Glück im Unglück

Trip Start Jan 04, 2012
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Trip End Jun 28, 2012


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Flag of Australia  , Western Australia,
Wednesday, March 21, 2012

Beim Weihnachtsmann zu Hause. Das war noch mal rund 60 Kilometer von Ravensthorpe entfernt und mitten im australischen Busch. Mal eben mit dem Fahrrad zum nächsten Bäcker radeln war hier definitiv nicht angesagt. Ein schnukkeliges kleines Haus, mit vier reparaturbedürftigen Fahrzeugen im Hof und zwei Wohnwagen vor der Haustür. In einem von selbigen lebten die beiden Belgier, übrigens aus dem deutschsprachigen Teil von Belgien. Ich hatte die Wahl zwischen dem anderen Wohnwagen und dem Gästezimmer im Haus, für welches ich mich auch schnell entschied. Nachdem ich meinen Rucksack abgelegt hatte und Marion einen kurzen Wasserstandsbericht gegeben hatte, denn ich wollte ja schließlich unbedingt eine Woche später im 4000 Kilometer entfernten Melbourne sein, wurde mir direkt ein kühles Bier in die Hand gedrückt und mitgeteilt, dass heute Abend ein BBQ ansteht. Ein Grinsen hellte, ich glaube das erste Mal an diesem Tag, mein Gesicht auf und zwei Stunden später war ich zumindest für kurze Zeit von meinen Sorgen abgelenkt. Colwyn, so hieß meine Gastgeber verteilte später noch Johnny Walker – Cola Dosen und wir aßen, im Teich neben dem Haus lebende, selbst gefangene Flusskrebse. Wirklich sehr angenehm nach zuvor vier Wochen Reise im Van. Ich fragte kurz an wie er die Lage um mein trautes Heim einschätzen würde aber er wollte sich zu keiner Prognose hinreissen lassen bevor er den Van nicht in Augenschein genommen hatte. Es könne alles sein, von lediglich Heuschrecken, von denen ich am Tag vorher maschinengewehrfeuerartig (:D cooles Wort ;)) beschossen worden war, die den Kühler verstopft haben, über eine kaputte Zylinderkopfdichtung, bis hin zu einem Riss im Zylinder- oder sogar Motorblock. Also wurde diese Nacht im Ungewissen verbracht und überlegt wie ich zur Not, falls die Reparatur länger dauern sollte nach Melbourne kommen könnte. Denn das Schlimmste was ich mir zu der Zeit ausgemalt habe war, dass Marion am kommenden Sonntag alleine in Melbourne am Flughafen steht.

Am nächsten Tag hiess es dann der Wahrheit ins Auge blicken. Nach rund zwei Stunden Wagen auseinander nehmen gab es dann eine schlechte und eine gute Neuigkeit. Die schlechte: die Zylinderkopfdichtung hats zerlegt, eine neue muss her und der Zylinderkopf plangeschliffen werden. Die gute: wahrscheinlich wird das Ganze rechtzeitig fertig, sodass ich am Samstagabend in Melbourne sein könnte. Ein paar Telefonate wurden getätigt, die Dichtung bestellt und der Zylinderkopf von Colwyn höchst persönlich, super nett!!!, in die nächste große Stadt (rund 200km entfernt)gefahren zum Schleifen und wieder gebracht. Am nächsten Tag konnte das Zusammenbauen wieder losgehen und gegen Nachmittag lief der Wagen und schnurrte wie ein kleines Kätzchen ;)!! Es lohnte sich nicht mehr Abends noch los zu fahren und so genoss ich noch ein drittes, letztes Mal die herrliche Gastfreundschaft von Colwyn und Gretta bevor ich am nächsten Richtung Melbourne aufbrach.

Zwar waren die drei Tage total über, ich hätte mir eine Menge Geld, Nerven und Zeit sparen können, wär mein Wagen nicht in die Wicken gegangen, aber im Endeffekt hatte ich im gewissen Maße noch Glück. Wo treffe ich sonst einen Mechaniker, der mir für drei Nächte kostenlos sein Gästezimmer und Verpflegung anbietet und sich so für mich einsetzt, dass er den Wagen schnellstmöglich fertig hat. Ausserdem will ich mir gar nicht vorstellen, dass mir das Ganze zwei, drei Tag später passiert wäre. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die Heizung Wasser verloren hat und er deswegen überhitzt ist. Wär das Kühlwasser auf der Nullarbor, einer 2000 km langen Wüste, die zwischen mir und Melbourne lag ausgegangen, hätte ich von dort bis zur nächsten Werkstatt geschleppt werden müssen. Nicht nur die Kosten, die da auf mich zu gekommen wären, sondern auch die Zeit, die das Ganze in Anspruch genommen hätte wären echt der Horror gewesen. Also alles in allem, noch einmal Glück im Unglück.

Cya…
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Comments

Mechthild on

Super, mal wieder was von dir lesen zu können. Am Telefon gabs ja immer nur die Kurzfassung. Also, die australische Mentalität ist ja wohl was Besonderes! Ich glaub nicht, dass solche Gastfreundschaft in Deutschland weit verbreitet ist. Liebe Grüße

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