Vulkan, Urwald und Wasserfall

Trip Start Jan 19, 2013
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Trip End Ongoing


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Where I stayed
Hospedaje Don Carlos
What I did
Parque Pumalin

Flag of Chile  ,
Sunday, February 24, 2013

Chaiten, 24.02.2013

So lange wie hier habe ich, glaube ich, die ganzen Wochen nicht geschlafen. Und das liegt, vermutlich, nicht am Hostel. Denn auch hier höre ich alles durch alle Wände und mein Nachbar schnarcht vernehmlich. Aber so bin ich erst kurz nach 8:00 aufgewacht und war sehr überrascht, als ich auf die Uhr gesehen habe.
Das Frühstück war o.k., aber so langsam sehne ich mich nach einem ordentlichen Brot.
Jakob war schon beim Frühstück, als ich dazu kam und so haben wir den Tag gemeinsam geplant.
Leider war das Wetter nicht gut, es hat geregnet. Aber... dieses ist ein Regenwald und es regnet hier 3500 mm im Jahr, das wäre es glatt ein Wunder, wenn ich hier ohne Regen heraus gekommen wäre. Wir haben uns dann für eine geführte Tour entschieden und das hat sich als Glücksfall erwiesen.
Zwar mussten wir auf den Guide, Nikolas Lapenn, mit dem ich vorher schon ein paar Mal gemailt hatte, ca. 1 Stunde warten, weil er mit seinem Bus eine Panne hatte und diese erst reparieren musste bevor er loskonnte. Wir haben dann den anderen Bus benutzt...
Aber Jakob und ich durften vorne neben Nikolas sitzen und Nikolas war sehr gesprächig und so haben wir eine Menge Informationen bekommen (und gegeben...;o), die wir sonst nicht bekommen hätten.
In 2008 (ich glaube, es war der 2.Mai) war hier ein Vulkanausbruch. Der Vulkan ist ca. 25 km von der Stadt (dem Dorf?) entfernt. Nikolas hat auch damals schon hier gelebt und es live miterlebt und gerne davon berichtet.
Es gab keine Vorwarnung. Es war zwar vorher schon ein französisches Wissenschafter-Team hier, aber zur Zeit des Ausbruchs waren sie bereits nicht mehr vor Ort. Aber ob sie etwas hätten messen können, rechtzeitig vorher - wer weiß... So begann es jedenfalls mit einer Serie von Erdbeben. Nikolas hat, weil er vorher schon mit Wissenschaftlern verschiedener Fakultäten zusammen gearbeitet hat, dann angefangen zu zählen und es waren 16 Erdbeben in 24 Stunden. Darunter mind. eines was als 5.4 auf der Richterskala eingeschätzt wurde.
Da war ihm klar, dass es sich um einen Vulkanausbruch handeln musste. Nur welcher Vulkan war nicht klar.
Der eigentlich Vulkanausbruch war dann nachts und insgesamt hat der Ausbruch 2,5 Tage gedauert. Der Vulkan (Chaiten) hat einen Deckel über der Lava und deshalb hat man vorher keinen Dampf und Asche etc. bemerkt. Als der eigentlich Ausbruch dann überstanden war, waren die Bergehänge der Gegend voll mit Asche. Am Vulkan selber waren in einer breiten Schneise durch den Druck sämtliche Bäume geknickt und alles verbrannt. Und in der umliegenden Gegend war zumindest eine Menge tot. Glücklicher Weise nur Pflanzen, es gab keine toten Menschen.
Und dann kam der Regen. Und der brachte dann das eigentliche Problem, weil der die Asche in den Ort gespült hat. Bis zu knapp 1m hoch wurde die Asche in den Häusern abgelagert. Zwei Häuser wurden komplett weggespült, als der normale Flusslauf durch die viele Asche blockiert wurde und der Fluss die Abkürzung durch den Ort genommen hat.
Anschließend wurde Chaiten durch die chilenische Regierung als unbewohnbar deklariert und als die Einwohner aber nicht weggehen wollten, haben sie die Infrastruktur komplett eingestellt und noch kurzer Hand das Wasser abgedreht. Das hat die hartgesottenen aber trotzdem nicht dazu veranlasst, den Ort zu verlassen. Sie haben ausgeharrt. 
Und nach 2 1/2 Jahren, nachdem eine neue Regierung gewählt worden war, wurde Chaiten sofort am Tag nach der Wahl wieder als Ort behandelt.
Allerdings ist hier bis jetzt immer noch nicht viel wieder aufgebaut. Viele Bewohner haben eben doch Chaiten damals verlassen und leben jetzt woanders. Man sieht noch viele leerstehende am Beginn zum Verfall befindliche Häuser und das ist wirklich schade, denn es ist ein schöner Ort in dieser wundervollen Natur (wenn man von dem Vulkanausbruch mal absieht).
Der Vulkan befindet sich im Pumalin-Park, der einer der Parks von Chris Tompkins ist. Das ist der Chef von Esprit oder The Northface, da scheiden sich die Geister meiner Berichterstatter ;o) Auf jeden Fall nennt Chris Tompkins wohl so ca. 50 Parks in Chile sein eigen und engagiert sich hier sehr stark.
Nikolas hat uns auf seiner Tour erst zum Vulkan gefahren, der bei dem Ausbruch einen Lavadom gebildet hat und nun zweihundert Meter höher ist als vorher. Der Berg hat verschiedenes Gestein ausgespuckt, darunter Bimsstein und Obsidian.
Die Gegend entwickelt sich sehr rasch wieder zum Dschungel, weil es hier so viel regnet und in direkter Umgebung noch intakter Wald ist, so das die Samen der Bäume hier eine neue Heimat finden. Es gibt wohl mehrere wissenschaftliche Teams, die hier mehrmals im Jahr Untersuchungen durchführen.
Alles sehr interessant und ich muss mal schauen, ob ich nicht Literatur über diese Thema finde.

Anschließend ging es zu einer kurzen Runde zu den Alerce-Bäumen. Unglaublich! Riesige Bäume, die mehrere tausend Jahre alt werden. Faszinierend.
Und alles wieder im intakten Regenwald. Dieses hier ist ein temperate Rainforest, ich weiß leider die deutsche Übersetzung nicht. Aber das sind wohl die Regenwälder, in denen es am meisten regnet, und es deshalb auch die meiste Artenvielfalt an Pflanzen gibt. Das ist wirklich wieder einmal sehr erstaunlich, wie viel Pflanzen sich hier ansiedeln. Jeder Zentimeter ist besiedelt und die Rinden der Bäume teilweise überwuchert. Selbst auf dem Trail, der teilweise mit Holzbohlen belegt ist, werden diese schon wieder mit Moosen und einer kleinblättrigen Kletterpflanze besiedelt. Und das geht hier wohl alles so schnell, das es schwierig ist, alles in Schuss zu halten. Dafür melden sich aber jedes Jahre diverse Volunteers, die hier helfen die Trails in Schuss zu halten, neue zu bauen, das Vulkangebiet wieder zugänglich zu machen etc.

Anschließend gab es noch eine Wanderung zu einem Wasserfall und einen "Ausflug" zum Strand. Direkt vor dem Strand waren einige Delfine zu sehen, die sich dort sehr lange aufgehalten haben. Ich schätze es waren ca. 6 Stück und mir schien, sie haben das was zu fressen gefunden.

Nach dem Vulkanausbruch war der Flughafen von Chaiten nicht mehr nutzbar und so haben sie die der Carretera Austral einfach an einer Stelle so verbreitert, dass dort Flugzeuge landen können. Mit einer Schranke wird der Autoverkehr gestoppt, wenn ein Flieger kommt ;o)

Auf der Tour waren fast nur Deutsche. Zwei junge Männer und ein junges Pärchen. Wir kamen natürlich ins Gespräch und ich habe mich nett mit Elisabeth unterhalten. Sie ist mit ihrem Freund schon 4 Monate unterwegs und begibt sich jetzt von hier aus in Richtung Coyhaique. Ihr Problem war, dass sie einen Lonely Planet von 2003 in Gebrauch hat und das war vor dem Vulkanausbruch. D.h. alle beschriebenen Annehmlichkeiten, wie jede Menge Hostels, eine Bank etc. sind nicht mehr vorhanden. Sie wollte aber hier Geld abheben und es gibt hier aber nur einen Geldautomaten.
Sie hatte mich vorher schon gefragt, ob ich nicht zufällig einen Argentinien-Reiseführer übrig habe, was ich bejaht habe. Seit Chile Chico nehme ich den immer wieder mit, obwohl ich ihn nicht mehr benötige, denn ich werde sicher in Chile bleiben. Ein paar Mal hatte ich auch schon überlegt, ob ich ihn im Hostel zurück lassen sollte, aber so hat er seine Bestimmung gefunden ;o)
Und ich hatte ihr noch gesagt, dass ich, sollte sie am Geldautomaten kein Geld bekommen, ihr gerne etwas leihen kann. Ich habe vor diesem Track für die Carretera Austral so viel chilenisches Geld zusammen getragen, weil ich nicht wusste, wie hier die Abhebe-Möglichkeiten sind und weil die Reiseführer sagen, man soll genügend Geld dabei haben. Also, ich habe jedenfalls bei Weitem zu viel Bargeld dabei.
Und so saß ich mit Jakob im Restaurant, als die Beiden hereinkamen. Sie hatte tatsächlich kein Geld aus dem Automaten bekommen und ihrem Freund hatten sie schon in Santiago alles geklaut, was man so benötigt. Also habe ich Ihnen 60.000 CLP gegeben, die ich vorsichtshalber schon mit ins Restaurant genommen hatte.

Dann habe ich weiter mit Jakob über alles Mögliche geredet. Wir hatten heute "anstrengende Themen", wie Sterben, Tod, Religion und so.

Und nach einer Weile habe ich ihn dann gefragt, ob er wohl meint, dass die Beiden mit den 60.000 Pesos nach Coyhaique kommen. Nee, sagt er da, auf keinen Fall. Also haben wir beide das kurz durchgerechnet und das Busticket kostet pro Person schon 24.000 Pesos. Also hatte ich ein wenig ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht möchte, dass die Beiden sich Sorgen machen müssen, wie sie nach Coyhaique kommen, wenn ich doch genügend Geld dabei habe...
Also bin ich nochmal zum Hostel, habe mir dort erklären lassen, wo das Hostel der Beiden ist und habe den Beiden in Begleitung von Jakob nochmal 60.000 Pesos vorbei gebracht. Damit müssten sie es nun auf jeden Fall schafffen und ich bin sicher, ich bekomme mein Geld zurück, sobald sie zurück in Deutschland sind.
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Comments

Natalja on

Ich will da hin! Ist das hübsch!!!

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