecken. Im Gegenzug richtete sich die urspreungliche Belegschaft, darunter meine Couchsurfingfreunde, im vorderen Teil ihr eigenes kleines Paradies ein, mit gratis Kaffee fuer ihre Freunde und regelmaessigen Bandauftritten, die sie organisieren. Ein friedliches Miteinander und alle sind gluecklich.
Das schoene an dem Ort ist aber vor allem die Naehe zur Natur. Habe mit meinen Couchsurfingfreunden tolle Ausfluege an die Kueste und einen nahen Fluss unternommen, gleich hinter ihrem Haus war der Wald mit den Redwoods und am Rande der Stadt ist ein Naturschutzgebiet mit seltenen Voegeln. Aber Natur beschreiben ist wie andere Leute zum Ferienfotos anschauen zwingen, wo 20 mal der selbe Berg drauf ist. Also lass ich das mal. Kann nur sagen - wenn man Gruen in irgendeiner Form schaetzt (draussen, drinnen, im Keller und in der Politik), kommt man in Humboldt County auf seine Rechnung.
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