Zurueck in der Casamance!

Trip Start Jul 25, 2007
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Trip End Dec 20, 2007


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Flag of Senegal  ,
Saturday, December 8, 2007

Bonjour aus Ziguinchor!
hach, ist das schoen, wieder hier zu sein. Keine Frage, Mali ist ein interessantes, faszinierendes Land, in dem es viel zu sehen gibt, aber mal im Ernst: fuer mich ist das nix. der Staub, der Dreck, die krasse, omnipraesente Armut, die eher introvertierten Leute und alles ist irgendwie beige-braun. Mali ist ein Land fuer einsame Woelfe und so, der Rheinlaender an sisch ist hier besser aufgehoben. Wusstet Ihr uebrigens, dass es von "loss mer fiere" eine franzoesische Schnulzenversion gibt? und zwar so schnulzig, dass ich ne Minute lang vor mich hinsummen musste, bis ich drauf kam, zu welchem Lied die Melodie gehoert. lief eben im Hotel gegenueber. ueberhaupt laeuft hier immer und ueberall Musik, und hier auch wieder Sachen, die man kennt. Gerade Phil Collins.
Ich mag die Casamance. Der Himmel im klarsten himmelblau, das man sich vorstellen kann, darauf kitschige Woelkchen wie gemalt, die Natur ueberbordend gruen, gruen, gruen in allen denkbaren Schattierungen, der Sonnenuntergang perfekt und gluehendrot und ueberall kleine Seen und Fluesse. die Leute sehen permanent aus, als waeren sie auf dem Weg zu einer Disco oder alternativ zu einer Hochzeit, und die haben oeffentlich Spass!
Nico meinte im Zug, sie haette in der ganzen Zeit in Mali keinen auf der Strasse mal so richtig lachen sehen. kann ihr hier nicht passieren, hier gackern und groehlen alle staendig. Oder sie joggen, das ist echt bemerkenswert. Gestern auf der Fahrt hierher hab ich bestimmt 100 Jogger gesehen. ganze Fussballmannschaften, Paerchen, Maedchen mit Kopftuch zum Jogginganzug, eine Gruppe Kinder...
ich hab hier nur gerade zwei kleine Problemchen: zum einen kann ich Jean-Simon nicht erreichen, zum anderen hab ich keine Kohle mehr, weil ich verdraengt habe, dass bei meiner Ankunft hier bereits Wochenende ist. Vielleicht hab ich auch eher verdraengt, dass ich an meinem letzten Tag in Mali ueber 100 Euren in diesem wunderbaren Kunst- und Schmuckladen gelassen habe (der ghoert einer Amerikanerin, so dass die Angestellten einen in Ruhe gucken lassen, ohne einen mit dummem Gelaber direkt wieder zu vertreiben). wie dem auch sei, das eine ohne das andere waere nicht weiter dramatisch, aber die Kombination ist irgendwie doof. Zumal ich mein Hotelzimmer eigentlich im Voraus bezahlen muss. worueber sich aber sicher reden laesst. der Koch im Hotelrestaurant hat sich selbstloserweise schon bereit erklaert, mir auszuhelfen. allerdings hat er sich mir auch schon als neuen Lover angeboten, weshalb ich lieber eine andere Loesung finden wuerde.

Jetzt laeuft Westlife. Naja, alles hat Vor- und Nachteile. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich jetzt fast 1000 km weiter westlich, aber immer noch in der glichen Zeitzone bin, und das heisst, dass es erst gegen 7 statt wie bisher immer um 6 dunkel wird.

aber ich wollte ja eigentlich ueber die Reise hierher schreiben. die Fahrt mit dem Zug Bamako-Dakar. das ist eins dieser Sachen, die "man" hier gemacht haben muss. der Zug faehrt ein Mal die Woche,wenn man Glueck hat. Theoretisch Mittwoch morgens, praktisch koennte es jederzeit losgehen. ich hatte aber Glueck, die Abfahrt war fuer Mittwoch abend 19.30 angesetzt. bis es dann losging, war es neun, aber das ist hier durchaus noch ein Rahmen, in dem man von puenktlicher Abfahrt sprechen kann.

ich hatte beim Ticketkauf dem Mann am Schalter erzaehlt, dass zwei andere Deutsche mit im Zug fahren, woraufhin er direkt meinte "Nico und Stefan? willst Du in der gleichen Kabine schlafen?" ein Problem weniger, der Zug ist beruechtigt fuer Diebstaehle, und mit mehreren kann man sicherstellen, dass einer immer beim Gepaeck bleibt. Ueberhaupt war der Ticketkauf kein Problem. der LP warnt vor chaotischen Szenen, stundenlanger Wartezeit und Mangel an Wechselgeld, aber als ich hinkam, wars vollkommen leer und der Typ sehr zuvorkommend.
unsere Kabine haben wir uns dann noch mit David aus Frankreich geteilt, das war nett. und wir hatten fast unsere Ruhe, im Gegensatz zu den beiden Daenen nebenan. die hatten zwei afrikanische Mitreisende, die zum einen stark rauchten; zum anderen in den anderen Abteilen zahlreiche Bekannte hatten, die gerne nachts zu Besuch kamen. und am Ende mussten sie sogar noch ihre Kabine raeumen, weil die senegalesischen Sicherheitsleute, die an der Grenze einstiegen, die haben wollten. Es gibt Situationen, in denen ich ausnahmsweise nichts dagegen habe, einen Touristen-Sonderstatus zu haben.

es gab vier Betten in der Kabine, wir Maedels haben die oberen beiden belegt. die Matratzen hatte man kurz vorher reingebracht: zerfetzte Stuecke siffigen Schaumstoffs, lecker. allerdings gabs tatsaechlich Laken dazu. ich hab dann aber doch lieber noch mein eigenes darueber getan. die Matratzen lagen auf einer Metallplatte, die allerdings mehrere rechteckige Loecher hatte. jeweils so 30x50 cm oder so. es war also nachts nicht ganz einfach, Hueften, Schultern und Kopf so zu platzieren, dass man nicht mit dem Kopf nach unten durchhing oder mit den Knochen auf die Kanten knallte.

die Fahrt war relativ eintoenig. staendig wurde an irgendwelchen Bahnhoefen gehalten, wo man dann aus unerfindlichen Gruenden stundenlang rumstand, waehrend draussen unermuedlich die Verkaeuferinnen plaerrten. total bekloppt: die verkauften immer das Gleiche! an einem Bahnhof verkauften alle Yams, am nachsten alle Zwiebeln, am naechsten alle Tomaten. warum koennen die da nicht ein bisschen variieren? und wieso gabs keine Kekse und keine frischen Getraenke? ich werd das hier nie verstehen. Immerhin hatte man bei den vielen Stops zwischendurch die Moeglichkeit, sich ein bisschen die Beine zu vertreten.
Das Warenangebot deutet aber schon darauf hin, dass hier wie ueblich im Zug gekocht wurde. die Muttis bauten einfach irgendwo ihre Kohleoefchen auf und fingen an zu brutzeln. ist ja mal ganz nett sich anzusehen, aber ehrlich: ich war froh, wieder in meine gerucharme, biomuellfreie 1.Klasse-Kabine zurueckkehren zu koennen.

in Mali gibt der Zug ganz schoen Gas, jedenfalls kommt es einem so vor, weil alles uralt und klapperig ist und die Gleise sich auch in einem teilweise erbaermlichen Zustand befinden. in der ersten Nacht hatten wir die meiste Zeit einen Dreivierteltakt, und dazu schwankte das Ganze wie verrueckt -  ein Gefuehl (und Geraeusch), als wuerde man bei vollem Galopp in einer Kutsche durch kurvige Waldwege preschen. Dafuer ist er dann im Senegal so langsam, dass man bequem nebenher laufen kann.

die Landschaft, durch die wir fuhren, war wirklich schoen, bei Gelegenheit muss ich mal noch ein paar Bilder hochladen. erstaunlich gebirgig ist es im Westen Malis, und zwischendurch tauchen dann immer wieder traditionelle Doerfer  an der Strecke auf. man fragt sich echt, wie Menschen da im Nirgendwo leben koennen. geht aber anscheinend ganz gut.

durch die Verspaetung von 12 Stunden kamen wir in Tambacounda morgens um halb sechs an, was mir ganz recht war, weil ich mir so das Geld fuer eine Nacht in einem Hotel in Tamba sparen konnte. Statt dessen konnte ich mich direkt auf die Weiterreise nach Kolda machen. die beiden Daenen stiegen auch in Tamba aus, die waren aber schon weg, als ich meinen Kram zusammen hatte. Haette ich ja eigentlich schon gedacht, dass die auf mich warten, statt mich mutterseelenallein da im Dunkeln stehen zu lassen... aber wat sollet. Statt dessen wurde einer der sehr freundlichen senegalesischen Polizei-Typen aus dem Zug auf mich aufmerksam und sorgte dafuer, dass mir im Buero des Bahnhofs-Chefs eine Liege aufgestellt wurde, wo ich darauf warten konnte, dass es hell wurde und die Sammeltaxen in den Sueden aufbrachen. Wasser zum Waschen und Kaffee gabs auch, und so war meine Welt dann eigentlich ganz in Ordnung. Sogar eine saubere Toilette wurde fuer mich organisiert und der Taxifahrer wurde instruiert, mir ja nicht zu viel Geld abzunehmen. die sind immer so suess hier. Zwischendurch hat man zwar manchmal das Beduerfnis, die Leute darauf hinzuweisen, dass man NICHT 5 Jahre alt ist, aber ist ja nett gemeint, und ein bisschen zuviel Fuersorge ist mir lieber als zu wenig.

zunaechst hatte ich ueberlegt, direkt in Kolda zu bleiben, um mein in der Naehe wohnendes Worldvision-Patenkind zu besuchen, aber ein paar Anrufe ergaben, dass keins der (sowieso teuren) Hotels Kreditkarten akzeptiert. damit hatte sich das dann erledigt, Cash ist wie gesagt gerade Mangelware. Also bin ich weiter nach Ziguinchor gefahren. die Strasse ist komplett neu gemacht und astrein geteert, so dass die knapp 200 km incl. Stopps in unter drei Stunden zu machen sind.
als ich gestern abend dann hier ankam, hab ich erstmal gaaanz lange geduscht und war in Ruhe auf meinem sauberen, eigenen WC (betonung auf W!!). und bin dann ziemlich frueh totmuede ins Bett gefallen, drei Tage on the road schlauchen ganz schoen.

den Besuch beim Patenkind muss ich dann von hier aus organisieren. Wenn ich schonmal in der Naehe bin, muss ich ja mal sehen, was hier so mit meiner Kohle passiert.

Ach ja, an meinem letzten Abend in Bamako hab ich uebrigens mit zwei Paerchen im Hotel zusammengesessen, die mich echt beeindruckt haben. die einen waren Kanadier, sie war an die 60, er 70. die reisen jedes Jahr sechs Monate, und wenn sie in Kanada sind, cruisen sie mit ihrer Harley durch die Gegend oder gehen Backpacken in den Rockies. ihre Kinder waeren voll die Langweiler, die blieben immer zu Hause. die hatten auch gerade die Zugreise hinter sich (allerdings in die andere Richtung) und konnten mir somit ein paar Tips geben. die anderen waren Franzosen, die ich schon in Mopti gesehen hatte. die konnten leider nicht so lange weg, weil die Frau, Christine, noch in einem Krankenhaus arbeitet. aber sie reisen, wann immer es geht. sie war Mitte 60 und er 82!! ich war echt total beeindruckt, wie fit und auch wie cool und weltoffen die waren. War ein sehr schoener und amuesanter Abend, bei dem ich sogar als Dolmetscherin fungieren konnte. Also Mama: hoer auf, mir zu erzaehlen, dass ihr alt werdet!! Du hast noch mindestens 20 Jahre, um durch die Weltgeschichte zu gondeln!

Jetzt muss ich aber mal sehen, dass ich mir was (guenstiges...) zu essen organisiere und dann klaeren, ob ich jetzt noch ne zweite Nacht im Hotel bleibe oder nicht.
bis bald!
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