Touris, Kathakali und die Backwaters

Trip Start Jul 14, 2010
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Trip End Sep 20, 2010


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Where I stayed
Spice Holidays

Flag of India  , Kerala,
Friday, July 23, 2010

Ich hatte mir mit Hilfe von Adaikkalam ein Taxi auf 4Uhr bestellt. Der Fahrer war eine halbe Stunde zu spaet, am Rueckspiegel hing ein kleines Holzkreuz und ich wunderte mich schon ueber die vorhandenen Gurte, als er etwas fasselte von "Germany, drive fast, ah?", danach auf sich zeigte und hinzufuegte, "no fifty, thirty minutes". Der Sicherheitsgurt und das hypnotisch hin- und herschwingende Kreuz vermittelten zwar kaum Sicherheit, aber beruhigten ein wenig, denn trotz Schlagloechern, Eseln, Hunden, Passanten und langsameren Rikschahs fuhr mich der Fahrer in 25 Minuten zum Bahnhof. Seiner Rekordzeit, wie er stolz verkuendete.
Auf dem Bahnsteigen schliefen Reisende, die meisten zusammengerollt direkt auf dem staubigen dreckigen Boden, dazwischen liefen Passanten, Tee und Kaffeeverkaeufer hin und her.
Um 5:30 fuhr der Zug ein, der bestimmt um die 50 Wagons hatte, ich hatte bereits mein Ticket fuer den Schlafwagen, konnte aber nicht daraus erkennen in welchem Wagon mein Platz war und so lief ich erst ahnunglos fuer einige Minuten am Zug entlang und fragte dann einen Inder in meinem Alter, der nur grinsend auf die Liste an der Wagontuer zeigte vor der ich stand.
Im Wagon waren auf der linken Seite zwei Pritschen uebereinander in Fahrtrichtung. Vom Gang getrennt, gab es auf der rechten Seite zweimal drei sich gegenueberliegende Liegen, quer zur Fahrtrichtung. Meine waere recht eng gewesen und so gab mir der Schaffner von sich aus eine andere Pritsche, die auch ganz oben, aber lag und geruemmiger war. Es war zwar nen ziemlicher Akt dort hochzukraxeln und die Decke roch so beizend, dass man sie nicht nutzen konnte, aber ansonsten war es so komfortabel, dass ich die ganze Strecke von 5h durchschlief und netterweise am Ziel geweckt wurde. 
 Die indische Bahn kann was, 280km bequeme Fahrt in der 3. Schlafwagenklasse mit Klimanlage und Weckservice fuer knapp 5Euro. Ich ziehe jetzt bewusst keinen Vergleich zur DB, dass wird jeder fuer sich schon getan haben.
Ausgeschlafen und erholt stand ich am Bahnhof vom hektischen Ernakulum von dem aus ich den Bus ins beschaulichere, ruhigere Cochin nehmen wollte. Es war drueckend heiss und staubig. Ich fand den Busbahnhof nicht, fuhr dann eine Station im falschen Bus und wurde dann von Studis in einen Bus gesetzt, der zwar wieder nur in Sanskrit das Ziel anzeigte, dessen Schaffner mir aber auch versichern konnte, dass es Richtung Fort Cochin ging. Die Fahrt zog sich, in Cochin angekommen muss ich wie das typische Touristenopfer ausgesehen haben, da ich schwer beladen war mit Backpack und Rucksack. Dazu noch den Lonely Planet in der Hand hatte, dessen Cochin Karte nur bedingt weiterhalf, da Strassenschilder spaerlich waren. Und so wurde ich von Rischahfahrern belagert, die mir angeblich guenstige Hotels oder Sight-Seeing-Touren anboten. 
Gluecklicherweise hatte ich aber schon eine Reservierung fuers perfekt gelegene Spice Holidays und bekam dort ein schoen sauberes Zimmer und einen weiteren Preisnachlass, weil ich am Abend zuvor einen BWL-Prof getroffen hatte, der den Eigentuemer gut kannte.
Ich hatte mittlerweile gut Hunger und ging erstmal in Art Cafe, dass einen hervorragenden starken Espresso hatte (nicht zu vergleichen mit suessem schwachem indischischen Kaffee) und leckere Sandwiches. Es assen dort allerdings auch nur weisse Touris. Danach lief ich durch das muslimische Viertel Richtung Dutch Palace, dessen Ausstellung von Maharadscha Portraits ich mir auf Grund von einem Monsunschauer dann doch ansah, da ich weder Schirm noch Regenjacke dabei hatte und von dort aus ging es ins juedische Viertel zur Synagoge, die leider wegen eines Feiertages geschlossen war. Besonders anstrengend waren hier die Haendler, die angeblich echte Paschmina-Schals, kleine Hindugoetter-Figuren oder Schmuck anboten. Und dabei mit dem Dreiklang, den auch die Rikschahfahrer nutzen aus, 'How are you?', 'Where are you from?' 'What is your name?', begonnen und als Viertes ein 'have a look my friend' anfuegten. Man hat nur seine Ruhe, wenn man sie komplett ignoriert. Interessant waren allerdings die knapp dahinter liegenden Gewuerzbetriebe. Es lag eine Mischung von Zimt, Anis, Nelken und Pfeffer in der Luft.

Im Hostel hab ich abends zwei Franzosen und ein belgisches Paaerchen getroffen. Wir wollten erstmal ein Bier trinken gehen, was schwierig war denn Alkohol ist verpoent in Kerala und fuer den Verkauf oder Aussschank benoetigten Restaurants eine Konzession. Wir landeten schliesslich im fensterlosen mit Neonlicht asugeleuchtetem Hinterzimmer von einem eher schickerem Hotel und bekamen dort indisches Kingfisher in 660ml Flaschen zum europaeischen Preis von Rs150, d.h. 2,4.  Dafuer konnte man sich aber wie zu Zeiten der Prohibition fuehlen. Danach waren wir noch in einem Lokal essen, in dem wieder nur weisse waren und in dem mein Essen erstaunlich mild und an Touristen im Geschmack angepasst war. Ich vermisste zum ersten Mal die Schaerfe.

Am naechsten Tag hatte ich genug von dem touristischem Fort Cochin und bin mit der Faehre nach Ernakulum gefahren und dort in einem riesigen Kaufhaus (vergleichbar mit P&C) mit Fixpreisen shoppen gegangen. Hier war ich wirklich der einzige Tourist. Ueberrascht war ich von der Aufmerksamkeit, die mir gewidmet wurde, mindestens zwei, zwischendurch auch mal vier, Verkaeufer liesen alles liegen, nur um mich zu beraten oder Kleidung heranzutragen und mir unter die Nase zu halten. Ich wollte eigentlich eher in Ruhe fuer mich stoebern, dass war aber nicht moeglich, da die Verkaeufer nicht von meiner Seite wichen, beleidigt guckten, wenn ich es wagte mir selber etwas von einem Stapel zu nehmen und es mir nicht anreichen liess. 
Als ich einen  grimmig guckender, beschnautzten Verkaeufer, der der Manager der Herrenabteilung war, nach Schals fragte, wurde es grotesk: laechelnd und freundlich meinte er ich solle ihm folgen und lief im Schweinsgalopp aus dem 7. Stock ins Erdgeschoss, um dort die zwei Verkaeuferinnen anzuweisen, welche Ware mir zu zeigen sei. 

Fuer den Abend hatte ich eine Karte fuer den Kathakali Dance, eine getanzte traditionelle Theaterform, bei der die Schauspieler aufwendig geschminkt sind und panomimisch, v.a durch ihr Mimikspiel hinduistische Geschichten von Krishna und Rama darbieten. Begleitet wird das ganze von Trommeln, einer Floete und Gesang. Die Auffuehrungen gehen normalerweise ueber 8h und ich war froh, dass diese nur ueber 2,5h ging. Im Theather hab ich noch zwei deutsche Psychologiestudentinnen getroffen mit denen ich essen gegangen bin. Im Lokal war es erst relativ leer, aber nach kurzer Zeit sassen an den Nachbartischen einige Maenner, die nur an ihrem Tee nippten und dann verstohlen zu unserem Tisch rueberlugten. Und als ich erstaunt zu ihnen rueberschaute, fuehlten sie sich ertappt und nickten mir nur grinsend zu. Indien ist mir ein wenig zu pruede.

Am naechsten Morgen wurde ich frueh fuer die Backwater Tour abgeholt, ein Kanalsystem im Hinterland Keralas, dass dort das einzige Verkehrsnetz zwischen den Doerfern darstellt. Die Tour war fantastisch, in zwei Booten mit je 8 Personen wurden wir durch den Dschungel gestakt und bekamen dabei eine kleinere Bauernhoefe gezeigt. Auf einem wuchsen wild, Pfeffer, Zimt, Muskat, ein Currystrauch, Bethelnuesse und andere Gewuerze und Pflanzen, die teilweise laut dem Guide eine gesundheitsfoerderliche Wirkung haetten, die meistens "purifying" war, manchmal aber auch spezifischer gegen Hepatitis helfen sollte. Naja, wenns keine Impfung gibt zur Not halt ein Strauch. Angenehm war, dass es keinen Verkaufsstand gab und die Doerfer noch urspruenglich wirkten.
Danach setzten wir mit einem grossen Boot mit gelfochtenem Dach auf eine Insel zum Mittagessen ueber, dass auf Bananenblaettern serviert wurde (Reis, mehrere Chutneys, Kokoscurry, Kartoffelcurry) Sehr lecker. Abgeschlossen wurde die Tour indem wir noch einige Stunden mit dem Boot auf einer der grossen Wasserstrassen fuhren, wo das Wasser immernoch nicht tiefer als 2m war.
In der Gruppe waren auch wieder einige Deutsche mit denen ich abends im Salt n Pepper essen gegangen bin. Der etwas schmudellige Laden hat ganz nette Gerichte, ist aber beruehmt fuer den Tee, den man dort bekommen kann. Und so hab ich das Bier in einer Prozellanteekanne mit Goldrand serviert bekommen und aus einem bunten Kaffeebecher getrunken. Ob der Laden vielleicht offiziell doch Alkohol ausschenken darf? Wer weiss?


 
 
 
 
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