Texas, Texas

Trip Start May 19, 2009
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10
22
Trip End Aug 16, 2009


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Flag of United States  , Texas
Sunday, June 28, 2009

Im Namen meiner texanischen Freundin muss ich zuerst mal festhalten: Bush ist kein richtiger Texaner. Dass er da Governor war, spielt keine Rolle, denn der Governor in Texas hat kaum Macht. Nachdem das gesagt ist, stellt sich vielleicht die Frage, wer oder was ist denn ein richtiger Texaner? Cowboys mit geladener Waffe, die nur darauf warten, Fremdlinge zu vertreiben? Die ersten Bewohner, mit denen ich in Beruehrung kam, waren alles Mexikaner. Ich rieb mir die Augen und fragte mich, ob ich vielleicht doch wieder mal den falschen Bus genommen habe, denn alles 'amerikanische' war aus dem Strassenbild verschwunden. Heruntergekommene Haeuser und davor herumlungernde Maenner, die den Tag mit Bier trinken und beim Anblick weiblicher Wesen Geraeusche von sich geben verbringen. Ich hab mich selbst ertappt, wie ich nach 2 Minuten und dem zehnten 'Psps'/Schnalz/Pfeiflaut dachte: integriert euch doch mal, damminomol! Was in Mexiko nervt, nervt auch hier, aber hier noch mehr, wenn man grad aus einer Oase der Hoeflichkeit kommt. Lustig auch das mexikanische Restaurant. Sonst sind die Kellner in den USA ja so ueberzuvorkommend, dass man manchmal am liebsten ein 'bitte nicht stoeren'-Schild aufstellen wuerde, weil sie alle zwei Minuten nachfragen, ob man auch wirklich zufrieden sei und einem nach jedem Schluck das Wasser auffuellen. Ich verschlucke mich regelmaessig vor lauter danke-sagen. In dem mexikanischen Restaurant stehen dann vier Kellnerinnen gelangweilt in dem fast leeren Lokal in der Ecke rum und erst nach sehr sehr langer Zeit und vielen vergeblichen auf-mich-aufmerksam-mach-Vesuchen kommt dann gnaedigst mal eine angeschlurft und ist dann auch gleich sauer, weil ich das Billigste auf der Karte bestelle. Fuer das haette sie ja nicht drei Meter zuruecklegen muessen.
Was die texanischen Cowboys angeht - ich hab zwar echte Exemplare dieser Gattung kennengelernt, aber nicht in Austin, sondern in Flagstaff. Aber dazu spaeter. Austin hat keine Cowboys, weil es erstens eine Stadt ist und zweitens in allem anders als der Rest von Texas und auch sehr stolz darauf. Sehr liberal, sehr alternativ und sehr bodenstaendig. Wie schon anderswo im Sueden sind die Leute warmherzig, freundlich und hilfsbereit. Und stark taetowiert.Und baertig. Und die Frauen achselbehaart. Was meines Erachtens eine Reaktion auf die Baerte darstellt, ich wuerde mich auch nicht mehr rasieren, wenn ich von so viel maennlichem Haar umgeben waere. Aber lassen wir das.
Mein persoenlicher Hoehepunkt war das Jenny Lewis Konzert. Endlich, endlich hab ich meine Heldin mal live gesehen und sie war umwerfend. Sie ist nicht nur eine wunderbare Musikerin, sondern auch eine begabte Unterhalterin. Sie hat alle Anwesenden mitgerissen, was bei ueber vierzig Grad noch um elf Uhr nachts nicht ganz einfach ist. Bei diesem Konzert habe ich dann auch meine zukuenftige Austin-Fuehrerin kennengelernt. (wie ich eine bedauernde Juristin. Uns gibts ueberall und wir verstehen uns instinktiv.) Sie hat mich am naechsten Tag ueber seltsame Sitten und Braeuche ihrer Heimat aufgeklaert und ist mit mir Barbeque essen gegangen, das jeden Vegetarier in Traenen ausbrechen lassen haette. Das Barbeque-Restaurant befindet sich ausserhalb von Austin im Niemandsland - nur Staub, Hitze, zirpende Grillen und der Geruch von Gegrilltem. Nun, Niemandsland stimmt nicht ganz, es gehoert natuerlich irgendwo dazu, und in diesem Fall ist das ein 'dry county', d.h. sie duerfen da keinen Alkohol ausschenken, die Gaeste duerfen aber selber welchen mitbringen. Seltsam das, diese Gesetzesrelikte. Seltsamer noch als das lustige Spiel, das hier populaer scheint und das sie 'chicken poop bingo' nennen. Dabei wird ein Huhn in einem Kaefig, der in verschiedene Felder unterteilt ist, freigelassen und man schliesst Wetten darauf ab, wo das Huhn kackt. Wuerd ich gerne mal spielen. Habs dann allerdings gegoogelt, weil ich's so lustig fand und musste feststellen - das gibt's nicht nur in Texas! Das gibt's auch in der Schweiz! Einfach mit Kuehen statt Huehnern. Wir haben wohl doch mehr mit den Texanern gemein, als bisher angenommen.

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