Der Wind, der Wind... das dämliche Kind...

Trip Start May 01, 2012
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Trip End May 28, 2012

Flag of United States  , California
Thursday, May 17, 2012

Verdammt! Das ist das Wort des Tages! Und dabei wurde es für vielerlei verschiedene Dinge bzw. Ereignisse genutzt. Das wohl prägnanteste und leider auch negativste wofür wir von diesem Wort Gebrauch machten war aber ganz klar dieser unfassbar kalte, nein, EISKALTE Wind! Ein immerwährender, allgegenwärtiger und starker Wind zieht durch diese Stadt und es gibt vermutlich keinen einzigen windgeschützten Ort außerhalb geschlossener Räume, an dem man vor diesem "Sturm" geschützt ist. Zumindest kam uns das so vor!

Das Wort fand aber auch noch anderswo Verwendung - zum Beispiel in den Aussprüchen "Verdammt, Cable Car fahren ist der wahnsinn!", "Verdammt, wie steil diese Straßen stellenweise sind!" oder "Dieses Cable Car System ist echt verdammt clever!"...

Wir trafen uns morgens um 9:00 Uhr am Union Square mit Bina, Ludwig, Claudia und Michi. Die vier hatten es vom Hotel bis dort hin ja nicht weit, wir hingegen mussten um viertelnach Acht mit dem RV ein paar Kilomenter zur BART Station an der D Street fahren, dort in die zu dieser Zeit völlig überfüllte BART "S-Bahn" ein- und circa zwanzig Minuten später an der Powell Station aussteigen, von wo aus es dann zum Glück nur noch ein paar Minuten Fußweg bis zum vereinbarten Treffpunkt waren. Bewusst dessen, dass der Tag lang und kalt werden könnte, waren Bea und ich mit Rucksäcken, mehreren Schichten Bekleidung und zusätzlichen Jacken ausgestattet. So konnte der Kampf doch nicht verloren werden, oder?! Zuerst ging es mit der Cable Car zur Lombard Street, der kurvenreichsten Straße San Franciscos, die vermutlich von keinem einzigen Einheimischen je gefahren wird. Lediglich die doofen Touristen kurven sich dort hindurch! Wir stiegen die hundert Treppenstufen neben der Lombard Street hinauf, machten ein paar Fotos und stiegen dann alsbald in die nächste Cable Car ein, die uns runter zu Fisherman's Wharf brachte. Ein Besuch der historischen Schiffe hier, einiger Souvenirshops dort und ja... auch der kurze Abstecher zum "In 'n Out Burger" muss genannt werden. Diese Fastfoodkette hat lediglich drei verschiedene Burger im Angebot, presst Kartoffeln für die Pommes selbst per Hand und verwendet nur ungefrorenes Fleisch. Wir sind ja nicht so die Fastfood-Liebhaber aber die Burger waren wirklich gut und standen in keinem Vergleich zu McDonalds oder Burger King so wie man das in Deutschland kennt. In wirklich keinem! Und auch hier war das Wörtchen "Verdammt" durchaus vertreten: "Der Burger ist verdammt gut!".

Nachdem wir dann ein weiteres Mal durch den Pier 39 gewandert sind, ging es erneut mit der Cable Car durch die City. Mit der Powell-Linie fuhren wir zum Ursprung dieser witzigen Fortbewegungsmittel, dem Cable Car Museum. Wahnsinnig interessant, wie das funktioniert... durch die Stadt laufen kilometerlange Stahlkabel, die alle beim Museum von 500 PS Elektromotoren der Firma General Electric aus dem Jahre 1984 betrieben werden. Über riesige Holzräder werden die Kabel um die Kurve gelenkt. Die Cable Cars "greifen" sozusagen die Kabel und werden somit durch die Stadt gezogen. Will der Führer so einer Cable Car langsamer fahren, lässt er den Hebel etwas lockerer sodass der Schleifpunkt ein anderer ist und die Geschwindigkeit sich somit verringert. Bergab werden die Greifbacken gelöst, die Cable Car rollt somit frei nach unten und wird dann über eine separate Bremse abgebremst. Es gibt Pull-thru und Let-go Kurven... aber ganz so ausführlich will das vermutlich eh keiner wissen und falls doch, das steht sicher auch alles bei Wikipedia :-) Jedenfalls war das Museum wirklich sehr interessant, vorallem - und das muss ich noch schnell erwähnen - die Tatsache, dass die Cable Car wie sie heute existiert, erst 1984 eröffnet wurde. Die historische Cable Car wurde beim großen Erdbeben und Feuer im Jahre 1906 komplett zerstört, in den 50er Jahren gab es eine Bürgerabstimmung die zugunsten der Cable Car ausging und wie schon gesagt, seit fast dreißig Jahren rollt und bimmelt es wieder durch die Stadt. Eindrucksvoll, nicht auszudenken was San Francisco da verlorengegangen wäre! Allein schon die Fahrt mit so einem Teil ist den Besuch von San Francisco wahrlich wert! Man steigt auf, hängt meistens aufgrund von Platzmangel an so einer Haltestange dran und wird gemächlich aber auch nicht im Schneckentempo die Hügel hinauf bzw. hinab gezogen. Das macht wirklich Spaß und gehört definitiv zum absoluten Pflichtprogramm, unserer Meinung nach.

Wir verabschiedeten die Vier am frühen Nachmittag ein weiteres Mal - deren Reise gen Süden begann bereits heute, unsere ja erst am Samstag - und es war schon wieder ein Stück weit schade, sie gehen zu sehen. Gerne hätten wir noch mehr Zeit gemeinsam verbracht, aber leider geht das vom Zeitplan her nicht. Unsere Tour durch die Stadt führte uns dann abermals hinunter zum Pier 39, wo wir dann das "Aquarium of the Bay" besichtigten, welches Teil des gekauften CityPasses war. Ohne diesen Gutschein hätte es sich leider nicht gelohnt, das müssen wir an dieser Stelle ganz ehrlich sagen. Ein paar nette kleine Glasbecken mit Fischen aus der San Francisco Bay, ein paar Meter durch einen gläsernen Kanal unter dem Wasserspiegel mit Blick auf Haie, etc. und dann noch ein paar Becken wo man Rochen, kleine Haie und Seesterne anfassen konnte. Das wars aber dann auch schon - wir haben wohl keine dreißig Minuten dort verbracht.

Da wir trotz Zwiebellook - mehreren Schichten Kleidung - und vermutlich auch gerade deswegen sowohl durchgeschwitzt als auch durchgefroren waren und wir das ach so große Glück hatten, dass alle Cable Cars restlos belegt waren, mussten wir die vielen Kilometer über die Hügel der Stadt zufuß zurück zur Powell Station überwinden und froren uns dabei wahrlich den Allerwertesten ab. In der S-Bahn durften wir dann die Strecke zurück bis zu unserer Endstation stehend zubringen und sitzen nun nach einer heißen Dusche ziemlich erschöpft im Wohnmobil. Der Tag war ereignisreich, wir haben viel gesehen, schöne Gebäude, großartige Ausblicke, historische Maschinen, absolut fertige und vermutlich stark drogenabhängige Obdachlose die einen wegen jedem Blödsinn ansprechen, und und und... einerseits schon beeindruckend dies alles erleben zu dürfen, andererseits auch schade - die Stille und Einsamkeit in der Natur war schon irgendwie erholsamer.

Morgen hoffen wir auf nebelfreies Wetter, dann leihen wir uns Räder aus um über die Golden Gate Bridge zu fahren. Drückt uns die Daumen, dass das klappt!

Beste Grüße von der - uns leider etwas zu kalten und zu windigen - Pazifikküste und alles Gute zum Vatertag!


Bea & Martin
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Comments

susi on

Hallo Ihr zwei,

seit Tage hat hier keiner mehr was reingeschrieben - das kann doch einfach nicht sein, wahrscheinlich sind alle sprachlos, wenn sie sehen was ihr so alles erlebt. Wir grüßen euch wiedermal ganz herzlich aus der Heimat und drücken euch für morgen ganz fest die Daumen, dass ihr das passende Radl-Wetter bekommt. Die vier Kochler!!! :-)

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