Pfiat Di

Trip Start May 01, 2012
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Trip End May 31, 2012


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Flag of Austria  , Lower Austria,
Thursday, May 17, 2012

Vor mir erstreckt sich was man wohl als die ersten vernuenftigen Auslaufer der Alpen nennen kann.
Ich sitze auf unserem Balkon in einem Gasthof in kalte Kuchl, Oesterreich, und erwarte voller Freude die kommenden Tage der Motorradtour, welche uns ueber diverse Alpenpaesse, die deutsche Alpenstrasse entlang durch die Schweiz
bis nach Frankreich fuehren wird.



Wir sind einen recht weiten Weg gekommen.
Begonnen hatte alles an einem regnerischen Tag in Dover, wo wir die Faehre nach Dunkirk
bestiegen haben, wo es uns dann an unserem erste Tag gelingen sollte, uns bis nach Amsterdam durchzuschlagen.

Wunderschoen ist die Gewissheit wieder auf Reisen zu sein und einmal, wie man es so oft doch nicht zustatten bringt, den Heimatkontinent ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen.

Neun Monate hatten wir uns hierfuer, entschuldigen sie  mein Franzoesisch, den Allerwertesten abgearbeitet und in einer Oxforder Unterkunft gehaust, die alles andere als nun - sagen wir einmal geraeumlich gewesen ist.
Von dem Badezimmer, welches bei weniger umsichtiger Benutzung nicht geringen Tropfmengen in die Kueche im Erdgeschoss abgab,  geht es nun also auf die Stasse, wo wasserdurchlaessige Badewannen immerhin einen geringeren Zimmerpreis versprechen.

Amsterdam, das muss ich wohl nur wenigen als Neuigkeit verkaufen, war wunderschoen und uebertraf bei Weitem meine Erwartungen.
Sprachlich gesehen hatte Sean  von mir wahrscheinlich etwas mehr erwartet, als ich im Endeffekt bieten konnte - ist das Hollaendische doch angeblich so nah am Deutschen angelehnt.
Naja ich hatte auch meine hellen Momente als ich schliesslich nach einigen Tagen mit wachen Augen verstand dass 'verhuurd' nicht ganz so viel mit hollaendischer Freizuegigkeit zu tun hat, wie ich anfangs dachte und, waere jedes Haus, welches mit dieser Aufschrift versehen ist, eine ebensolches Etablissement, dann waeren Holland bestimmt schon vor Jahrzehnten die Weiber ausgeangen...




Wir uebernachteten auf einem ruhigen Campingplatz in unserer eigenen Wagonette und stellten fest, dass es Kraft und Durchhaltevermoegen der besonderen Art braucht um ein ganzes Gramm Amsterdamer Kaffee in zwei duennen Tagen gesittet zu verzehren.
Amsterdam hat uns einen grossartigen Einstieg in das Reisefieber geboten und uns hungrig gemacht auf mehr europaeische koestlichkeiten.

Nach Amsterdam machten wir uns auf nach Bremen, wo ich Seans Gaumen auf Reisen schickte durch den Erwerb unserer ersten echten Currywurst mit Pommes rot weiss.

Am naechsten Tag ging es dann durch den stroemendes Regen nach Quedlinburg, welches ich seit meiner, man kann es mittlweweile wohl dann doch Auswanderung nennen, nur fuer eine einzige Woche im September besucht hatte.

Nach dieser eriegnisreichen Woche dann ging es flotten Reifens nach Dresden, Tor zur Tschechischen Republik und eine Stadt
meines Herzens.
Wir verbrachten die spaeten Abendstunden damit, dass ich Sean eine Dokumentation namens 'Hitlers Tonband' sowie die Werner
Comics an den Waenden unseres Hostelzimmers uebersetzte.
Fuer vielseitige Deutschenbildung war also gesorgt und wir waren mehr als reif fuer die Tschechische Republik.

Bewegen wir uns nun gedanklich nach Loket in Tschechien.
Dieser kleine Ort zwischen den Waeldern ist eine Perle fuer jeden, der sich fuer ein ruhiges Wochenend in einer mittelalterlichen tschechischen Kleinstadt erwaermen kann.
Es gibt zwei kleine Tante Emma Laeden und ein imposantes Schloss, umrahmt bei dichtem Wald und so vielen Pensionen und cafes wie man sich nur wuenschen kann.
Unter dem Schloss grasen Ziegen und der Fluss schlaengelt sich traeumerisch durch das Tal.
Dies war auch der erste Ort an welchem es uns nicht gelungen war, im Voraus eine Unterkunft zu buchen und so schlugen wir uns mit mehr Deutsch als Englisch durch bis wir eine noch freie Unterkunft fanden in einer Pension Erika genannt.
Wir waren die einzigen Gaeste und der Ort machte mich schmunzeln.
Als waere man mindestens vierzig jahre in die Vergangenheit gereist erwarteten uns Spitzengardinen und eine Eichhoernchenstatue vor unserem gebluemten Sperrholzsofa.
Der Treppengang glich einem Dschungel aus Kunstblumen, und die Bilder im Flur zeigten unter anderem eine nackte Dame, die sich vor einem magischen Schwan von der Groesse eines Hauses niedergelassen hatte.



Den naechsten Tag fuhren wir nach Cesky Krumlov. Eine der vielen UNESCO Wektkulturerbestadte auf unserem Weg (Sollte ich noch eine Kathedrale
sehen in den naechsten 24 Stunden, ich verspreche euch ich lass keinen Stein auf dem anderen) war die Stadt beeindruckend voll von kunstvoll bemalten Hausern, einem Schloss und soviel Gastronomie wie man sich nur denken koennte.
Wir hatten unsere Unterkunft gut gewaehlt, naemlich kamen wir in einem Haus unter, in welchem einst Egon Schiele gewohnt haben soll.

Na wenn das mir keine Kreativitaetsschuebe herbeizaubert dann weiss ich auch nicht mehr weiter.

Der naechste Tag war sehr verregnet und so beschlossen wir, noch einen weiteren Tag in cesky krumlov zu verweilen.
Es sollte sich als eine gute Entscheidung herausstellen.
Eher durch Zufall als durch Eingebung fanden wir uns in einem kleinen Pub in der Innenstadt wieder, wo uns ein mehr als authentischer, missmutiger Kellner ein Bier nach dem naechsten auf den Tisch knallte und wir uns ganz und gar dem ungewohnten Luxus hingaben, drinnen rauchen zu duerfen.

Durch das so offensichtlich lieblose bewirten irgendwo zum exzentrischsten geruehrt, blieben Sean und ich den ganzen Abend und zu einer defigen Mahlzeit aus Nockerln, Sauerkraut und Schweinsbraten fanden wir uns auf einmal von tanzenden und singenden menschen umgeben.

Eine Zigeunerband hatte and einem der Tische Platz genommen und spielte auf, wie ihr es euch nur aus den gewagtesten Balkanfilmchen vorstellen koennt (Ihr könnt ein kleines Video davon im Bilderverzeichnis finden).

Wie uns spaeter von einem Gast mitgeteilt wurde, ist Cesky Krumlov einer der wenigen Orte in denen das fahrenden Volk und der gemeine Tscheche in Eintracht
miteinander leben koennen.
Leider ist Rassismus gegen die 'Zigeuner' in Tschechien immer noch etwas sehr alltaegliches und es war meiner Meinung nach etwas
sehr einzigartiges, was uns an diesem Abend dort wiederfahren ist.

Die gesamte Kneipe stimmte in die Lieder mit ein und selbst der aelteste Mann erhob sich noch vom Stuhl und versucht in dem ueberfuellten
Gastraum das Tanzbein zu schwingen.

Definitiv ein Ort, and welchen ich wieder zurueckkehren wuerde.




Dieser, um Gottes Willen sowas aber auch, sehr verzoegerte Eintrag wird nicht der letzte seiner Art gewesen sein.

Aber - um es freundlich auszudruecken - das Vorkommen von Internetverbindungen in den Alpen ist eine rare Angelegenheit und im Vergleich zu Thailand fühle ich mich hier, als sei ich letztenendes doch noch ... ans Ende der Welt geraten.
Internettechnisch zumindest.

Da ist man doch auf einmal überrascht, wie sehr man das gute Netz vermisst und sich auf einmal wuenscht, ein Blackberry, Strawberry oder was auch immer bei sich zu haben.

Aber, so ich ja eine treue Abenteurerseele bin, wende ich mich fuers erste nicht von meiner Pay as you go- Akku haelt zwei Stunden-Nokiakruecke ab.

Ps.: Jetzt wo ich gerade wieder dieses Schild mit dem Hirsch neben der Strasse sehen kann. Was zum verhexten Einhorn bedeutet 'Pfiat di'?


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