Indonesien, Sumatra: Ab in den Jungle!

Trip Start Sep 10, 2012
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Trip End Sep 10, 2013


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What I did
Orang-Utang
Jungle Trekking

Flag of Indonesia  , Sumatra,
Tuesday, March 5, 2013

Selamat siang! (Guten Tag auf indonesisch) bzw. Horas (in der Sprache der Batak)

"Raus aus Asien - rein nach Ozeanien" hieß es am 05.03.2013, als wir den asiatischen Kontinent endgültig in Richtung Ozeanien verließen. Mit Tiger Airways flogen wir für 50 Euro in ca. 1 Stunde von Singapur nach Medan. Medan liegt auf einer der großen indonesischen Inseln, nämlich Sumatra.



Auf Sumatra, das flächenmaßig die sechstgrößte Insel der Welt ist leben 50 Millionen Menschen, wovon sich 80 % zum Islam und 18 % zum Christentum bekennen. Der Äquator überquert die Mitte der Insel und demzufolge ist es heiß, sehr heiß sogar. Sumatra ist für die Wirtschaft Indonesiens enorm wichtig, erwirtschaftet es doch 70 % des gesamten Einkommens.

In Medan der "Hauptstadt" Sumatras angekommen, besorgten wir uns zuerst am Zoll ein Visum für 25 US Dollar ehe wir den Flughafen verlassen konnten. Nach Ankunft in einem neuen Land besteht die erste Aufgabe für uns immer darin erstmal die lokale Währung zu beschaffen. Also auf zum Bankomaten! Bei einem Wechselkurs von 1 Euro = ca. 12.000 Rupien waren wir das erste mal in unserem Leben Millionäre (ein zweites mal kommt bestimmt noch!). Mit 4.000.000 Rupien (ca. 330 Euro) in der Tasche konnte das Abenteuer beginnen.

Medan ist eine der größten Städte Indonesiens und genießt eher einen bescheidenen Ruf als besonders schmutzig, stressig und laut. Wir wollten diese Stadt also schnellstmöglich verlassen und haben uns deswegen ein Taxi in Richtung Bukit Lawang mit einem holländischen Pärchen (Carlijn und Tim) geteilt. Die Fahrt dauerte ca. 2,5 Stunden und kostete insgesamt 350.000 indonesische Rupien (in etwa 30 Euro). 

Bukit Lawang ist ein sehr relaxter Ort der direkt am Rande des Dschungels und dem Gunung Leuser Nationalpark liegt. So nahe, dass des öfteren sogar die hiesigen Dschungelbewohner in Form von Affen im Dorf vorbeischauen. Direkt aus dem Nationalpark fließt ein ca. 25 Meter breiter Fluss der den Ort in zwei Hälften teilt. Um von der einen zur anderen Seite zu kommen haben die Dorfbewohner mehrere Hängebrücken über den Fluss gespannt. Im glasklaren Wasser kann man sich super abkühlen oder sich, was natürlich noch mehr Spaß macht, mit alten Traktorreifen (Tubing) hinuntertreiben lassen. Beides haben wir natürlich auch gemacht ;-) Von den Bewohnern Bukit Lawang's wird dort auch die Wäsche gewaschen bzw. wurden auch unsere Sachen vom Hotel per Hand dort gewaschen ;-) Eine mühsame Arbeit!



Berühmt wurde der anfangs kleine verschlafene Ort allerdings durch die hier noch im Dschungel vorkommenden majestätisch-anmutenden Orang-Utangs. Die rotbraunen Menschenaffen (Primaten) können bis zu 1,5 Meter groß und bis zu 90 kg schwer werden und leben heute nur mehr auf Sumatra und Borneo. Sie ernähren sich hauptsächlich von Blättern und Früchten und können ein Alter von bis zu 50 Jahren erreichen. Der Dschungel Sumatra's war mir bereits von diversen Universum Filmen bzw. anderen Tier- und Naturdokumentationen mehr als ein Begriff und ich freute mich wie ein "frisch paniertes Schnitzel" (mhmmm Schnitzel) endlich selber mal dorthin zu kommen. Aber natürlich nur mit Guide, denn man weiß ja nie was da auf einen zukommt ... haha



Es werden Dschungeltouren und Trekkings in allen Formen von 1 bis zu 14 Tagen oder noch länger angeboten und alles und jeder behauptet von sich selber Guide zu sein und will dich gleich direkt mit in den Dschungel nehmen. Als wir dort ankamen hatte unser Taxifahrer bereits einen der Guides (angeblich seinen Cousin) angerufen um uns vom Parkplatz abzuholen. Der war gleich so "freundlich" (natürlich in Erwartung eines Trekkings) und führte uns im Dorf herum und zeigte uns die Unterkünfte. Wir checkten ein paar Zimmer ab und haben uns dann für ein Doppelzimmer für sehr günstige 50.000 Rupien (4,20 Euro) entschieden. Der Zimmerpreis und die Tatsache, dass Spaghetti Bolognese im Restaurant nur 25.000 Rupien (also ca. 2 Euro) kostete, stimmte uns auf einen sehr günstigen Aufenthalt in Indonesien ein. Mhmmm Spaghetti! ... I'm lovin it! ;-)

Weil uns "Oman" vom Taxi abgeholt hatte waren wir wohl als "seine Kunden" deklariert und deshalb quatschte uns keiner der anderen Guides bezüglich Trekkings an. Nur Gras (Marihuana) oder Magic Mushrooms werden dir an jeder Ecke angeboten und der Holländer (der schon grundsätzlich einen Hang zu Drogen haben musste) meinte es wär ein Spitzenpreis und Spitzenqualität gewesen. Während des Trekkings sollten wir dann noch sehen wie und wo Marihuana angebaut wird. Aber dazu später mehr.



Am gleichen Abend nach unserer Ankunft setzten Simi, ich und die beiden Holländer (Tim und Carlijn) sich mit dem Guide zusammen und ließen uns ein Angebot für das Trekking machen. Anfangs waren wir uns alle vier einig, dass wir 3 Tage/2 Nächte im Dschungel verbringen wollten. Doch irgendwie kamen wir dann auf die Idee, dass wir tiefer hinein und länger bleiben wollten. Einfach deshalb um die Chancen von Tiersichtungen zu erhöhen. Schlussendlich entschieden wir uns für einen 5 Tage/4 Nächte Trekk. Die Kosten hauten uns allerdings ein wenig vom Hocker. Er verlangte pro Person sage und schreibe 1,75 Millionen Rupien (140 Euro). Nach längerem Verhandeln konnte ich ihn allerdings auf 1,5 Millionen pro Person herunterdrücken. Dies bedeutete aber immernoch 120 Euro, und das in einem Land wo man mit ein paar Euro pro Tag leben kann. Da es schon spät am Abend war, und wir früh morgens aufbrechen wollten, willigten wir ein und gingen ins Bett. Die großen Rucksäcke konnten wir im Guesthouse lassen und nur die kleinen leichten mitnehmen.



Am nächsten Morgen sind wir also früh raus und gleich rein in den Dschungel. Schon nach wenigen Minuten konnten wir die ersten Bewohner bewundern. Thomas Leaf Monkeys sprangen fröhlich in den Bäumen von Ast zu Ast. Wir bahnten uns den Weg auf Trampelpfaden durch den wunderschönen Urwald, mit Bäumen die schätzungsweise 350 Jahre und noch älter waren und beim Blick in die Bäume waren wir happy, als wir immer wieder die Nachtlager (Nester) der Orang-Utangs zu Gesicht bekamen. Für jede Nacht wird ein neues gemütliches Nest in den Bäumen auf ca. 10 Meter Höhe gebaut. Unser Guide versprach uns hoch und heilig, dass wir sicher Orang-Utangs sehen werden und so wanderten wir am ersten Tag zwischen ihren bereits verlassenen Nestern und den Orten an denen sie sich normalerweise aufhalten, wie zB Mangobäume, hin und her. Sie schienen jedoch wie vom Erdboden verschluckt und wir konnten sie nicht aufspühren. Kein Beinbruch! Es lagen ja noch weitere 4 Tage vor uns. Wir wanderten ungefähr 4-5 Stunden durch den schwühlheißen tropischen Regenwald bis wir unser Nachtlager an einem kleinen Fluss erreichten. Die Guides bauten das Zelt auf und begannen gleich mit dem Zubereiten des Abendessens. Wir konnten uns erstmal ein erfrischendes Bad im Fluss genehmigen und uns dann den ganzen Tieren die um uns herum waren widmen ;-)



Um unser Lager schlichen ständig Warane (große Eidechsen mit ca. 1 Meter Korperlänge) herum, kamen aber zum Glück nie näher. Als ich den Guides beim Fischen zugeschaut habe, haben Simi, Tim und Carlijn eine 1 m lange Schlange nicht weit von unserem Lager entdeckt. Ausserdem gibt es dort gigantische Ameisen (siehe Foto), Spinnen, Blutegel, Mosquitos, Frösche, Wespen, Schmetterlinge, Rieseneichhörnchen, sowie die verschiedenste Affenarten und die buntesten Vögel (Tukans) und .... und .... und! Wahnsinn! Mit einigen der Tiere, vor allem Insekten, haben wir dann im Laufe des Trekkings noch unfreiwillig genauer Bekanntschaft gemacht! In dem Dschungel gibt es auch noch das extrem seltene und akut vom Aussterben bedrohte Sumatra Nashorn. Um es zu sehen müsste man aber bedeutend weiter in den Dschungel hinein marschieren .... wir bekamen keines zu Gesicht - aber es gibt sie noch!

Wir übernachteten stets in der Nähe eines Flusses um uns selber waschen zu können, zu fischen und den Abwasch des Kochgeschirrs zu erledigen. Das Lager bestand aus einem Kochzelt inklusiver Feuerstelle und einem Schlafzelt. Die Zelte waren einfache Holzkonstruktionen die mit schwarzen Planen überspannt waren. Genächtigt wurde auf Isomatten mit Decken. Alles sehr basic, aber effizient. Während des Tages schwitzt man durch die Tropenhitze enorm und es läuft fast in Strömen von einem herunter ;-) Um genügend Flüssigkeit aufzunehmen kochten die Guides das Flusswasser ab und füllten es in unsere Wasserflaschen. Es schmeckte zwar stets ein bisschen "verbrannt", aber vom Trekking in Kambodscha kannten wir das schon! Zum Essen gabs meistens Reis oder Nudeln mit Tofu, Fisch und Huhn.



Am nächsten Tag sind wir nur ca. 2 Stunden durch den Dschungel marschiert. Da es bei großer Hitze ständig bergauf und bergab geht war es trotzdem sehr anstrengend und wir waren froh als wir im Lager ankamen. Den letzten Teil wateten wir "bloaghaxat" (barfuß) einen Fluss hinauf. Am Abend konnte ich dann die Guides endlich davon überzeugen, dass sie mich auch fischen lassen können. Mit Bambusstecken, Schnur, Haken und einem Regenwurm bewaffnet ging ich ans Werk den hiesigen Flusswelsen nachzustellen. Ich hielt die Angel in eine ganz kleine Lache abseits des Hauptstroms und tatsächlich biss einer an. Wiedermal ein "Prachtkerl" von ungefähr 10 Zentimetern. Größere hatten die Guides auch nicht gefangen und so konnte ich durchaus stolz auf meinen Fang sein! hehe! Gefischt wird übrigens im Dunklen. Die Stirnlampe benützt man nur kurz um die Angel auszuwerfen. Danach ist das Licht aus und man wartet bis etwas anbeißt. Da die beiden Guides fast schon als Kettenraucher bezeichnet werden konnten, bot sich mir ein lustiges Schauspiel. Ich hockte auf meinem Felsen, mitten im Dschungel, in kompletter Finsternis, lauschte dem Rauschen des Flusses und dennoch wusste ich stets wo die beiden waren. Die Glut der Zigaretten war stets zu sehen ;-)



An dem Tag machte ich auch die erste Bekanntschaft mit Blutegeln die es regelrecht auf mich abgesehen hatten. Einen bekam ich beim Waten im Fluss, andere ließen sich von den Bäumen auf mich fallen und wieder andere streifte ich einfach beim Vorbeigehen an Pflanzen ab. Die meisten konnte ich noch früh genug erkennen und bevor sie "ansaugten" von mir "wegsnippen". Einmal hatte sich aber ein großes Exemplar schon an meinem Bauch festgesaugt und ich brauchte die Hilfe der Guides um ihn wieder loszwerden. Die Dinger sind einfach so schleimig und damit schwer zu greifen. *würg* Ausserdem sind sie unglaublich grauslig! Fotos gibts leider keine. Den Nerv da noch ein Foto zu machen hatte ich leider nicht. Sorry! ;-) Dazu muss ich auch sagen, dass die anderen nicht so viele abbekommen hatten. Nachdem wir im Lager angekommen sind und es noch hell war, konnte ich einfach nicht still sitzen, sondern wollte die Umgebung erkunden und bei diesen Ausflügen habe ich die meisten abbekommen. Ehe wir an diesem Abend unter unsere Decken krochen, wurden am Lagerfeuer noch Geschichten erzählt, Spiele gespielt und Tee getrunken.



Dieser Zeltplatz lag auch auf einer ganz speziellen Route. Unser Guide erzählte uns, dass sich vom schier undurchdringlichen Dschungel geschützt (noch weitere Tagesmärsche von hier), ein riesiges Marihuanafeld befinden musste. Und hier kreuzten ständig Porter (Lastenträger) mit riesigen Säcken voll Marihuanablätter auf dem Rücken, die sich am Weg Richtung Bukit Lawang befanden, unseren Weg.

Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass mein am Abend zuvor gefangener Fisch weg war, höchstwahrscheinlich von einem Waran verspeist. Naja ^^ An diesem Tag wateten wir wieder barfuß einen ganz kleinen Fluss einen Berg hinauf den die Guides bisher auch noch nicht oft begangen hatten. Der Weg war mehrmals durch umgestürzte Bäume und riesige Felsen blockiert und so hatten wir unsere Mühe vorwärts zu kommen. Als wir eine dieser Blockaden durch ein kurzes Waldstück hindurch umgehen wollten kam es zu einer brenzligen Situation. Unser Guide Oman ging voraus und ich war an zweiter Stelle, dahinter kam Simi. Der Guide war ca. 10 Meter voran als ich stehen blieb und zu Simi sagte: "Boah, schau dir mal de fetten Brummer an die da herumfliegen" Es waren schwarz-rote Wespen, Bienen oder Hornissen (eher Wespen), von beunruhigender Größe. So etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen, dachte mir aber gleich, dass mit denen nicht gut Kirschen essen ist und deshalb tat ich einen Schritt zurück. Der Guide war am Nest schon vorbei und schrie mir plötzlich zu "Come on Come here!" Ich dachte: "Der wird schon wissen was er tut" und ging einen Schritt nach vorn. In dem Moment flogen mir die Biester aber schon entgegen und ich rannte barfuß durch den Dschungel an ihrem Nest vorbei. Dabei verbohrten sich zwei in meinen Unterarm, eine durchs T-Shirt hindurch in meinem Oberarm, eine durch's Kapperl in den Hinterkopf und eine in die Kniekehle. Ich rannte den Fluss hinauf, sprang von Stein zu Stein und versuchte sie irgendwie abzuschütteln bis sie glücklicherweise von mir abließen. Simi der genau hinter mir stand bekam überraschenderweise nichts ab und wartete zusammen mit den anderen flussabwärts um irgendwo einen Weg um das Nest herum zu finden. Als die Gruppe wieder zusammen war, stellte sich heraus, dass unser "super" Guide, der mich in die Wespen geführt hatte, keinerlei Medikamente bei sich hatte. Bei der Trekkingbesprechung hatte er uns noch hoch und heilig versichert, dass er auf allerlei Schlangenbisse etc. vorbereitet sei. Man kann nur von Glück sprechen, dass einer der Porter ein richtiger Dschungelmann war und sich mit Kräutern usw. auskannte. Er suchte im Wald bestimmte Blätter, zermalmte sie in der Hand und presste sie auf meine Wunden. Er erhitzte seinen Daumennagel und presste ihn auf die Stiche und versuchte so das Gift herauszuziehen. Zusätzlich regte er mein Lymphsystem an und ich trank innerhalb von einer Stunde 3 Liter Wasser um das Gift aus meinem Körper zu spühlen. Die Guides waren sehr aufgebracht und stritten untereinander.



Später erzählten sie mir, dass schon Leute von diesen Wespen um die Ecke gebracht worden sind. Die beiden Holländer hatten Schmerztabletten dabei - die ich gleich eingeworfen habe. Naja, alles in allem eine Erfahrung auf die ich gerne verzichtet hätte. Es gab da aber noch ein kleines zusätzliches Problem. Wie schon beschrieben waren wir ja barfuß unterwegs und ich trug meine Trekkingschuhe in der Hand. Als ich die 3 Wespen auf der rechten Hand hatte fuchtelte ich natürlich wie wild herum um sie abzuschütteln und dabei verlor ich meine beiden Schuhe leider Gottes genau in der Nähe des Nestes. "Kacke - die sind verloren", dachte ich! Dabei wurden sie von den Wespen wohl als Art Diebesgut betrachtet, denn sie besetzten die Schuhe als wären sie ihr Eigentum. So eine Scheiße! Wie und vor allem wer sollte die Schuhe da wieder rausholen? Nun hieß es Freiwillige vor .... ! Bis sich einer der Guides (der mit der Dschungelmedizin) bereit erklärte sie da rauszholen. Ich gab ihm meine Salewa-Regenjacke mit Kaputze in die er als Beinschutz noch große Blätter hineinschob. So machte er sich auf gegen die Wespen um meine 25 Euro Trekkingschuhe vom Schwarzmarkt in der Mongolei zu kämpfen - hehe! Er ging ganz langsam rein und nach kurzer Zeit kam er, verfolgt von den Wespen, im Vollsprint wieder heraus. In der Hand hatte er aber leider nur einen Schuh, welchen er sogleich ins Wasser schmiss um anschließend die Wespen abzuschütteln. Ich weiß auch nicht wieso, aber irgendwie konnte er nur einen erwischen. Also musste er nach kurzer Pause wieder hinein. Den zweiten Schuh eroberte er dann im gleichen Schema zurück ;-) Danke nochmals Pi-Ai an dieser Stelle! ;-)



Leider waren wir an diesem 3.ten Tag noch ziemlich weit weg von unserem Nachtlager, denn aufgrund der Stiche/Bisse war mir doch schwindlig und ich fühlte mich nicht gerade topfit. Ich dachte eher ans niederlegen .... Aber es musste weitergehen und so machten wir uns auf, den sogenannten "Pussy-Mountain" (sehr treffend) zu ersteigen. Es war rutschig, extrem heiß und vor allem der Biss am Hinterkopf pochte gewaltig. Wir mussten uns ständig mit den Händen nach oben ziehen, wobei ich meinen rechten Arm nicht wirklich einsetzen konnte. Da ich nichts zu kühlen hatte, schwoll er gewaltig an und es dauerte 1 Woche bis er wieder Normalzustand erreichte. Nach 1 Stunde hatten wir den "Gipfel" erklommen und es dauerte weitere 2 Stunden bis wir im Lager ankamen. Ich nahm ein Bad im Fluss, zog mir alles an was ich an Klamotten dabei hatte (um vor Mosquitos und sämtlichen anderen Getier geschützt zu sein) und legte mich anschließend schlafen. An diesem Abend im Zelt habe ich Gott gedankt, dass es nicht schlimmer ausgegangen ist und ich nochmal glücklich davon gekommen bin. Von diesem Moment an, habe ich meine Ausflüge in die Umgebung des Zeltplatzes vorerst eingestellt. Ich hatte keine Lust mehr auf weitere unangenehme Überraschungen ;-)



Am nächsten Tag waren wir dann wieder auf der Suche nach den Orang-Utangs. Wir befanden uns wieder in der Umgebung in der wir uns auch schon am ersten Tag herumgetrieben hatten. Wir waren also einfach eine größere Schleife durch den Dschungel marschiert. Doch leider konnten wir auch an diesem Tag keine Orang-Utangs entdecken. Wir hatten allerdings einen super Ausblick über den Regenwald als wir den höchsten Punkt unseres Trekkings erreichten. Von dort kann man normalerweise auch den "Gunung Leuser" (Gunung heißt Berg) sehen. Leider verdeckten uns heranrückende Nebelschwaden den Blick und kurze Zeit später fing es wie aus Kübeln an zu regnen. Ein richtiger tropischer Regenguss prasselte auf uns nieder und Simi und ich verpackten unsere Sachen schnell in unsere wasserdichten Behälter und zogen die Regenjacken an. Da ich für fünf Tage nur eine Hose dabei hatte, zog ich auch gleich noch meine Badehose an. Da zahlt es sich aus, gut ausgerüstet zu sein, dachte ich ... yeah! Sogar der Guide blickte mich an und sagte: "Sebastian ... for you, everything is so easy" Alles wasserdicht verpackt, Kamera wasserdicht, geht dahin - kein Problem! ;-) So marschierten wir im sich langsam bildeten Schlamm noch 2 Stunden dahin ehe wir unseren Zeltplatz erreichten. Das blöde war nur, dass er auf der anderen Seite des Flusses lag und der aufgrund der heftigen Regenfälle immer stärker anschwoll. Einer der Guides wollte mich mit einem der Traktorreifen, mit den wir später den Fluss hinunter geraftet sind, hinübertransportieren. Ich sagte ihm, dass ich ein Kastaniendorfer bin und a richtiger Köstendorfer kann da schon durchwaten und lehnte dankend ab ;-)






Und so erreichten wir, zwar völlig durchnässt, aber glücklich unseren letzten Schlafplatz. Nachdem wir uns die trockenen Sachen angezogen hatten, trockneten wir beim Lagerfeuer schön langsam auf und konnten einen wunderschönen dampfenden tropischen Regenwald bestaunen. Er war so wie man sich einen richtigen Dschungel vorstellt und ich war echt beeindruckt und happy. Wir campierten wieder an einem Fluss und waren ringsum von Hängen umgeben die dicht bewaldet waren und aus denen der Dampf des Regens aufstieg. Was für ein Bild! Der beste Dschungel bisher! Zusätzlich schwangen sich auch noch Makaken in den Ästen umher und kamen sogar nahe an unser Lager heran. Sie erhofften sich wohl Kochabfälle von uns. Wunderbar! All die Strapazen hatten sich voll ausgezahlt! Am nächsten Morgen stand dann nur noch das "Rafting" oder besser gesagt das "Tubing" an. Mit vier riesigen zusammengebundenen alten Traktor- oder evt. Flugzeugreifenschläucheen ging es den wilden Fluss hinab. Die vielen Stromschnellen machten richtig Spaß. Die Guides hatten sich mit langen Bambusstangen am Anfang und Ende unseres "Bootes" positioniert um uns damit von den Felsen wegzudrücken. Pi-Ai ging dabei sogar unfreiwilligerweise von Bord. Unser Guide Oman war, nachdem wir nach 5 Tagen immernoch keinen Orang-Utang gesehen hatten, doch ein bisschen angespannt und nervös. Wir haben andere Gruppen getroffen die bereits bei eintätigen Dschungelspaziergängen mehr als 20 Tiere gesehen haben. So stoppte er das Boot und wir mussten abermals einen der zahlreichen Hügel erklimmen und nach einer weiteren Stunde intensiver Suche tauchte plötzlich eine Orang-Utang Dame gemeinsam mit ihrem Sohn vor uns auf. Was für eine Belohnung zum Abschluss des Trekkings! Wir durften sie mit Ananasstücken füttern und kamen ganz nah heran. Sehr geiles Erlebnis (siehe Fotos!!)




Dann gings wieder zum Boot und wir fuhren flussabwärts nach Bukit Lawang zurück. Wir checkten im gleichen Guesthouse ein und tranken alle gemeinsam ein Bierchen. Wir alle waren froh wieder in der "Zivilisation" zurück zu sein und konnten auf ein cooles Abenteuer zurückblicken in dem wir jede Menge Tiere, einen tollen Dschungel und viele gemeinsame lustige Stunden verbracht haben. Meine Bilanz sah folgendermaßen aus: 6 Blutegel, 5 Wespenstiche und einige Mosquitostiche - aber .... überlebt! hehe! Den Guide Oman kann ich leider nicht weiterempfehlen!



Später an dem Abend lud uns Oman, unser Guide, noch ein mit ihm in eine "Banana Bar" zu gehen. Ich wusste nicht genau was er meinte, aber er sagte wir gehen Karaoke singen und ein paar Bier trinken. Simi, Tim und ich fuhren mit 2 Indonesiern auf deren Motorrädern zu der Bar. Dort angekommen entpuppte sich das ganze als Bordell ...  na super ... 5 Tage Dschungel, Wespenstiche, Blutegel und dann landet man auch noch in einem derart schundigen Etablissement. Naja ... "machen wir das beste draus!" dachten wir uns und als wir Platz genommen hatten kam auch schon die erste Runde Bier. Unsere "Betreung" schenkte jedem kräftig nach und so leerten wir einige Flaschen. Schnell vergrößerte sich unsere Runde. Das Karaokesingen stellte sich auch als eher schwierig heraus, da durch die Bank nur indonesische Lieder gespielt wurden. Ich wollte schon ein paar mal Verschwinden als Oman immer wieder zu mir sagte: "Please not, Sebastian this is the best night of my life" Warum ... das stellte sich heraus als es ums Zahlen ging. Die Typen die vorher mit uns gesoffen hatten, waren mittlerweile natürlich nicht mehr da. Plötzlich standen nämlich nur mehr die drei dummen Touristen aus Österreich und Holland in der Bar und mussten die Zeche zahlen ... Da ich unserem Guide Geschichten zB von Indien erzählt habe, wo sie versucht haben an unsere Kohle zu kommen, entschuldigte er sich mehrmals und sagte: "I dont want to be like indian people". Gezahlt hat er aber trotzdem nichts ... haha! Im Endeffekt wars eh nicht viel, aber verarscht ist man sich halt wiedermal vorgekommen!



Den nächsten Tag haben wir gemütlich angehen lassen. Sind im Fluss baden gegangen und haben mit den Locals "Fußball übers Netz" gespielt. Am Abend waren wir dann bei Pi-Ai (einem der Guides) gegen 4 Euro pro Person zuhause zum Essen "eingeladen". Es gab Reis, Tofu und Fisch. Wir aßen am Boden und schauten uns anschließend die Fotos und Videos des Trekkings an. Ein schöner Ausklang und diesmal endete der Abend ohne Banana Bar ;-)



Am nächsten morgen saßen wir schon im Bus zu unserem nächsten Ziel. Es hieß Lake Toba und Samosir Island. Inmitten eines bereits erloschenen Vulkankraters hat sich ein Süßwassersee mit einer Insel gebildet. Wenn man bedenkt, dass bereits Sumatra selber eine Insel ist befanden wir uns also auf einer Insel auf einer Insel ;-) Der Ort liegt auf ca. 900 Meter und das Klima war bedeutend angenehmer als noch in Bukit Lawang. Man kann es mit einem heißen Sommertag bei uns vergleichen. Das Seewasser ist glasklar und angenehm warm. Eine super Urlaubsinsel also! Obwohl der Ort touristisch hoch entwickelt ist, sind fast keine Touristen da! Und so gibt es total günstige Unterkünfte und Restaurants. Das war genau das richtige nach dem anstrengenden Trekking und deshalb ließen wir es uns so richtig gut gehen. Für ein super Doppelzimmer im traditionellen Batak Haus (so heißt das hier ansässige Volk) bezahlten wir nur 70.000 Rupien (ca. 6 Euro) pro Nacht. Irgendwie schaute es dort ein bisschen wie daham aus. Neben den Kirchen (die Batak sind Christen) komplettieren grüne Wiesen und eine bergige Landschaft das Bild. Wenn man die auf den Weiden grasenden Wasserbüffel mit Pinzgauer Kühen austauschen würde, wär's perfekt ;-)



An einem Tag haben wir uns einen Roller ausgeliehen und sind ein bisschen herumgedüst. Beim Retourfahren wollten wir quer über die Insel über alle Berge fahren. Zunächst war das kein Problem. Die Straße war einigermaßen vorhanden und es ging an Kaffeehainen und Reisfeldern vorbei immer weiter hinauf. Dann schlug das Wetter um und es wurde immer kälter. Die Straße hatte sich mittlerweile in eine richtige Offroadpiste verwandelt und wir waren mit unserem kleinen Stadtroller ein bisschen unterdimensioniert. Als wir endlich wieder eine Straße gefunden haben, waren 2 Stunden vergangen und es grenzt an ein Wunder, dass ich den Roller nicht beschädigt habe. Immerhin bin ich mehrmals fast bis zum Auspuff im Wasser gestanden, bin über unzählige Steine gebrettert und nach der Fahrt war er nicht mehr weiß, sondern braun ;-) Aber wiedermal hatten wir alle Warnungen der Einheimischen ignoriert und waren einfach auf eigene Faust losgefahren ... ;-)





Unser nächstes Ziel war Karimunjawa, eine Inselgruppe nördlich der indonesischen Hauptinsel Java. Um dorthin zu gelangen mussten wir allerdings einen Flug von Medan nach Semarang buchen. Leichter gesagt, als getan. Da es in Indonesien extrem viele Fälle von Kreditkartenbetrug gibt, akzeptierte Lion Air meine Kreditkarte nicht. Ich hab's tausend mal probiert und sogar bei Mastercard in Österreich angerufen, und der Raika gemailt. D'Julia in England hats auch versucht - aber alles vergeblich. Schlussendlich sind wir dann in eine Reiseagentur und die habens für uns gebucht. Die konnte ich dann wieder mit Kreditkarte bezahlen ... ^^



Unser Flug ging am 17. März früh morgens und deshalb sind wir mit einem Sammeltaxi schon einen Tag zuvor nach Medan angereist. Im Taxi war eine Frau mit einem kleinen Baby. Und was dieses Baby in dem Taxi veranstaltet hat, habe ich noch nicht miterlebt. Es muss panische Angst vor Autos gehabt haben, denn wenn es munter war schrie und plärrte es ohne Pause in einer ohrenbetäubenden Lautstärke, bevor es vor lauter Erschöpfung ermattet wieder einschlief. Ausserdem zog und riss es an den Haaren seiner Mutter. So ging das ganze ca. 3 Stunden (von 5). Auf einer Raststätte wollte die Frau mit dem Baby dann wieder ins Auto einsteigen, aber sobald sie sich auch nur 1 Meter dem Auto genähert hat, drehte das Baby wieder auf. Unglaublich. Die Mutter wusste dann wohl keinen Ausweg mehr und blieb auf der Raststätte zurück - keine Ahnung wie es für sie ohne Auto weiter ging. Mit der Postkutsche vielleicht ... ;-)

In Medan kamen wir dann spät am Abend an und suchten uns ein Hotel. Es stand uns eine kurze Nacht bevor, denn der Flug war für 06:45 Uhr angesetzt. Da das bevorzugte Hotel bereits ausgebucht war mussten wir in einem teureren Hotel einchecken. Die Nacht kostete 95.000 Rupien (ca. 8 Euro) und leider gabs dabei ein böse Überraschung. Das Doppelbett war komplett mit Bettwanzen verseucht welche auf uns herumsprangen und fröhlich unser Blut anzapften. Simi hat es besonders schlimm erwischt (siehe Fotos!). Nach 2 Stunden wurden wir wach, stellten uns sofort unter die Dusche, packten unsere Sachen und verschwanden aus diesem verlausten Zimmer. So ein Mist! Okay - wir hätten sowieso um 04:00 Uhr morgens aufstehen müssen, aber so waren wir bereits um 02:00 Uhr wieder in der Hotellobby und warteten. Leider hatten wir schon alles im Vorhinen bezahlen müssen. Schlechte Verhandlungsbasis für Rabatte ... :( Hier noch eine Warnung an alle Medan-Reisenden: Achtung vor dem Hotel Residence Medan! Bettwanzen - Bedbugs!



Das wars dann für Sumatra, zwei Wochen hatten wir hier verbracht. Wir blieben zwar in Indonesien wechselten aber die Insel. Wir flogen von Medan über Jakarta nach Semarang auf der Insel Java. Von dort ging es weiter Richtung Karimunjawa - einem richtigen Inselparadies und ein echter Geheimtipp. Später checkten wir noch Vulkane aus und taten unsere ersten Surfversuche auf Bali. Das alles gibts im nächsten Blogeintrag!

Sampai jumba! (Bis später)

bado

Indonesien war lange von den Niederlanden besetzt und so finden sich in ihrer Sprache immer wieder bekannte Wörter wie "kaputt" oder "gratis".

Falls wer indonesisch lernen möchte, hier ein paar Vokabeln:

tolong - bitte
terimah kasi - danke
Maaf - Entschuldige!
Ya - Ja
Tidak - Nein
Apa kabar - Wie gehts?
Baik Baik - gut, gut!
Nama saya - Mein Name ist ...
Saya dari ... - Ich komme aus ...
Selamat pagi - guten Morgen
Selamat siang - guten Tag
Selamat malam - guten Abend
Selamat tidur - Gute Nacht
Saya mau minun  ... - Ich möchte gerne zum trinken ...
Saya mau makan ... - Ich möchte gerne zum essen ...
das allerwichtigste: Terlalu mahal - Das ist zu teuer!
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Comments

raphaelita ;) on

he badschi i bin so sehr beeindruckt, dass du so brav blog schreibst!!!! hut ab!!!!!!!!!!!!!!!!! :) wonn kumst jetzt endlich noch latino america? hophop i wort scho auf di :)

Stefan u. Renate on

Hallo Sebastiano, vielen lieben Dank für deine total tollen Reiseberichte so sind wir stets bei dir oder besser gesagt können wir nachlesen und Bilder von der großen weiten Welt bestaunen. Speziellen Dank für die schöne Postkarte, da hat sogar unsa Postler gschaut ! Die schönste Nachricht kam gestern von deiner Familie, die uns sagte, dass du in ca. 14 Tagen "heim kommst". Wir freuen uns !!! deine Innquarter potatoes

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