Ziguinchor

Trip Start Dec 30, 2005
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Trip End Jan 22, 2006


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Flag of Senegal  ,
Tuesday, January 3, 2006

Gestern sind wir von Dakar nach Ziguinchor in der Casamance im Süden Senegals gefahren. Eine echt abenteuerliche Tour, was vor allem am desolaten Zustand der Strassen in Gambia sowie an unserem wenig Vertrauen erweckenden Gefährt lag.
Wir sind mit einem "sept place" gefahren, einem alten Peugeot-Kombi mit zwei Rücksitzbänken, so dass insgesamt Platz für sieben Fahrgäste ist. Wobei die auf der hinteren Bank sich ganz schön quetschen müssen. Ich hab ein bisschen mehr bezahlt und somit den Beifahrersitz gesichert, bei meiner Größe wäre die 12-Stunden-Tour sonst echt zur Qual geworden. Das jedenfalls ist die schnellste Variante des öffentlichen Personentransports im Senegal, vom Flugzeug mal abgesehen.
Zunächst mal mussten wir in Dakar zur "Garage" bzw. gare routiere, von wo die ganzen Langstrecken-Verkehrsmittel abfahren. Auf mich wirkte das dort zunächst wie ein unglaubliches Chaos, aber später hab ich gemerkt, dass alles ziemlich gut organisiert war. Massen von diversen Gefährten, fliegenden Händlern (bei denen man so ziemlich alles kaufen kann, was man sich vorstellen kann), Bettlern, Tieren, Fahrern, Kindern, Organisatoren, Jungs, die sich ums Gepäck kümmern, Essensständen, Getränkebuden, den typischen Nescafé-Rollwagen... die volle Dröhnung Afrika sozusagen. Ich war ganz schön froh, Marius und Jean Simon dabei zu haben, ich musste nur hinterher dackeln und aufpassen, nicht über irgendwen oder irgendwas zu stolpern.
Die Fahrt selbst ist ziemlich anstrengend. Zunächst sind die Straßen noch ganz in Ordnung, und wenn man einmal durch Gambia durch ist und wieder auf senegalesischer Seite, gehts auch. Aber dazwischen liegt eine lange Strecke Buckelpiste. In Gambia sind die Strassen so schlecht, dass alle daneben im Strassengraben fahren. Allerdings ist auch das einigermaßen halsbrecherisch und es geht nur im Schritt-Tempo voran. Dazu kommen die Stopps an den Grenzen. Die Senegalesen wollen immer alles mögliche an Informationen (Ziel, Herkunft, genaue Adresse, Beruf...Madame oder Mademoiselle?), die gambischen Zöllner 1000 Franc CFA (ca. € 1,50). und überall gibts einen Stempel in den Pass. irgendwelche Schmiergeld-Versuche oder andere Schikanen hab ich aber nicht erlebt, wobei es sicher nicht geschadet hat, dass Jean Simon immer mitgegangen ist und ein bisschen Smalltalk mit den Beamten gehalten hat.
Am zeitraubensten ist die Fähre über den Gambia-River. Da heißt es anstellen und stundenlang warten. Jedenfalls, wenn man mit Auto unterwegs ist. Für Fußgänger findet sich immer noch ein Plätzchen. Während der Wartezeit hat man Gelegenheit einzukaufen oder was zu essen, außerdem treffen die Senegalesen irgendwie überall irgendeinen Bekannten/Verwandten, mit dem man erst mal gemütlich ein Pläuschchen halten muss. ich hab die meiste Zeit im Schatten eines dicken gelben LKWs gehockt und mir die Leute und das mehr oder weniger hektische Treiben angesehen.
Von Vorteil ist übrigens eine gut trainierte Blase bzw. ein sehr stabiler Kreislauf, der auch mal nen Tag ohne Wasser auskommt. In Kaolack haben wir eine Pinkelpause bei einem Restaurant eingelegt (und die eigentlich auch nur für mich), bei den Toiletten in Gambia war mein Ekel größer als mein Harndrang... alle anderen Mitfahrer haben den ganzen Tag nicht gegessen, nichts getrunken und waren kein einziges mal auf dem Klo.

Als wir ankamen, war es bereits dunkel, so dass ich heute morgen mit einem genialen
Blick auf den Fluss, Palmen und bunt bemalte Pirogen vor meinem Fenster überrascht wurde. Echt super schön. Das Haus gehört der Mutter, Madame Judith Cisse. Die hab ich heute auch mal kurz kennen gelernt, bevor sie wieder unterwegs war. Ein viel beschäftigte Politikerin, außerdem wohl in Entwicklungshilfeprojekten engagiert. So ein richtiges Familienoberhaupt, dem alle mit sehr viel Respekt begegnen, aber dabei auch sehr herzlich. Im Haus fand dann auch gleich noch ein politisches Meeting statt, so dass wir uns verkrümeln mussten um nicht zu stören.

Ziguinchor gefällt mir sehr gut. Alles ist recht verschlafen und ruhig, obwohl es sich um die Hauptstadt der Casamance handelt. Aber es gibt ein paar nette Bistros, Restaurants und auch zwei Clubs, die es noch zu erkunden gilt. Gestern Abend waren wir noch im "Le Tamarinier", Bar und Restaurant, in dem Marius und Jean Simon wieder zahlreiche Bekannte getroffen haben. Marius arbeitet abwechselnd in Dakar und Ziguinchor für eine Kaffee-Firma namens Café Lamar, deshalb ist er sowieso sehr oft hier. (Seine Frau Elaine ist übrigens Ärztin, Kardiologin, und arbeitet in Dakar bzw. gelegentlich in Thiès.) Ein echt netter Laden war das. Auch dort gab's wieder die überall übliche, kitschige Weihnachtsdeko mit Plastiktannenbaum, Glitzerkugeln, Lametta, Girlanden und einem singenden Schneemann auf dem Dach. Etwas befremdlich bei 30 Grad im Schatten. Mal abgesehen davon, dass 90% der Senegalesen Moslems sind und mit Weihnachten an sich eigentlich wenig am Hut haben.

Heute Abend geht's noch ein bisschen auf die Piste, und wohl übermorgen in ein traditionelles Dorf, aus dem Madame Cisse und Jean Simon ursprünglich stammen. Danach nach Cap Skirring, wo es die schönsten Strände geben soll.
Ich meld mich die Tage.
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