St. Louis

Trip Start Dec 30, 2005
1
8
9
Trip End Jan 22, 2006


Loading Map
Map your own trip!
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow
Where I stayed

Flag of Senegal  ,
Friday, January 20, 2006

Von Dienstag bis Donnerstag ging es noch mal auf Tour, diesmal nach St. Louis. Zum Glück konnten wir wieder ein Auto der Maman haben, damit geht's dann doch deutlich schneller als mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Außerdem braucht man sonst auch innerhalb von St. Louis ständig ein Taxi, und die sind dort ziemlich teuer. Überhaupt war St. Louis vergleichsweise teuer. Aber hier findet sich halt auch ein recht hoher Anteil an Touristen bzw. an hier sesshaften Europäern. Iss aber auch schön da.

Wir haben im Hotel Mermoz gewohnt, einer hübschen Bungalow-Anlage im Süden der Langue Barberie. Diese Landzunge erstreckt sich von Norden nach Süden und trennt den Senegal-Fluss vom Ozean. Im Fluss liegt die Ile de St. Louis. Um zum Hotel zu kommen, mussten wir also vom Festland über die berühmte, von Gustav Eiffel entworfene Brücke auf die Insel und von dort über eine weit weniger spektakuläre Brücke auf die Langue.
St. Louis ist die alte Hauptstadt Senegals, soll heißen, sie war es zu Kolonialzeiten. Die Insel ist noch voll von Häusern aus dieser Zeit. Leider ist vieles ziemlich heruntergekommen, wobei wohl in den letzten Jahren vermehrt alte Häuser saniert wurden, um den historischen Stadtkern zu erhalten. Immerhin ist es das, was die Touristen anlockt. Wir haben die Stadt hauptsächlich mit dem Auto erkundet, deshalb hab ich auch nicht viele Fotos gemacht.

Unsere Hotelanlage lag direkt an einem sehr schönen Strand, außerdem gabs einen Pool, in dem ich sogar mal schwimmen war. An den Preisen (19.200 FCFA incl. Touristeuer) konnte man auch als Einheimischer nichts drehen, das Hotel wird von Belgiern geführt. Aber der Typ an der Rezeption hat uns für den Preis der unteren Kategorie Zimmer der mittleren Kategorie gegeben. Das machte mehr Platz und zumindest theoretisch warmes Wasser. Was hab ich mich auf die erste warme Dusche nach 2,5 Wochen gefreut! Aber nach ungefähr drei Minuten, als ich gerade genüsslich die Haare eingeschäumt hatte, wurde das Wasser dann doch wieder kalt. Und blieb es auch für den Rest der Zeit.

Beeindruckend fand ich das Fischerviertel, südlich von der Brücke auf der Langue de Barberie. Alles ist voll mit bunt bemalten Pirogen, Netzen, anderen Fischereiutensilien und natürlich Fisch. Der Geruch ist entsprechend. Besonders auffällig ist der Fischerfriedhof. Über mehrere Hügel erstrecken sich kreuz und quer die Gräber, alles durcheinander, von kleinen Holzschildern bis zu riesigen Familiengrüften. Dekoriert ist das Ganze mit Fischernetzen, auch das ist ein bisschen befremdlich.

Auf Anhieb fand ich das alles sehr malerisch und romantisch, aber nachdem wir auch mal durch ein paar Seitenstraßen gefahren waren, die der normale Tourist nicht unbedingt zu sehen bekommt, hab ich mir das dann doch schnell anders überlegt. Die Hütten da waren nicht unbedingt vom Feinsten. Umso erstaunlicher, dass die Leute es trotzdem immer alle schaffen, wie aus dem Ei gepellt auszusehen. Strahlend weiße Gewänder, und abends wird richtig dick aufgetragen, mit Pailletten, Samt und Satin.
Aber das entspricht der Erfahrung, die ich auch schon in Dakar gemacht habe: Das Wort "overdressed" entbehrt im Senegal (oder zumindest in den größeren Städten) jeglicher Bedeutung. Du kannst in einer fliederfarbenen Abendrobe mit Paillettenstola und passenden High Heels am Laden um die Ecke einen Maggi-Würfel kaufen gehen (die kriegt man hier echt einzeln), ohne dass das irgendjemand befremdlich finden würde. Genauso würde auch ein halbtransparenter, hautenger Fummel in knallrot kaum jemanden vom Hocker reißen. Und zu alledem natürlich hochgesteckte, künstliche, gerne mit bunten Farbakzenten versehene Haarkreationen und so auffälliger Schmuck wie möglich. Ich weiß nicht wie oft ich bereut habe, aus Platzmangel kein einziges Paar spitze, hohe Schuhe eingepackt zu haben. Nur die Riemchensandalen, immerhin ein Paar mit dünnem, nennenswerten Absatz. Trotzdem fühlte ich mich oft ein bisschen underdressed, und was bitte könnte für eine Frau schlimmer sein?! Dummerweise gabs hier überall die Schuhe nur bis Größe 41, dabei wäre das SO ein guter Grund zum Shoppen gewesen!
Ich möchte hiermit also allen Ratschlägen aus den Reiseführern, zur Vermeidung von Überfällen auf Schmuck und Statussymbole zu verzichten, widersprechen. Statt dessen würde ich mich in glänzende Stoffe hüllen und mich mit nicht echten aber möglichst auffälligen Klunkern behängen. An der Hautfarbe lässt sich zwar nichts ändern, aber so sind die Chancen glaub ich am größten, nicht als dösiger Tourist (=leichte Beute) eingestuft zu werden.

Am zweiten Tag in St. Louis hab ich nachmittags noch einen ausgiebigen Spaziergang allein am Strand gemacht. Der Strand ist total schön, und mal wieder fast menschenleer. Allerdings nur fast. Ein paar Einheimische gibt´s, die dann doch die Klischees erfüllen und hinter den allein auftauchenden, weißen Touristinnen her rennen. Wahrscheinlich ist das sonst relativ Erfolg versprechend, jedenfalls war es fast unmöglich, meine Verfolger loszuwerden. Und war der eine endlich weg, kam der nächste, um sein Glück zu versuchen. Am Ende ging mir das so auf den Keks - zu dem Zeitpunkt zerrte einer links und einer rechts, um mir irgendwas zu verkaufen und mich auf dem Weg dann auch am besten gleich zu heiraten oder so - dass ich die irgendwann nur noch angebrüllt habe, dass sie sich gefälligst verpissen und mich in Ruhe lassen sollen. Leider kann ich nicht mal französische Schimpfwörter (dabei ist das doch eigentlich immer das erste, was man lernt?!), aber der Tonfall war wohl auch auf deutsch und englisch eindeutig.

Donnerstag ging's nach ein bisschen morgendlichem Relaxen am Pool zurück nach Dakar. Vorher musste aber noch ein Freund von Marius abgeholt und mitgenommen werden. Bevor wir losfahren konnten, wurden wir dort noch zum Essen eingeladen. Zunächst mal musste man über eine bestimmt 30 cm hohe Schwelle ins Haus eintreten. Wahrscheinlich die sinnvollste Art, in dieser Gegend den Sand draußen zu lassen. Dann wurden wir diversen Damen vorgestellt, von denen die eine, ältere, mit besonderem Respekt bedacht wurde. Das war dann wohl die Mutter. Die anderen waren in etwa ein Alter und hatten diverse Kleinkinder bei sich. Da es sich bei dem Bekannten um einen offensichtlich wohlhabenden Moslem handelte, vermute ich, dass das seine diversen Ehefrauen waren. Aber im Nachhinein hab ich vergessen zu fragen. Dann hieß es Platz nehmen in einem mit dicken Teppichen ausgelegten, von mit Samt gepolsterten Sitzbänken umrahmten Salon. Dazu mussten wir uns die Schuhe ausziehen. Die Wände in diesem Raum waren voll mit Fotos, Bildern, offenbar religiösen Sprüchen und Portraits von irgendwelchen senegalesischen Geistlichen. Der senegalesische Islam hat ja die Besonderheit, dass es hier Marabouts gibt, eine Art religiöse Obergelehrte, denen man sich anschließen kann wie einer Sekte, um ihrer Lehre zu folgen. Alles ein bisschen seltsam und sehr afrikanisch.
Jedenfalls wurde dann beim Ruf des Muezzins erstmal gebetet. Danach breitete ein Junge ein Tischtuch auf dem Boden aus, in dessen Mitte dann die Platte mit dem Essen gestellt wurde. Wir Gäste bekamen noch ein Höckerchen hingestellt, während die anderen Männer sich auf den Boden setzten. Gar nicht so einfach, sich in einem knielangen engen Rock so auf diesem Schemel zu positionieren, dass man die Platte mit dem Löffel erreichen, ohne zu schlabbern und natürlich nur mit rechts essen kann ohne dass die anderen dabei unter den Rock gucken können. Die Frauen saßen zum Essen übrigens im Nebenraum, da gab's keine Teppiche und auch kein Tischtuch.
Die Fahrt St. Louis-Dakar dauerte ungefähr 4,5 Stunden, dank des ewigen Staus in Rufisque und vor Dakar. Außerdem mussten wir zwischendurch immer mal wieder anhalten, weil eine Herde Kühe die Straße überqueren wollte oder sich ein Esel zum Ausruhen auf die Fahrbahn gestellt hatte.
Slideshow Report as Spam

Use this image in your site

Copy and paste this html:

Table of Contents