Besuch bei meinem Worldvision Patenkind

Trip Start Jul 25, 2007
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Trip End Dec 20, 2007


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Flag of Senegal  ,
Friday, December 14, 2007

Da bin ich wieder. hab Jean Simon dann doch noch erreicht und auch die Geldprobleme geloest. Allerdings konnte er nicht bleiben, weil er eine Gruppe italienischer Besucher nach Dakar begleiten musste und weil ausserdem gerade seine Frau zu Besuch ist, die normalerweise in Italien lebt. Und von deren Existenz ich erst auf Nachfrage angesichts des Eherings erfahren habe. Maenner... 

wie auch immer, ich bin Montag nachmittag dann zurueck nach Kolda gefahren und hab mir dort ein Hotelzimmer genommen. am naechsten Morgen wurde ich so um halb neun von einem Fahrer von World Vision abgeholt und erst mal ins Buero gebracht. war ganz interessant, sich da mal umzusehen. die Leute waren alle supernett und erstaunlich unkompliziert, ausserdem war noch der Direktor von Worldvision Senegal zufaellig am gleichen Tag zu Besuch, und der sprach fliessend deutsch. der fand es natuerlich auch interessant, bei einem Patenbesuch dabei zu sein, also ist er mit seiner Delegation erst mal mit uns ins Dorf gefahren.

Vorher waren wir noch auf dem Markt. Weil ich natuerlich keine Lust hatte, 5 Monate lang irgendwelche Geschenke mit mir rumzuschleppen, hab ich die Leute gefragt, was ich denn wohl vor Ort kaufen koennte. Und so haben wir uns dann mit einem Zentner Reis, einer Palette Seife, ein paar Roecken, T-Shirts und Schuhen auf den Weg gemacht.

die Ankunft war ganz schoen ueberwaeltigend: da standen bestimmt 200 oder 300 Leute rum, die wie verrueckt klatschen und "Godmann, Godmann" skandierten - offenbar war da irgendwas bei der Weitergabe meines Namens schief gelaufen... dazu gabs Trommelmusik: die Frauen schlugen mit Stoecken auf Kalebassen, die in Wasserbottichen schwammen. macht ne super Resonanz.

das Ganze war so verwirrend, dass ich erst mal ne Weile brauchte, bis ich mein Patenkind ueberhaupt entdeckt hatte. in einem schicken Kleid und Perlenschnueren in den Haaren. Zur Ueberraschung aller Mitabreiter war die gar nicht so schuechtern wie wohl sonst ueblich, sondern hielt sich direkt an meinem T-Shirt fest und blieb an mir dran. Irgenwann hab ich ihre Hand genommen, und die hat sie dann auch fuer den Rest des Tages nicht mehr losgelassen.

als waere das alles nicht schon genug der Aufregung, musste ich dann noch spontan eine Rede reden (die von einem WV-Mitarbeiter uebersetzt und anscheinend noch ordentlich ausgeschmueckt wurde - jedenfalls dauerte die Uebersetzung immer 5 Mal so lange wie mein Satz) und zur Kroenung zu den Trommelbeats afrikanisch tanzen. Naja, half nix, da musste ich durch.

dann hab ich meine Geschenke ueberreicht und auch Geschenke von denen bekommen: ein komplettes afrikanisches Outfit, bestehend aus Wickelrock, besticktem knapp knielangen Oberteil und Kopftuch. also so eins zum wild auf dem Kopf knoten. das ist fuer die ganz schoen teuer! ausserdem eine angemalte und mit Perlen verzierte Kalebasse, die mit Reis gefuellt war und einen geschnitzten Hirtenstock, einen Maiskolben, Erdnuesse und noch mehr Getreide. das sind wohl die traditionellen Geschenke. ich war ganz schoen ueberrascht. spaeter hielt mir ein Baby noch eine lecker angesabberte Kette hin, die mir umgelegt wurde, und als ich sie spaeter zurueckgeben wollte, meinten sie, das sei auch noch ein Geschenk. passte zufaellig auch noch perfekt zum Outfit. und ist inzwischen gruendlich gewaschen :-)

Auf einmal wurde mir ein wild flatterndes Huhn vor die Nase gehalten: es ist dort Tradition, dass man dem Gast vorher zeigt, was man ihm zu essen geben will. sehr praktische Tradition, weil ich so Gelegenheit hatte, zu sagen, dass ich kein Fleisch esse und somit das arme Huhn am Leben bleiben soll. Hatte ein bisschen Sorge, dass die da zu meinen Ehren irgendein fuer sie kostbares Tier schlachten und dann brueskiert sind, wenn ich nix davon esse. Also hab ich dann was aus Suesskartoffeln, Zwiebeln und Eiern bekommen, das wirklich lecker war.

vorher haben wir aber mit dem auto noch eine kleine Tour gemacht und uns angesehen, was mit Hilfe von World Vision in dem (relativ neuen) Projekt schon gemacht wurde: ein Kindergarten mit Spielplatz und richtigen Moebeln, ein Schulanbau und eine Schule fuer Gehoerlose. das soll wohl eine integrative Schule werden, in der behinderte und nichtbehinderte Kinder zusammen lernen - eine echte Raritaet, wo doch normalerweise die behinderten Kinder kaum eine Chance haben, ueberhaupt eine Ausbildung zu erhalten.
Ein anderer Schwerpunkt ist wohl die Aufklaerung zum Thema Maedchenbeschneidung (sprich Genitalverstuemmelung). laut dem Direktor duerfte mein Patenkind auch zu den Opfern dieser "Tradition" gehoeren, aber sie hoffen, in naher Zukunft soweit zu sein, dass Tackos juengere Schwestern verschont bleiben.

nach dem Essen hab ich dann noch ein bisschen in der Schlaf-Huette der Familie gesessen. eine Rundhuette aus unverputzten Steinen mit einem Strohdach. Moebliert mit zwei Nachtlagern auf Bambusgestellen, jeweils eins fuer die beiden Frauen von Tackos Vater und ihre Kinder.
Tackos Mutter ist auch nicht ihre leibliche, sondern eine Frau, die keine eigenen Kinder haben konnte. also hat eine andere Frau ihr eine ihrer Toechter geschenkt. Fuer uns schwer vorstellbar, aber hier durchaus ueblich. Normalerweise geschieht das innerhalb der engsten Familie, und das ist fuer die gar kein so grosser Schritt, weil man die Schwestern der Mutter ohnehin ebenfalls als Muetter des Kindes betrachtet.

am spaeten Nachmittag wollten die WV-Mitarbeiter dann langsam wieder zurueck, also haben wir uns verabschiedet. das war echt nicht so einfach... das Maedel ist wirklich ne super Suesse, und dann hat sie auch noch angefangen zu heulen wie ein Schlosshund. ganz schrecklich. aber ich konnte ja nicht ewig da bleiben, und auf das Angebot der Familie, fuer ein paar Tage da zu bleiben, wollte ich dann doch nicht eingehen. Haette ich auch gar nicht gedurft. WV schreibt vor, dass Paten und Kinder sich nur unter Aufsicht der Mitarbeiter begegnen. Sicherheitsmassnahme. man muss auch ein Fuehrungszeugnis vorlegen, wenn man den Besuchsantrag stellt.

Die Leuten meinten dann noch, es sei schade, dass so selten Paten zu Besuch kaemen. also, alle, die ihr Patenkinder habt: so ein Besuch lohnt sich echt!! die freuen sch nen Wolf, und ich finds schoen, zu wissen, was das fuer ein Mensch ist, dem ich da meine Kohle schicke.
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