Edioungou

Trip Start Dec 30, 2005
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Trip End Jan 22, 2006


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Flag of Senegal  ,
Wednesday, January 11, 2006

Seit vorgestern Abend bin ich zurück in Dakar. davor hab ich drei Tage in Ziguinchor verbracht, eine im Dorf bei Oussouye und zwei in Cap Skirring. Außerdem hab ich ausführlich Bekanntschaft mit dem ÖPNV Senegals gemacht, war am Strand, im Meer schwimmen und hab mir natürlich auch noch den unvermeidbaren Sonnenbrand geholt. Naja, nach einem Blick in Wetter.de schätze ich, dass sich Euer Mitleid für mich diesbezüglich in Grenzen hält.
Reichlich Mückenstiche hab ich auch. Natürlich wie immer als Einzige. Wollen wir hoffen, dass Nazis dubioses Malaria-Prophylaxe-Medikament wirkt.
Aber sehr schön war's. Der Süden Senegals ist wirklich zu empfehlen. Hotels etc gibt's in jeder Preiskategorie (ich habe 6400 FCFA, unter 10 € bezahlt), dazu genialer Strand, nette Leute, viele Möglichkeiten für Ausflüge.

Aus Ziguinchor hatte ich ja schon kurz berichtet. Die restlichen Tage dort waren noch sehr schön. Interessant für mich war ein Besuch beim Markt, wo wir Gemüse für mein vegetarisches Essen gekauft haben. Jean Simon hat sich sozusagen anstecken lassen und ebenfalls fleischlos gelebt. Naja, jedenfalls für zwei Tage oder so. Gekocht hat eine Verwandte, die er angerufen hat, damit sie vorbei kommt. So viel zum Thema Rollenverteilung.
In der Stadt gibt es ein großes Denkmal für die Opfer des Untergangs der Joola, der großen Fähre zwischen Dakar und Ziguinchor, die vor ein paar Jahren wegen Überladung und mangelnder Wartung gesunken war. Damals sind ein paar tausend Leute ums Leben gekommen, darunter viele Kinder und Jugendliche. Danach gab es jahrelang keine Fährverbindung, erst seit ein paar Monaten ist die neue Willis in Betrieb. Die hab ich auch mal im Hafen liegen sehen, sieht sehr neu und modern aus. Damit bin ich aber (leider) nicht gefahren, obwohl ich mir gerne die Delphine angesehen hätte, die die Fähre um Ziguinchor herum begleiten.

Von Ziguinchor aus sind wir mit dem Taxi Brousse ins Dorf gefahren, nach Edioungou. Das liegt kurz vor Oussouye, einem größeren Ort, der in der Casamance einen Verkehrsknotenpunkt darstellt. Dort gibt es auch einen König. So genau hab ich das Prinzip mit diesem König nicht verstanden, aber ich weiß wo er wohnt...
Die Fahrt mit dem Taxi brousse war wieder Afrika pur. Immer wenn ich dachte, der Bus ist jetzt mal endlich voll, kamen noch ein paar Leute, die auch noch mit reingequetscht wurden. Die Dinger fahren ja erst ab, wenn alle Plätze verkauft sind. Es handelt sich auch nicht um Busse, wie man sie aus Europa kennt, sondern alte Mercedesbusse. Sprinter mit Fenstern und 40 Sitzplätzen sozusagen. Dann hieß es, unsere schmale Sitzbank sei für drei Leute ausgelegt, also schwang mir plötzlich der beachtliche Hintern einer Afrikanerin entgegen, die versuchte, sich auf den Sitz zwischen Jean Simon und mich zu setzen. Ihr Kind bekam kurzerhand Jean Simon auf den Schoß gepackt. So langsam wurde es ganz schön warm und die Luft wurde knapp, aber zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch "naja, immerhin hast du hier hinten einigermaßen viel Beinfreiheit." Ein sehr dummer Gedanke, ich hätte es wissen müssen. Die letzten beiden Fahrgäste durften auf einem kleinen Bänkchen vor unseren Füßen Platz nehmen, so dass ich dann endgültig festgekeilt war. Entweder donnerte bei jedem Wackeln (also ständig) die Sitzbank vor mein Knie, oder mein Knie in die Seite des Mädels vor mir. Nix für Leute also, die Körperkontakt scheuen, und eigentlich auch nicht für Leute meiner Größe. Zum Glück hieß es für uns schon nach etwa 1,5 Stunden aussteigen. So lange konnte ich mich damit beschäftigen, mir meine Mitreisenden und die schöne Landschaft anzusehen, ohne an meinen armen Rücken zu denken.
Die ganze Gegend wird durchzogen von zahlreichen Seitenarmen, den Bolongs, des Casamance-Flusses. Alles ist sehr fruchtbar, überall Palmenwälder, Felder mit mannshohem Gras, Bäume, Sträucher und bewirtschaftete Felder. Total schön!
Die letzten paar hundert Meter zum Dorf mussten wir dann zu Fuß zurücklegen. Wer schon mal mit mir auf Reisen war, weiß, dass meine Tasche garantiert immer die Schwerste ist. Entsprechend begeistert hab ich das Monster durch den Sand geschleppt. War aber nicht so weit.

Im Vorfeld war ich "vorgewarnt" worden, dass das halt Dorf sei, dass es also keinen Strom gebe (ne Taschenlampe hab ich in Ziguinchor noch schnell gekauft) und wenn ich nicht wollte, müssten wir auch nicht dort übernachten. Ich sah mich also in einer zugigen Strohhütte mit Lehmboden und reichlich "Mitbewohnern" in Form von Insekten irgendwo in der Pampa liegen. Statt dessen stand ich vor einem großen Gebäudekomplex mit diversen Höfen, dem dritten Haus der Familie. Und ein eigenes Gästezimmer mit eigenem Bad (incl. fließendem Wasser und WC) gabs für mich auch. Abends wurde dann sogar der Generator angeschmissen, so dass wir bei elektrischer Beleuchtung gekühlte Getränke genießen konnten. Soviel zum Thema Begegnung mit dem ursprünglichen Afrika :-)
Wenns Strom gibt (also eher selten), läuft auch der Fernseher. In diesem Fall eine alte schwarz-weiß-Kiste, über deren Bildschirm im Innenhof eine der so beliebten oberkitschigen Soaps flackerte. Feuer der Liebe oder so. Alte Dallas-Folgen sind auch sehr beliebt. Davor hatte sich offenbar die halbe Dorfgemeinschaft versammelt. Alle Altersschichten und Geschlechter verfolgten gebannt, wie sich irgendeine strunzdumme blonde Französin von der bösen Hexe der Serie über den Tisch ziehen bzw. von ihrem Chef auf dem Tisch flachlegen ließ. Der Vorteil dieser Serien ist, dass man sie auch vollkommen ohne französische Sprachkenntnisse versteht. Das kam mir sehr gelegen, aber vermutlich auch einigen der älteren Leute im Dorf. Da gibt´s nämlich doch einige, die nie eine Schule besucht und somit auch nie französisch gelernt haben.
Eigentlicher Grund für den Strom waren aber glaub ich die Italiener, Geschäftspartner in Sachen ätherische Öle, die dort waren. Da musste noch einiges Geschäftliches geregelt werden vor deren Abreise am nächsten Tag, und der Pastis schmeckt halt auch einfach besser eisgekühlt.
Ich hab mich lieber an den Palmwein gehalten, da kann man sich echt dran gewöhnen!

Das Dorf und die Umgebung sind wirklich total schön. Wir haben einen ausgiebigen Spaziergang gemacht, bei dem wir auch Jean Simons "eigentliche" Verwandtschaft, also die Bassene-Sippe besucht haben. Seine Oma hab ich kennen gelernt, eine wirklich sehr alte Frau, die kein Französisch spricht. Was sie allerdings nicht davon abgehalten hat, mich zuzutexten. Der Onkel ist eine Art Dorfvorstand, und so gabs erstmal eine Diskussion über die Neuigkeiten und Probleme im Dorf. Und dazu selbst angebaute Erdnüsse.
Interessant fand ich die seltsamen Hohlwege, die sich vom Bolong hoch durch die Wälder schlängeln. Die haben wohl die Nilpferde gegraben, als das Wasser noch höher stand. Nilpferde gibt's da schon seit vielen Jahren nicht mehr, aber die Wege sind geblieben.
Statt Nilpferden gab es natürlich jede Menge Haus- und Nutztiere. Hühner, Ziegen, Schafe, Esel, Enten, Katzen, Hunde... Als ich morgens aufwachte, hörte es sich an wie früher im Sommer in Eipringhausen, nur das entfernte Summen des Rasenmähers fehlte. Vielleicht war das auch ein Grund, warum ich mich da so wohl gefühlt habe.
Außerdem gab es noch einen Dorfplatz, auf dem Zeremonien und Tänze abgehalten werden, und eine Fetisch-Hütte, in der die Bombolongs, die großen Trommeln stehen und einige andere Gegenstände, die dem in der Casamance sehr verbreiteten Animismus dienen. Fotografieren durfte ich das aber nicht, das mögen diese Orte nicht. Kurzfristig hatte ich überlegt, heimlich zu knipsen, aber nachdem ich mir schon angewöhnt hatte, den ersten Schluck aus meiner Flasche als Opfer für die Ahnen auf den Boden zu kippen, wollte ich jetzt nicht doch noch leichtsinnig den Zorn der Geister auf mich ziehen.
Die Bombolongs werden übrigens sowohl für religiöse Zeremonien genutzt als auch zur Kommunikation zwischen den Dörfern. Zum Beispiel wurde durch Trommelzeichen weiter getragen, wenn jemand Wichtiges gestorben war. Heute gibt's zwar in so ziemlich jedem Kaff ein Telecentre, aber zum Teil werden die Bombolongs wohl trotzdem noch dazu eingesetzt.

Ach ja, als ich abends ins Zimmer kam, saß eine fette Spinne im Waschbecken, die ähnlich hysterisch wurde wie ich, als der Lichtkegel meiner Taschenlampe sie erfasste. Zum Glück hatte ich einen unerschrockenen Retter zur Seite, der dem Monster mit seinem Schuh den Garaus machte. Und ich hatte noch gesagt, es sei unnötig, mich zu meinem Zimmer zu bringen. Die matschigen Reste hab ich dann abends einfach hinter dem Waschbecken liegenlassen. Als ich morgens ins Bad kam, waren sie jedoch weg. Alles war blitzblank sauber. Ich tippe auf Ameisen, aber so genau weiß ichs nicht. Vielleicht auch der Dank der Ahnen für mein respektvolles Verhalten.

Am nächsten Morgen sind wir zu Fuß bis nach Oussouye gegangen, wo mir so ziemlich alle öffentlichen Einrichtungen und sonstige interessante Dinge gezeigt und natürlich zahlreiche Bekannte besucht wurden. Die erzählten uns denn auch, dass es einigermaßen unmöglich sei, ein Taxi Brousse von Oussouye nach Cap Skirring zu bekommen, wo wir im Laufe des Tages noch hinwollten.
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