Tabaski

Trip Start Dec 30, 2005
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Trip End Jan 22, 2006


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Flag of Senegal  ,
Thursday, January 12, 2006

Ich sitze gerade im Büro der Familie Cisse und verdaue das Abendessen. Hier gibt's ja immer reichlich (und vor allem auch immer mit reichlich Fett), aber heute besonders, denn heute ist Tabaski. Das Opferfest der Muslime. Ein bisschen wie Weihnachten. Mal abgesehen vom Schaf, das heute morgen im Hof der Familie sein Leben lassen musste, nachdem es mir heute Nacht mit seinem verzweifelten Gebloeke den Schlaf geraubt hatte. Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass mir das Blutbad in einer christlichen Familie erspart bleibt, aber Marius' Frau Elaine ist Muslimin. Außerdem waren alle ganz heiß aufs große Fressen, Elaine's Religion war da glaub ich nur ein willkommener Anlass. Also kam heute morgen ein Typ mit nem großen Messer (sozusagen ein professioneller Schafmörder) und hat dem Vieh im Innenhof die Kehle durchgeschnitten. Ziemliche Sauerei. Das Zerlegen war dann eine Gemeinschaftsaufgabe. Den ganzen Tag gab's Schaf vom Grill. Mouton. Oder auch Mutong. ich hab Jean Simon erklärt, dass viele Deutsche Probleme mit den nasalen Lauten haben, er findet das total lustig. Mutong, Restaurang, Orangschensaft...

Jedenfalls ist das jetzt mein erster Abend im Senegal, der nicht erfüllt ist von Schafgeblöke. Direkt hier vorm Haus war eine kleine Herde "Mutongs" auf dem Mittelstreifen geparkt, zum Verkauf. die Viecher waren hier überall in der Stadt. die Leute haben sie an der Leine nach Hause geführt, zum Teil haben mehrere Leute an einem Schaf vorne gezogen und hinten geschoben, und auf Reisen letzte Woche hab ich welche gesehen, die im Kofferraum von Taxen oder auf den Dachgepäckträger der Busse geschnallt transportiert wurden. bei Letzterem hatten sie wenigstens frische Luft.

Gestern waren wir noch auf der Ile de N'Gor. Eine kleine Insel hier in der Nähe, zu der man mit einem Pirogentaxi gelangt. Sehr malerisch mit vielen Blumen, schönem Strand, tollen Häusern und einigen Kunstläden. Einen Truppenübungsplatz gibt´s auch. Und leider ein paar schäbbige Bauruinen. Also, wenn mal einer von Euch ein bisschen Kapital übrig hat: da könnte man sich ein schmuckes Ferienhäuschen hinstellen. Bei einer Art Rasta-Kommune hab ich eine Kette gekauft und mir stilecht bei der Begrüßung auf die Brust geklopft. I and I, Ihr wisst schon ;-) Wenn das Wetter gut ist (die letzten drei Tage gab's ein paar Wolken), werde ich noch mal dorthin fahren, auf dass mein weißer Hintern noch genauso rot wird wie mein Bauch.

Nachtrag: Abends sind wir ins La Scala gegangen, einen relativ großen, nett gemachten Club in der Innenstadt. Auffällig war aber eine große Zahl allein und leicht bekleidet an der Theke sitzender Mädchen und ein ebenso hoher Anteil weißer Herren aller Altersschichten. Viele davon mit Bauchansatz, außerdem viele mit Rallye-T-Shirts. 4 Tage vor der Zielankunft am Lac Rose waren offenbar schon viele Mitwirkende in der Stadt, die nach Wochen in der Wüste Ablenkung suchten. Der DJ steht im Führerhaus eines alten LKW, dessen Hupe leider noch funktioniert und gelegentlich zum Anheizen des Publikums betätigt wird. Wenn man direkt davor steht eher unlustig. Inzwischen hab ich auch meine europäischen Hemmungen beim Tanzen abgelegt, nachdem ich festgestellt habe, dass auch die Afrikaner nicht alle musikvideotauglich über den Dancefloor swingen.
Was ich sehr lustig finde: In allen Clubs, in denen ich war, gab es rund um die Tanzflächen große Spiegel. Und die Senegalesen haben auch überhaupt keine Hemmungen, sich davor zu stellen und sich selbst anzutanzen. Zum Teil standen zig Leute in Reih und Glied mit dem Rücken zur Tanzfläche und bewunderten sich selbstverliebt, ich kam mir vor wie beim DSDS-Workshop. Fehlte nur noch Detlev "D" Joost.
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